Erst der Anfang
06.01.2026 Sport, FussballAn die Spitze geschossen
«Freiämter Sportler des Jahres»: Alessandro Vogt siegt vor Nino Leutert (2.) und Alayah Pilgrim (3.)
Bei seiner ersten Nominierung krönt sich Alessandro Vogt zur Nummer 1 des Freiämter ...
An die Spitze geschossen
«Freiämter Sportler des Jahres»: Alessandro Vogt siegt vor Nino Leutert (2.) und Alayah Pilgrim (3.)
Bei seiner ersten Nominierung krönt sich Alessandro Vogt zur Nummer 1 des Freiämter Sports.
Josip Lasic
Es passt zu seinem Jahr. Im Sommer erhält der Wohler Alessandro Vogt seinen ersten Profivertrag in der Super League. Der Stürmer geht beim FC St. Gallen gleich durch die Decke, trifft am Laufband und gehört zu den führenden Torschützen der Meisterschaft. Es folgt das Aufgebot für die U21-Nationalmannschaft. Erstes Spiel, erstes Tor. Und so hat der Fussballer das Jahr 2025 auch abgerundet. Vogt wurde auch bei der Wahl zum Freiämter Sportler des Jahres zum ersten Mal nominiert. Wieder startet er durch wie eine Rakete. Vogt holt sich gleich den Titel. Als Nummer 1 bei der Jury und Nummer 4 bei der Leserschaft gewinnt er die Wahl vor Ringer Nino Leutert.
Vorherrschaft des Kampfsports durchbrochen
Damit durchbricht der Wohler die Vorherrschaft des Kampfsports. Denn die letzten sechs Wahlen gingen alle an Schwinger und Kickboxer. «König Fussball» hingegen musste zehn Jahre warten, um sich den Thron zurückzuholen. Das geschah dafür umso eindrücklicher. Denn Vogt ist nicht der einzige Vertreter dieser Sportart auf dem Podest. Alayah Pilgrim war Teil des Sommermärchens bei der Heim-EM im Frauenfussball. Die Murianerin sichert sich Bronze.
Der Wohler Fussballer Alessandro Vogt ist «Freiämter Sportler des Jahres 2025»
Seine Karriere ging innerhalb eines Jahres von 0 auf 100. Alessandro Vogt ist im Jahr 2025 durchgestartet. Mit ihm holt zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder ein Fussballer den Titel «Freiämter Sportler des Jahres». Wenn sein Weg weiter so steil nach oben geht, könnte das neue Jahr noch interessanter werden.
Josip Lasic
Vor einem Jahr hätte vermutlich niemand damit gerechnet, dass der «Freiämter Sportler des Jahres 2025» Alessandro Vogt heissen könnte. Zu Beginn des Jahres 2025 hatte der damals 19-Jährige nur eine Minute in der Super League gespielt. Im Spiel gegen GC wurde er kurz vor Schluss eingewechselt. Es war bis zum Winter nicht sein einziger Einsatz im Fanionteam des FC St. Gallen. Im Schweizer Cup-Achtelfinal gegen Bellinzona stand er immerhin sogar zwei Minuten auf dem Platz. Ansonsten durfte er bei der U21 der Espen in der 1. Liga classic auf Torejagd gehen. Bis zur Winterpause hatte er sechs Treffer auf dem Konto. Am Ende der Saison waren es 13. Und in der Super League kam noch eine zweite Minute Spielzeit hinzu.
Mittlerweile hat sich der Stellenwert des Wohlers bei den Ostschweizern deutlich geändert. Nachdem er im Sommer seinen ersten Profivertrag erhalten hatte, ging es für Vogt auf die Überholspur. Wettbewerbsübergreifend ist er der Topskorer des FC St. Gallen mit zehn Toren und fünf Assists. Nur sechs Spieler im 30-Mann-Kader haben mehr Einsatzminuten als er. Vogt trug wesentlich dazu bei, dass St. Gallen in der Liga nur drei Punkte hinter dem Tabellenführer Thun steht und im Viertelfinal des Cups vertreten ist.
Die Champions-League-Sieger gefordert
Diese Leistungen sind auch dem Schweizer Fussballverband aufgefallen. Vogt wurde für das U21-Nationalteam aufgeboten. Bei seinem Debüt gegen Estland benötigte er gerade einmal neun Minuten, um das erste Mal im roten Dress zu treffen. Noch eindrücklicher war sein Auftritt im Herbst in der U21-EM-Qualifikation gegen Frankreich. Er brachte die Schweiz in Führung und zeigte ein starkes Spiel. Und das gegen einen Gegner, bei dem Spieler auf dem Platz standen, die wenige Monate zuvor mit Paris St. Germain die Champions League gewinnen konnten. Diese Fussballer wurden von Alessandro Vogt aus dem kleinen Wohlen vor grosse Probleme gestellt.
Die Liste, was Vogt in nur einem Jahr erreicht hat, ist lang und imposant. Bei der Wahl zum Freiämter Sportler des Jahres wurden diese Leistungen gewürdigt. Die Jury wählte ihn auf den 1. Rang. Vor Schwinger Joel Strebel. Er hat zum dritten Mal einen eidgenössischen Kranz gewonnen. Vor Handballerin Daphne Gautschi. Sie hatte grossen Anteil daran, dass sich die Schweizer Handball-Nationalmannschaft der Frauen erstmals für eine WM qualifiziert und dort die Hauptrunde erreicht hat. Vor Alayah Pilgrim und Julia Stierli. Sie waren die beiden Freiämter Protagonistinnen bei der Heim-EM im Frauenfussball. Viele Sportlerinnen und Sportler lieferten beeindruckende Leistungen. Vogt beeindruckte mehr. Bei fünf von sechs Jury-Mitgliedern landete er auf einem der ersten drei Ränge, davon viermal auf dem 1. Platz. Und auch bei der Leserschaft ist der Goalgetter beliebt. Er hat die viertmeisten Stimmen einfahren können. Als Shootingstar des Schweizer Fussballs ist er nun auch ausserhalb der Grenzen des Freiamts bekannt.
Erst der dritte Fussballer, der gewinnt
Das letzte Mal, dass ein Fussballer die Wahl zum Freiämter Sportler des Jahres gewinnen konnte, ist genau zehn Jahre her (siehe Auflistung der früheren Sieger auf der gegenüberliegenden Seite). 2015 hiess der Sieger Alban Pnishi. Der heutige Captain des FC Wohlen spielte damals in der Super League bei GC. Vor dem Bremgarter konnte 2013 der Dottiker Goran Karanovic den Titel holen. Vogt erinnert an dieses Duo. Alle drei schafften den Sprung vom FC Wohlen in die Super League und konnten sich durchsetzen. Karanovic war bei seiner Wahl zum Sportler des Jahres ausserdem ebenfalls Spieler des FC St. Gallen.
Unter den Siegern dieser Wahl, die seit 1988 stattfindet, gibt es keine weiteren Fussballer. Auch der vielleicht bekannteste Sportler des Freiamts, der Wohler Ciriaco Sforza, konnte den Titel nie erringen. Nicht einmal, als er 1994 mit der Schweiz bei der Fussballweltmeisterschaft in den USA begeisterte.
Nächstes Jahr steht wieder eine WM auf dem Programm. Austragungsort: USA, Kanada und Mexiko. Wiederholt sich die Geschichte? Wird nach dem Wohler Sforza mit dem Wohler Vogt wieder ein Freiämter das Schweizer Trikot an einer WM in Nordamerika tragen? Selbst wenn nicht – Vogt steht erst am Anfang seiner Karriere. Mit St. Gallen spielt er in dieser Saison noch um zwei Titel mit. Jury-Mitglied Felix Bingesser sieht den Wohler sogar bald in einer Topliga spielen. Im Gespräch mit dieser Zeitung verriet Vogt Mitte November seine Träume. Dazu gehören die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. «Olympia wäre natürlich ein cooles Erlebnis. Irgendwann für die A-Nati aufzulaufen, wäre ebenfalls ein grosser Traum», so Vogt. Ein weiterer Traum wäre es, für Real Madrid zu spielen. «Es ist erlaubt, zu träumen», sagt er. Eine ganze Region träumt mit. Die Chancen stehen gut, dass in naher Zukunft wieder ein Fussballer bei dieser Wahl siegreich ist.




