Erstes historisches Schiessen
09.12.2022 BremgartenSchützengesellschaft Bremgarten lanciert am 23. Mai 2023 eine neue Tradition
Aktuell gibt es 18 historische Schiessen in der Schweiz, aber keines im Aargau. Das will die Schützengesellschaft im nächsten Mai mit dem «Staudenschiessen» ...
Schützengesellschaft Bremgarten lanciert am 23. Mai 2023 eine neue Tradition
Aktuell gibt es 18 historische Schiessen in der Schweiz, aber keines im Aargau. Das will die Schützengesellschaft im nächsten Mai mit dem «Staudenschiessen» ändern.
Historische Schiessen erinnern an eine «geschichtliche Begebenheit von nationaler Bedeutung». Die Schützengesellschaft Bremgarten merkte durch Zufall, dass ein solches auch in Bremgarten stattgefunden hatte. Am 26. Mai 1712 bereiteten die durch die Freiämter unterstützten katholischen Innerschweizer den reformierten Berner-Truppen einen Hinterhalt. Letztere befanden sich auf dem Weg von Mellingen nach Bremgarten. Nach zwei Stunden intensiven Gefechts war der Ausgang völlig anders als erwartet. Die überraschten Berner siegten. 87 Tote hatten sie zu beklagen, während in den Reihen der Innerschweizer 400 Personen fielen. Bremgarten kapitulierte und wurde von Bern unterjocht. Später wurde dieses Ereignis als Teil des zweiten Villmergerkrieges eingeordnet.
Schiessen ganz in der Nähe
Ein Gedenkstein erinnert bis heute an diese Schlacht. Diese fand ganz in der Nähe der heutigen Schiessanlage Stockweiher statt, wo das historische Schiessen der Bremgarter Schützen geplant ist. Erwartet werden am 23. Mai rund 200 Gewehr- und 300 Pistolenschützen. «Wir möchten daraus eine Tradition machen», erklärt der Presseverantwortliche Alfred Bossard. Er freut sich auf den Start, wo als Redner nicht nur Stadtammann Raymond Tellenbach, sondern auch Landammann Jean-Pierre Gallati erwartet wird. --red
Für alle Schweizer Schützen
Jährliches historisches Schiessen mit nationaler Strahlkraft lanciert
Die Schützengesellschaft Bremgarten wird am 23. Mai 2023 das erste historische Erinnerungsschiessen in Gedenken an die Staudenschlacht von 1712 durchführen. Das Schiessen soll eine neue Bremgarter Tradition begründen und für Schützenvereine aus allen Landesteilen zum Fixpunkt in der Agenda werden.
Marco Huwyler
Am 26. Mai 1712 befanden sich reformierte Berner Truppen auf dem Weg von Mellingen nach Bremgarten, als sie in einen Hinterhalt der katholischen Innerschweizer gerieten, welche von den Freiämtern unterstützt wurden. Zwei Stunden dauerte der blutige Kampf der Überlieferung nach, aus dem Bern schliesslich, dank seiner besser organisierten und ausgerüsteten Truppe, als triumphaler Sieger hervorging. Die Bilanz indes war grausig. Auf dem Schlachtfeld lagen 87 tote Berner – die Verluste der Innerschweizer und Freiämter beliefen sich auf über 400 Gefallene.
Die Stadt Bremgarten kapitulierte anschliessend und wurde von Bern besetzt, entwaffnet und unterjocht. Kurz darauf unterwarf sich auch das restliche Freiamt und die Berner eroberten gemeinsam mit den Zürchern die Grafschaft Baden.
Die Einzigen im Aargau
Diesem Schlüsselereignis des zweiten Villmergerkrieges, das unmittelbar angrenzend an die heutige Schiessanlage Stockweiher stattfand, widmen die Bremgarter Schützen nun ein Schiessfest. Und zwar nicht irgendeines. Das «Erinnerungsschiessen Staudenschlacht» wird per 1.1.2023 offiziell auf die Liste der Historischen Schiessen der Schweiz aufgenommen. Diese zählen zu den wichtigsten Traditionsanlässen der Schweiz. Sie erinnern an eine «geschichtliche Begebenheit von nationaler Bedeutung», wie es auf der Homepage des eidgenössischen Schiesssportverbandes heisst. Derzeit gibt es schweizweit 18 davon. Das Staudenschiessen in Bremgarten wird das erste im Kanton Aargau sein.
Gedenkmal beim Erdmannlistein
«Wir liebäugeln seit Jahren mit einem eigenen historischen Eidgenössischen», verrät Roland Stoller, Vizepräsident des neu gegründeten OK Staudenschlacht. «Tatsächlich hat uns aber bislang ein wenig der ‹Aufhänger› gefehlt, der den Stein ins Rollen bringen würde.»
Geändert hat sich dies, als Werner Leuppi mehr oder weniger zufällig bei einem Spaziergang nahe dem Erdmannlistein auf einen Gedenkstein stiess. «Studenschlacht 1712», ist dort eingraviert. Das Vorstandsmitglied des Schützenvereins begann zu recherchieren und wurde sich dabei der Bedeutung bewusst, die jene Schlacht unmittelbar vor der Haustüre des Schützenvereins innerhalb der eidgenössischen Religionskriege gehabt hatte. Name und Austragungsgrund für ein historisches Schiessen im Reussstädtli waren gefunden.
500 Schützen
«Danach wussten wir – das wollen wir jetzt durchziehen», sagt Stoller. «Wenn nicht jetzt, wann dann?», ergänzt Alfred Bossard, seit Jahren Aktuar der Schützengesellschaft. «Sonst wäre es wohl ewig bei der Utopie geblieben.» Die Bremgarter Schützen freuen sich ausserordentlich auf ihr neues Fest. «Ein historisches Schiessen ist etwas mit Strahlkraft. Fantastisch für das Image, sowohl für unseren Schützenverein, aber durchaus auch für Bremgarten selbst.» Das sieht man offenbar auch bei der Stadt so. «Die ersten Zeichen aus dem Rathaus sind positiv», berichtet Stoller. «Wir dürfen wohl mit städtischer Unterstützung rechnen.» Ungefähr 500 Schützen (200 Gewehr, 300 Pistole) aus Schützenvereinen aus der ganzen Schweiz werden zur ersten Ausgabe am 23. Mai erwartet. In Folgejahren sollen es gar bis doppelt so viele sein. Denn der schon lange geplante und doch nie terminierte Umbau der Bremgarter Schiessanlage durch die Schweizer Armee wird auch den Schützen neue Möglichkeiten bieten.
Was langfristig von Vorteil ist, könnte sich kurz- und mittelfristig als Stolperstein für das Staudenschiessen erweisen, falls die Armee die Arbeiten, die einen Umbau der Schützenstände und einen Abbau der bleiverseuchten Erdhügel vorsehen, auf die Zeitspanne des neuen Schützenfestes legt. «Doch für die Erstausgabe dieses Jahr wird dies definitiv noch nicht der Fall sein», sagt Stoller lächelnd.
Festzelt und Ansprachen
Damit steht einem fröhlichen und sportlich äusserst ambitionierten historischen Schützenfest 2023 in Bremgarten nichts mehr im Weg. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Kürzlich wurde die eigens erstellte neue Website für das Fest aufgeschaltet. Die Sponsorensuche ist auf gutem Weg. Und ab dem 1.1.2023 nimmt man beim Schützenverein Bremgarten bereits Anmeldungen für das historische Schiessen entgegen.
Den Besuchern aus dem ganzen Land wird auch neben dem eigentlichen Schiessen einiges geboten. Neben dem Schiessstand wird ein Festzelt 400 Leuten Platz und Verpf legung bieten. Die Stadtmusik Bremgarten und Musikgesellschaft Hermetschwil haben einen Auftritt am Gedenkschiessen der Staudenschlacht bereits zugesagt. Und als Redner wird neben Stadtammann Raymond Tellenbach voraussichtlich auch Landammann Jean-Pierre Gallati erwartet.
Anlässlich der Feierlichkeiten wird mit Gewissheit auch Bezug auf die Schlacht genommen, die dem Schiessen ihren Namen gibt. «Vielleicht wandern wir gemeinsam zum Gedenkstein und lassen dabei die Geschehnisse von damals in irgendeiner Form Revue passieren», sinniert Stoller. «Doch derlei ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fix.»
Kein Volksfest
Klar für die beiden Vertreter des Schützenvereins ist aber auch, dass es ein sportlicher Schiessanlass und nicht etwa ein Volksfest werden soll. Sie erwarten deshalb keinen grossen Auflauf von Nicht-Schützen. «Schiessen ist kein Sport, der sich zum Zusehen eignet. Schon nur aus Sicherheitsgründen befinden sich in den Ständen jeweils nur die aktuellen Schützen.» Dennoch sind bereits die jährliche Präsenz von Schützenvereinen aus der ganzen Schweiz mit Hunderten Mitgliedern und die Lancierung eines neuen Bremgarter Brands namens Staudenschiessen eine grosse Sache, von der langfristig auch Bremgarten als Touristenstadt profitieren sollte.
Der erste Sieger des historischen Schiessens zu Gedenken der Staudenschlacht wird übrigens mit Bestimmtheit kein Bremgarter sein. Nicht jedoch, weil die heimischen Schützen so schlecht zielen können – der Schützenverein Bremgarten tritt ausser Konkurrenz an. «Dafür haben wir uns aus Sportsgeist entschieden», erklärt Bossard. «Die Bremgarter hätten einen unfairen Heimvorteil gehabt.» Das sei grundsätzlich immer so beim Schiessen. Kenne man Lichtverhältnisse, Wind, Schatten, Baumstände und so weiter aus dem Effeff, sei das ein unschätzbarer Vorteil – nur schon mental. Ein Vorteil allerdings, den die Einheimischen an selber Stelle auch schon 1712 gehabt haben dürften. Die vernichtende Niederlage vor 310 Jahren vermochte dieser indes nicht abzuwenden.
Weitere Informationen unter www. staudenschlacht.ch.



