«Erwarte, dass Spieler alles geben»
20.02.2026 Sport, Fussball1. Liga classic: Sportchef Sergio Colacino vor Wohlens Rückrundenstart gegen Schötz (Sa, 17 Uhr, Niedermatten)
Er übernahm sein Amt wenige Tage nach dem Ende der Vorrunde. Als neuer Sportchef hatte Sergio Colacino in der Winterpause die Aufgabe, den FC ...
1. Liga classic: Sportchef Sergio Colacino vor Wohlens Rückrundenstart gegen Schötz (Sa, 17 Uhr, Niedermatten)
Er übernahm sein Amt wenige Tage nach dem Ende der Vorrunde. Als neuer Sportchef hatte Sergio Colacino in der Winterpause die Aufgabe, den FC Wohlen auf die Rückrunde vorzubereiten. Diese beginnt morgen Samstag mit dem Heimspiel gegen Schötz.
Josip Lasic
Sie gehen erstmals als Sportchef in eine Rückrunde. Konnten Sie sich in dieser Rolle bereits einleben?
Sergio Colacino: Es ist anders als die Trainerrolle, weil man nicht täglich auf dem Platz steht. Die Winterpause war aber keine hektische Phase. Wir haben Gespräche geführt, einzelne Verträge verlängert und das Team punktuell verstärkt. Die Arbeit wird intensiver, wenn die Planung der nächsten Saison beginnt. Aber ich bin nicht auf mich allein gestellt. Ich arbeite eng mit Sportvorstand Gregorio Trovato zusammen, das erleichtert vieles.
Was darf man vom FC Wohlen in der Rückrunde erwarten?
Ich kann nur sagen, was ich erwarte. In der Vorbereitung haben sich alle Spieler gut präsentiert, auch die Jungen. Ein gesunder Konkurrenzkampf soll herrschen. Deshalb erwarte ich, dass die Spieler alles geben. Weil sie etwas erreichen wollen und weil sie wissen, dass auf der Bank jemand sitzt, der sie ersetzen kann.
In der Tabelle steht Wohlen auf Rang 7, mit ähnlichem Abstand nach oben wie nach unten. In welche Richtung soll es gehen?
Die Ausgangslage ist spannend. Zwei Niederlagen, und man ist hinten, zwei Siege, und man ist vorne. Deshalb konzentrieren wir uns nicht zu stark auf die Tabelle. Wir wollen die gute Entwicklung aus der Vorbereitung fortsetzen. Jedes Spiel muss neu und konzentriert angegangen werden, ohne grosse Berechnungen im Vorfeld.
Ihr Vorgänger Carmine Viceconte war für erste Mannschaft, U23 sowie A- und B-Junioren zuständig. Wie ist die Verantwortung jetzt geregelt?
Die Verantwortung ist aufgeteilt: Ich bin für die erste Mannschaft zuständig, Alessandro Vicedomini für die anderen drei Teams.
Es gibt aber Schnittstellen zwischen den Teams. Funktioniert der Austausch?
Ja. Es ist auch nicht so, dass ich mich nur um die erste Mannschaft kümmere und er nur um die anderen Teams. Aber wenn alles bei einer Person zusammenläuft, wird man den Spielern nicht gerecht. Sie brauchen neben den Trainern feste Ansprechpartner. Auch für Anliegen, die nicht nur das Sportliche betreffen. Die U23 ist aber ein wichtiges Thema und interessiert mich genauso wie die erste Mannschaft.
Am Ende der letzten Saison wurden Leistungsträger der ersten Mannschaft in die U23 versetzt, um den Ligaerhalt zu sichern. Das sorgte beim Publikum für Unmut. Jetzt steckt die U23 wieder im Abstiegskampf. Droht ein ähnliches Szenario?
Nein. Die erste Mannschaft umfasst 24 Spieler. Wer es nicht in den Spieltagskader schafft, kann in der U23 Spielpraxis sammeln und das Team unterstützen. Aber wir werden die erste Mannschaft nicht schwächen für kurzfristige Resultate in der U23. Unser Ziel bleibt der Ligaerhalt der 2. Mannschaft. Aber wir müssen längerfristig und nachhaltig denken.
Die A-Junioren sind aus der «Youth League A» abgestiegen. Es gibt Gerüchte, dass bei einem Abstieg der U23 die beiden Teams zusammengelegt werden. Ist da etwas dran?
Nein. Ein Verein wie der FC Wohlen muss den Anspruch haben, auf allen Stufen vertreten zu sein. Sollte der Worst Case eintreten und die U23 absteigen, wäre das Ziel selbstverständlich der Wiederaufstieg. Aber den erreicht man nicht mit Schnellschüssen oder Teamzusammenlegungen. Dafür braucht es stabile Strukturen – und die entstehen nicht in einem Monat.
Sie waren beim FC Mutschellen Assistenztrainer von Piu, haben inzwischen selbst als Cheftrainer gearbeitet. Holt er sich bei Ihnen Inputs oder sind die Rollen des Trainers und Sportchefs strikt geteilt?
Es wäre falsch, die Rollen zu stark voneinander abzugrenzen. Die Verantwortung auf dem Platz liegt bei Piu und seinem Staff. Aber wir tauschen uns regelmässig aus, weil wir das gleiche Ziel verfolgen: mit dem FC Wohlen erfolgreich zu sein. Er weiss, wie eng es in dieser Liga ist, tritt aber ambitioniert auf und denkt nicht nur an den Klassenerhalt. Entscheidend ist, dass wir uns bei der Qualität des Teams einig sind und den Spielern vertrauen. Und wenn wir in einzelnen Fragen unterschiedlicher Meinung sind, suchen wir gemeinsam Lösungen.
Wo gehen Ihre Meinungen auseinander?
Bei der Frage nach einem zweiten Knipser neben Dramane Sissoko. Er ist ein Topstürmer. Solche Fussballer sind in dieser Liga selten. Wir sollten uns glücklich schätzen, dass er bei uns ist, statt einen zweiten solchen Stürmer zu fordern.
Die Gegner fokussieren sich entsprechend auf Sissoko.
Dafür sollten wir dankbar sein. So entstehen Räume für die anderen Spieler.
Die selten genutzt werden. Der zweitbeste Torschütze ist Innenverteidiger Alban Pnishi.
Dann liegt es auch am Trainer, Alternativen zu finden. Wir haben andere Offensivleute im Team. Wenn sie nicht treffen, muss der Trainer sein Spiel modifizieren. Aber klar: Die Spieler stehen genauso in der Verantwortung. Fakt ist: Wir können nicht jedes Problem mit einem Transfer lösen. Wir müssen mit den Mitteln auskommen, die wir haben. Und die reichen meiner Ansicht nach auch aus.
Gegen Ende der Hinrunde fiel das Team in ein sportliches Tief. Es schien kollektiv Frust im Verein zu herrschen. Wurde die Trainerfrage gestellt?
Ein gewisser Frust war da. In so einer Phase wird alles analysiert. Das Resultat war, dass wir mit Piu weiterarbeiten. Das ist die Ausgangslage. Wenn die Planungen für die nächste Saison beginnen, werden Gespräche mit dem Trainerteam stattfinden. So weit sind wir aber noch nicht.
Als Sie das Amt übernommen haben, sagten Sie, es brauche Ruhe im Verein. Können Sie das präzisieren?
Mein Ziel ist, vom aktuellen 24er-Kader rund drei Viertel zu behalten. Vereinzelte Wechsel sind normal. Aber wir dürfen nicht erneut mehr als zehn Spieler austauschen. Mit Alban Pnishi haben wir jemanden, der ein Gesicht der Mannschaft ist. Gleichzeitig gibt es junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die in diese Rolle hineinwachsen können. Spieler sollen sich beim FC Wohlen wohlfühlen, gerne für hier spielen und bewusst bleiben wollen. Das meine ich mit «Ruhe».
Das klingt nach langfristigen Plänen. Sehen wir Sie auch nächste Saison als Sportchef beim FC Wohlen?
Ich kann nicht Nachhaltigkeit fordern und sie nicht vorleben. Mein Gedanke war nie, nur kurzfristig beim FC Wohlen einzuspringen. Natürlich muss der Verein mit meiner Arbeit zufrieden sein. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, diese Aufgabe weiterzuführen.
Nach Ihrer Zeit bei Wettswil-Bonstetten wollten Sie als Trainer bewusst kürzertreten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Lässt sich die Rolle als Sportchef besser damit vereinbaren?
Ja, absolut. Als Trainer ist man durch Trainings und Spiele mehrmals pro Woche an fixe Termine gebunden. Als Sportchef habe ich viel mehr Flexibilität. Ich muss nicht regelmässig auf dem Platz stehen, kann vieles planen und auch die Ferien besser abstimmen.
Die Wahrscheinlichkeit ist also grösser, dass man Sie weiterhin in Wohlen als Sportchef sieht als irgendwo als Trainer?
Als Trainer wird man mich definitiv nirgends sehen.
Niemals wieder?
Das kann ich so nicht sagen. Aber jetzt und in nächster Zeit sicher nicht. Ich habe ja aktuell mit einer anderen spannenden Aufgabe die Möglichkeit, im Fussball zu arbeiten. Und jetzt mit dem Rückrundenstart wird es noch ein wenig interessanter.

