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16.12.2025 Eggenwil, Region BremgartenDer Kapitän geht
Ammann Roger Hausherr tritt ab
20 Jahre lang prägte Roger Hausherr Eggenwil im Gemeinderat, die letzten acht Jahre als Gemeindeammann. Ende Jahr fängt für den Regionalleiter eines Unternehmens im Baugewerbe, ...
Der Kapitän geht
Ammann Roger Hausherr tritt ab
20 Jahre lang prägte Roger Hausherr Eggenwil im Gemeinderat, die letzten acht Jahre als Gemeindeammann. Ende Jahr fängt für den Regionalleiter eines Unternehmens im Baugewerbe, Privat-Piloten und Kapitän ein ruhigeres Leben an. Hausherr erlebte in seinem Amt stürmische Zeiten, schaute aber stets in den fernen Horizont und bereitete Eggenwil für die künftigen Herausforderungen vor. --rwi
Gemeindeammann Roger Hausherr verlässt sein Amt nach 20 Jahren
2006 nahm Roger Hausherr seine Tätigkeit im Eggenwiler Gemeinderat auf. Ab 2018 führte er das Dorf als Ammann. Der Regionalleiter im Bauwesen und Freizeit-Hochseeschiffs-Kapitän hatte immer Spass, Eggenwil Schritt für Schritt weiterzubringen.
Roger Wetli
«Um ein guter Gemeinderat zu sein, braucht es nicht zwingend eine akademische Ausbildung, sondern in erster Linie das Herz am rechten Fleck und den Willen, das Beste für das Dorf zu tun. Und das, ohne an die persönlichen Interessen zu denken», ist Roger Hausherr überzeugt. In seinen 20 Jahren im Eggenwiler Gemeinderat erlebte er viele Gemeinderäte. Er selber wirkte immer nach dem Leitspruch, dass es für gute Entscheidungen gute Grundlagen braucht. «Deren Erarbeitung ist der intensivste Teil und Aufgabe der Verwaltung.»
Leidensdruck war wohl noch zu klein
Roger Hausherr versuchte, bei all seinen Entscheidungen immer langfristig für Eggenwil zu denken. «Also über die eigene Amtszeit hinaus. Es geht darum, Synergien zu nutzen und gesamtheitliche Lösungen zu finden», präzisiert er. Zudem solle eine Massnahme gleich verschiedene Probleme lösen. Dabei machte er eine spezielle Erfahrung: «Den Stimmberechtigten diese langfristigen Perspektiven zu vermitteln, ist nicht einfach.»
Als Beispiele nennt er die Schulraumplanung und den Hochwasserschutz. «Beim Schulhaus dachten wir zu weit in die Zukunft. Die Stimmberechtigten entschieden sich für ein redimensioniertes Projekt. Dafür beginnt der Gemeinderat bald bereits wieder mit der Planung der nächsten Erweiterung.» Für viel Kritik sorgte auch der Hochwasserschutz. Für diesen wollte der Gemeinderat den Junebach umleiten und damit einen Grossteil der Häuser von Eggenwil schützen. Das Projekt wurde schliesslich genehmigt. «Der Widerstand war aber brutal. Für die Bevölkerung brachten wir dieses Projekt wohl zu früh. Der Leidensdruck war wahrscheinlich noch nicht gross genug», mutmasst der Ammann.
Er ist überzeugt: «Dank den Massnahmen konnten wir teure Schäden an der privaten und öffentlichen Infrastruktur verhindern. Zudem zahlten der Bund und der Kanton rund 80 Prozent, weil wir mit der Thematik früh dran waren.»
Trotz diesen zwei schwierigen Projekten in den 2010er-Jahren empfindet Roger Hausherr, dass die Bevölkerung dem Gemeinderat immer grosses Vertrauen signalisierte. «Und dieses Vertrauen haben wir nie missbraucht und auch nie Informationen zurückgehalten.»
Ammann-Wahl als natürliche Entwicklung
Der Gemeindeammann wuchs in Eggenwil auf und engagierte sich viele Jahre lang in der Feuerwehr. Lange war er parallel zu seinem Gemeinderatsamt auch Feuerwehrkommandant. «Es war nicht geplant, dass ich 2005 für den Gemeinderat kandidiere. Ich wurde angefragt und klärte zuerst ab, ob das mit meiner Rolle als Feuerwehrkommandant vereinbar ist», blickt Roger Hausherr zurück. «Als dieses Hindernis beseitigt war, stellte ich mich zur Wahl.» Er betont, dass er im Gemeinderat nicht auch noch dem Ressort Feuerwehr vorstand. Diese Aufgabe hatte der damalige Ammann Thomas Endres. Diesen löste Hausherr 2018 in seinem Amt ab – ohne zuvor Vizeammann gewesen zu sein. «Es war für mich irgendwie klar, dass ich der Nachfolger von Thomas Endres werde. Ich engagierte mich bereits stark für das Dorf im Gemeinderat und war bereit, als Ammann zusätzliche Verantwortung zu übernehmen.»
Schmerzlose Auflösung
Dieser Wille, Entscheidungen zu treffen, zieht sich in allen Tätigkeiten von Roger Hausherr durch. «Ich hatte immer Freude daran, Dinge zu steuern», lacht der Privat-Pilot und Kapitän. Und auch in der Feuerwehr lebte er diese Seite aus – und als Regionalleiter eines Unternehmens im Bauwesen. In diesem ist Hausherr verantwortlich für die Regionen Deutschschweiz und Tessin und für rund 35 Bauleiter. «Beruflich bin ich eigentlich zeitlich bereits voll ausgelastet. Deshalb wäre ich ohne unser Verwaltungsleitermodell nicht Gemeinderat geworden.» Er schätzt es, dass sich der Eggenwiler Rat auf die strategische Ebene konzentrieren kann, während sich die Verwaltung um das Operative kümmert.
«Ich würde jeden Entscheid der letzten 20 Jahre gleich fällen, sofern wir die dieselben Grundlagen hätten. Allerdings würde ich mir für das ein oder andere mehr Zeit lassen», so Hausherr. Die Auflösung der Ortsbürgergemeinde schmerzt ihn deshalb nicht. Auch wenn er selber das Eggenwiler Ortsbürgerrecht hatte. «Deren Ende war absehbar. Ich habe nie an Altem festgehalten, wenn es eine bessere Lösung gegeben hat. Dasselbe gilt auch bezüglich des Verkaufs der Elektra Eggenwil.» Der Energiesektor sei mittlerweile derart komplex, dass die Elektra in Expertenhände gehöre. «Deren Verkauf war wohl eine der wichtigsten und wegweisendsten Entscheidungen für das Dorf in meiner Amtszeit. Wir erwischten dafür einen guten Moment», ist der Ammann überzeugt.
Seine 20 Jahre im Gemeinderat möchte Roger Hausherr nicht missen. «Ich habe dank dem Amt so viele spannende Leute kennengelernt, zum Beispiel Bundesrätin Doris Leuthard, Nationalräte und die Kommandanten der Regional- und Kantonspolizeien. Und ich schätzte die Kontakte mit den Ammännern der umliegenden Dörfer.» Als eine der wichtigsten regionalen Organisationen bezeichnet Roger Hausherr den Regionalplanungsverband (Repla). «Er ist entscheidend, weil dort über die eigene Gemeindegrenze hinausgedacht wird.» Unbedingt ein Kränzchen windet er auch der Presse: «Ich wurde nie in die Pfanne gehauen und immer fair behandelt – das auch in schwierigen Zeiten.»
Fusion könnte möglich werden
Er könne jetzt gut loslassen. «Alle Hausaufgaben sind gemacht, die Eggenwiler Infrastruktur top. Die Finanzsituation wird sich verbessern.» Die Geschehnisse in Eggenwil wird Roger Hausherr allerdings für einige Jahre aus dem Ausland via Online-Abo dieser Zeitung verfolgen. Im Verlauf zieht es ihn und seine Frau auf die Weltmeere. Seine Basis bleibt immer in Eggenwil.
Schaut er in die Zukunft von Eggenwil, schliesst er eine Fusion per se nicht aus. «Die Anforderungen an das Gemeindepersonal steigen stetig. Schon jetzt werden einzelne Abteilungen von verschiedenen Dörfern zusammengefasst auf einen einzigen Standort ausgelagert, weil gewisse Aufgaben gemeinsam einfach besser gelöst werden können.» Roger Hausherr ist deshalb gespannt, wie die Aargauer Gemeindelandschaft in zehn Jahren aussehen wird. Er mache diese Analyse völlig objektiv und emotionslos. «Sollte Eggenwil mal eine mögliche Fusionspartnerin werden, wäre sie sicher eine attraktive Braut», ist er überzeugt. Und schiebt nach: «Solange es möglich ist, bleibt das Dorf sicher selbstständig. Aber man sollte einfach nicht blind daran festhalten.»


