Ersatz für 50 Heizöl-Tankwagen
03.07.2026 Mutschellen, Energie, WidenStart in eine neue Zukunft
Wärmeverbund Mutschellen feierte Spatenstich
Rund 21 Millionen Franken investiert die AEW Energie AG in den Bau des Wärmeverbunds Mutschellen. Am Dienstag fand der Spatenstich auf dem Gelände der Sika Schweiz AG ...
Start in eine neue Zukunft
Wärmeverbund Mutschellen feierte Spatenstich
Rund 21 Millionen Franken investiert die AEW Energie AG in den Bau des Wärmeverbunds Mutschellen. Am Dienstag fand der Spatenstich auf dem Gelände der Sika Schweiz AG in Widen statt. In 1,5 Jahren soll die Wärme für rund 900 Haushalte in Berikon, Rudolfstetten und Widen zentral erzeugt werden – und dies zu über 90 Prozent aus erneuerbaren und nicht-fossilen Energien. --rwi
Spatenstich für den AEW-Wärmeverbund Mutschellen
Einen grossen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit geht der Mutschellen. Der Spatenstich am Dienstag für den AEW Wärmeverbund Mutschellen ist eine wichtige Etappe dazu. Ab Winter 2027/2028 sollte die Wärme produziert werden, die rund 900 Haushalte benötigen.
Roger Wetli
«Das ist ein Meilenstein für eine nachhaltige Energieversorgung», sagte der Wider Gemeinderat Christian Moser. «Widen und Berikon besitzen das «Energie-Stadt»-Label. Mit diesem Label alleine spart man aber noch kein CO2. Dazu braucht es Projekte wie dieses hier.» In Widen basiere aktuell noch rund 60 Prozent der Wärmeerzeugung auf fossiler Basis. «Dank diesem Wärmeverbund können wir das jetzt verbessern.» Ist die Anlage samt Leitungen gebaut, wird sie Wärme nach Berikon, Rudolfstetten und Widen liefern.
Welche Dimensionen dieses Vorhaben hat, erklärte Daniel Wernli, Leiter Wärmeproduktion der AEW Energie AG. «Wir werden damit jährlich rund eine Million Liter Heizöl durch erneuerbare Energie ersetzen. Das entspricht etwa 50 Tankwagen.» Nachdem alle Leitungen, Anlagen und Anschlüsse gebaut sind, wird so viel Wärme produziert, wie sie durchschnittlich 900 Haushalte jährlich benötigen. «Wobei hier auch Firmenund andere Gebäude eingerechnet werden, die mehr Wärme als ein einziger Haushalt verbrauchen», ging Wernli ins Detail. Die Einsparung an CO2 betrage rund 2800 Tonnen. Dazu wird eine Wärmeleitung mit einer Trassenlänge von über 4 Kilometern gebaut.
Die Erzeugung der Wärme erfolgt in einem Gebäude mit einer Abmessung von 40 auf 25 Meter, die auf dem Gelände der Firma Sika Schweiz AG steht. In diese werden verschiedene Wärmeerzeuger eingebaut. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe liefert rund 500 Kilowatt, eine Biomassenfeuerung rund 3200 Kilowatt, ein elektrischer Durchlauferhitzer rund 600 Kilowatt. Dazu kommt ein mit Heizöl befeuerter Kessel. «Die Wärme können wir also mit rund 90 Prozent erneuerbaren Energien erzeugen», so Daniel Wernli. «Das Holz stammt zudem vom Forstbetrieb Mutschellen. Das macht die Wege kurz.» Ein Wärmespeicher werde ein Fassungsvermögen von 180 000 Litern haben. «Das entspricht rund 1200 Badewannen», so Wernli. Er erklärte, dass das Projekt für die AEW sehr besonders sei, weil die Firma zum ersten Mal überhaupt gleichzeitig mit drei Gemeinden zusammenarbeite. «Zudem ist der Standort hier sehr zentral und deshalb ideal.»
Kosten von rund 21 Millionen Franken
Und noch eine weitere Premiere gibt es für die AEW Energie AG auf dem Mutschellen. David Gautschi, Leiter Geschäftsbereich Produktion der AEW Energie AG: «Es ist wohl einzigartig in unserer Firmengeschichte, dass wir bereits vor dem Baustart eines Wärmeverbundes einen Erweiterungskredit gesprochen haben», freute er sich. «Wir können dieses Netz also noch ausbauen.» Gautschi beleuchtete, dass rund ein Drittel der CO2-Emissionen durch Raumwärme, also das Heizen von Gebäuden, verursacht wird. «Dem können wir mit diesem Projekt entgegenhalten.» Die AEW Energie AG gehöre zu den grössten Firmen in der Schweiz, wenn es um Fernwärme gehe. «Dieser neue Wärmeverbund wird unser 80. sein. Wir investieren jährlich in diese Systeme 15 bis 25 Millionen Franken, wobei die Erneuerung bestehender Anlagen mitgerechnet ist.» Für die Arbeiten am Mutschellen rechnet die AEW Energie mit rund 21 Millionen Franken.
Er und die anderen Redner betonten, wie wichtig für diesen Verbund das Zusammenspiel vieler Akteure ist. Neben der AEW Energie AG und den Gemeinden betrifft das auch die Sika Schweiz AG, die Elektra Widen und die Kunden, die schliesslich diese Fernwärme beziehen werden. Alle lobten die sehr konstruktive Arbeit für dieses Projekt, das seinen Anfang 2021 nahm.
Eine Firma, die schon bald ins Boot geholt werden konnte, ist die Sika Schweiz AG. Auf deren Grundstück wird künftig die Wärme erzeugt. Deren Head of Real Estate, Martin Keller, erklärte, dass die Sika Schweiz AG gerne Hand für dieses Projekt geboten habe. «Natürlich erhalten wir dafür einen fairen Betrag. Nachhaltigkeit ist aber auch ein wichtiges Thema unserer Firmenstrategie 2028.» Zudem sei die Zusammenarbeit immer partnerschaftlich gewesen.
Gemeinsam anpacken
Ein wichtiger Faktor bei diesem Projekt ist auch die Elektra Widen. Deren Transformatorenstation spielt eine wichtige Rolle im künftigen AEW-Wärmeverbund Mutschellen. «Hier wird langfristig vorausgedacht, ist Philipp Keil, Präsident der Elektra Widen, überzeugt. «Wir schätzen die Weitsichtigkeit und die Nachhaltigkeit dieses Projektes sehr.» Christian Moser doppelt nach: «In Zeiten, in denen man viel über erneuerbare Energie spricht, wird hier etwas Entsprechendes umgesetzt. Und das dank vielen Menschen, die gemeinsam anpacken.»


