Handeln, bevor es brennt
29.05.2026 Mutschellen, Kirche, AbstimmungenAbstimmung über grosse Fusion
Heute gibt es auf dem Mutschellen drei Kirchgemeinden. Diese arbeiten seit 14 Jahren im Rahmen eines Pastoralraums eng zusammen und verfügen über gemeinsame Angestellte. Am 14. Juni stimmen die Gläubigen nun ab, ob sie die ...
Abstimmung über grosse Fusion
Heute gibt es auf dem Mutschellen drei Kirchgemeinden. Diese arbeiten seit 14 Jahren im Rahmen eines Pastoralraums eng zusammen und verfügen über gemeinsame Angestellte. Am 14. Juni stimmen die Gläubigen nun ab, ob sie die drei Kirchgemeinden zu einer einzigen fusionieren möchten. Das Projektteam erhofft sich durch den Zusammenschluss schlankere Strukturen und verweist auf heute nicht besetzte Kirchenpflegerstellen. --rwi
Am 14. Juni stimmen die Katholiken über einen Zusammenschluss ihrer Kirchgemeinden ab
Bereits heute arbeiten die drei Kirchgemeinden auf dem Mutschellen sehr eng zusammen. Dies mit einer Verbandsstruktur. Jetzt soll mit einer Katholischen Kirche am Mutschellen alles noch einfacher werden. Mitte Juni erfolgt dazu eine Abstimmung.
Roger Wetli
«Ich vergleiche unsere aktuelle Situation gerne mit einer Feuerwehr», erklärt Pastoralraumleiter Michael Jablonowski. «Denn die Feuerwehr schafft auch nicht erst dann ein neues Fahrzeug an, wenn es brennt. In einer ähnlichen Situation befinden wir uns heute.» Spricht er mit den Gläubigen, merkt er, dass diese oft im Zwiespalt sind: «Der Verstand sieht die Notwendigkeit einer Änderung. Das Herz möchte dagegen am Bisherigen festhalten.» Er hat dafür grosses Verständnis. Georges Rey ist sowohl Präsident der Kirchenpflege Oberwil-Lieli wie auch des Kirchgemeindeverbandes und Vorsitzender der Projektgruppe «Zusammenschluss der Kirchgemeinden im Pastoralraum am Mutschellen». Wer weiss: «Die Kirche war vor 40 Jahren eine andere und wird in 40 Jahren wieder anders sein. Mit dem Zusammenschluss schaffen wir die Voraussetzung, um auf diese Veränderungen zu reagieren.» Ihn und Michael Jablonowski freut es, dass der geplante Zusammenschluss bisher zu einer aktiven und lebendigen Diskussion in der Kirche geführt hat. «Genau das möchten wir. Und wir hoffen, dass dieses Engagement auch nach der Abstimmung weitergeht», so der Pastoralraumleiter.
Aus drei wird eins
Sagen die Stimmberechtigten Ja zum Zusammenschluss, entsteht aus den drei Kirchgemeinden Eggenwil-Widen, Oberwil-Lieli und Berikon-Friedlisberg-Rudolfstetten-Bergdietikon die Katholische Kirchgemeinde am Mutschellen. Bereits seit 14 Jahren arbeiten diese Kirchgemeinden als Pastoralraum eng zusammen. «Wir waren im Aargau der erste Pastoralraum», erwähnt Georges Rey. Ein Zusammenschluss stand schon länger im Raum, wurde aber erst mit der Klausur im letzten Frühjahr ein konkretes Thema.» Eine danach durchgeführte Umfrage bei den 4500 Stimmberechtigten ergab, dass 85 Prozent eine Prüfung dieses Zusammenschlusses befürworten.
Georges Rey hat sich stark mit den neuen Strukturen befasst. Er sieht in einem Zusammenschluss verschiedene Vorteile: «Wir könnten dadurch die internen und administrativen Prozesse deutlich vereinfachen.» Als Beispiel nennt er, dass die drei Kirchgemeinden heute alle eine Kirchenpflege mit fünf Mitgliedern stellen müssen. Dazu kommen weitere Organe wie etwa eine Finanzkommission pro Kirchgemeinde. «In der Kirchenpflege engagieren sich heute in Oberwil-Lieli und Eggenwil-Widen nur jeweils drei Personen, in Berikon-Friedlisberg-Rudolfstetten-Bergdietikon nur vier Personen. Dafür haben wir eine Ausnahmebewilligung der Landeskirche erhalten», so Rey. Für die neue Kirchenpflege bräuchte es nur noch sechs Personen, wobei in der ersten Amtsperiode jede der drei ursprünglichen Kirchgemeinden zwei Sitze garantiert würden. Zusätzlich zu den sechs Personen ist auch der Pastoralraumleiter Mitglied in der Kirchenpflege.
Mehr Demokratie
«Durch die neuen Strukturen wird die Demokratie innerhalb der Kirche gestärkt», ist Rey überzeugt. Denn aktuell könnten die Kirchgemeinden nur über rund 60 Prozent der Ausgaben bestimmen, da die restlichen 40 Prozent auf den Kirchgemeindeverband entfallen. «Damit werden vor allem die Löhne bezahlt. Es macht Sinn, dass unser Personal nur an einem Ort angestellt ist. Sie können dadurch freier innerhalb der drei Kirchgemeinden handeln», so Georges Rey.
Auch die Sitzungen des Kirchgemeindeverbands würden mit den neuen Strukturen entfallen. «Aktuell benötigen die Vorstände der drei Kirchgemeinden inklusive der Verbandstätigkeiten jährlich rund 30 Treffen. Künftig wären es wohl noch zehn», rechnet Michael Jablonowski vor. Er selbst nimmt an jede dieser Sitzungen teil. «Mit den neuen Strukturen könnte ich eine Woche mehr für die Seelsorge einsetzen», erklärt er. Wegfallen würden zudem das Abrechnen von Dienstleistungen, die heute zwischen den drei Kirchgemeinden geschehen.
Michael Jablonowski erhofft sich durch einen Zusammenschluss die Stärkung der Interessengemeinschaften innerhalb des heutigen Pastoralraums. «In diesen engagieren sich bereits heute Personen aus verschiedenen Kirchgemeinden.» Gleichzeitig sollen spezifische Anlässe und Aktivitäten in den einzelnen Orten möglich bleiben. «Das ‹Fiire mit de Chliine› in Oberwil-Lieli ist zum Beispiel sehr beliebt. Es darf bereits heute von Auswärtigen besucht werden und muss nicht auch in den anderen Kirchgemeinden stattfinden.»
Aus finanzieller Sicht nicht notwendig
Georges Rey betont, dass ein Zusammenschluss aus finanzieller Sicht nicht notwendig ist. «Am meisten flüssige Mittel besitzt Eggenwil-Widen, gefolgt von Oberwil-Lieli. Einzig Berikon-Friedlisberg-Rudolfstetten-Bergdietikon hat Schulden. Dies aber, weil sie in den letzten drei Jahren in die energetische Sanierung der Kirche und des Pfarrhauses von Rudolfstetten und in das Pfarreizentrum Berikon investierte. Alle drei Gebäude sind also in Top-Zustand.»
Nachteile eines Zusammenschlusses ortet Rey beim Steuerfuss. Oberwil-Lieli müsste von 15 auf 17 Prozent hinauf, Eggenwil-Widen würde bei 17 Prozent bleiben, während er in Berikon-Friedlisberg-Rudolfstetten-Bergdietikon um einen Punkt auf 17 Prozent herunter gehen würde. Am meisten hörbaren Widerstand gegen die neuen Strukturen kommt denn auch aus Oberwil-Lieli. Dort wird argumentiert, dass die anderen zwei Kirchgemeinden sich vor allem die 1700 Quadratmeter Bauland von Oberwil-Lieli einverleiben möchten. «Das glaube ich nicht», erklärt Georges Rey, der der Kirchgemeinde von Oberwil-Lieli vorsteht. «Dieses Bauland befindet sich in der Zone für öffentliche Bauten und ist bereits durch das Pfarrhaus belegt. Wir könnten es also nicht für Ein- oder Mehrfamilienhäuser teuer verkaufen.» Allenfalls möglich sei dort der Bau von altersgerechten Wohnungen. «Erste Überlegungen gibt es dazu», so Rey.
Er betont, dass auch bei einem Zusammenschluss die Pfarreisekretariate und die Pfarreiarchive in den heutigen Orten bleiben würden. «Die Nähe zu den Gläubigen gewährleisten wir dadurch.» Rey glaubt auch nicht, dass Oberwil-Lieli bei den Abstimmungen in der neuen Kirchgemeinde untergehen würde. «Rein von der Anzahl Mitglieder wäre das zwar möglich. Aber es braucht bei einer Abstimmung eine Mobilisierung der Gläubigen, damit sie an die Urne gehen. Und das funktioniert in Oberwil-Lieli sehr gut.» Er selber präsidiert den heutigen Kirchgemeindeverband. «Das zeigt, dass der Einfluss von Oberwil-Lieli nicht schwinden muss.»
Neuer Prozess bei einem Nein
Für Rey und Jablonowski ist der Zeitpunkt dieser Abstimmung jetzt ideal. Dies, weil im Herbst die Gesamterneuerungswahlen für die Ämter stattfinden. «Bei einem Ja wären dann für die Kirchenpflege nur noch sechs statt wie heute 15 Personen nötig», so Rey. Er betont, dass der Zusammenschluss nur bewilligt wird, wenn alle drei Kirchgemeinden Ja sagen. «Stimmt eine Nein, braucht es einen neuen Prozess. Wobei es wohl wenig Sinn macht, wenn von den drei nur zwei zusammenkommen und der Kirchgemeindeverband weiter bestehen würde.» Er unterstreicht: «Wir hoffen auf ein Ja und das Vertrauen, dass wir die künftigen Herausforderungen gemeinsam lösen. Das Ganze machen wir, damit unsere Kirche auch in Zukunft lebendig sein kann.»

