Ermöglichen statt verhindern
20.03.2026 BremgartenAlt-Stadträtin Doris Stöckli sprach über die Arbeit der Altstadtkommission
Der Verein Stadtmuseum Bremgarten lud nach seiner 31. Generalversammlung im «Bijou» zu einem Vortrag von Alt-Stadträtin Doris Stöckli ein. Diese gab Einblick in ...
Alt-Stadträtin Doris Stöckli sprach über die Arbeit der Altstadtkommission
Der Verein Stadtmuseum Bremgarten lud nach seiner 31. Generalversammlung im «Bijou» zu einem Vortrag von Alt-Stadträtin Doris Stöckli ein. Diese gab Einblick in die Arbeit der Altstadtkommission und betonte die Gemeinsamkeiten der Kommission mit dem Verein.
Roger Wetli
«Die Altstadtkommission ist eine Bewilligungsbehörde. Und dafür braucht es manchmal kreative Lösungen», betonte Doris Stöckli während ihres Vortrages. Als Stadträtin präsidierte sie während ihrer Amtszeit die Altstadtkommission während zwölf Jahren. «Das war enorm spannend, aber auch nervenaufreibend», blickte sie zurück. Denn die Bauherrschaft verstehe nicht immer, wieso bei ihren Bauvorhaben die Altstadtkommission mitrede. «Wir möchten dafür sorgen, dass das Alte bewahrt wird und Zeitzeugen bleiben, ohne dass unsere Altstadt zum Ballenberg wird. Sie soll einzigartig bleiben und mit Leben gefüllt sein.»
Verzögerungen oft durch unvollständige Unterlagen
Stöckli wuchs in einem alten Bauernhaus auf, das unter Schutz stand. «Als es meine Eltern umbauen wollten, ging es ihnen genauso. Sie verstanden nicht, wieso jetzt andere mitbestimmen sollen.» Mit diesen Hintergedanken sei sie jeweils den Bauherrschaften gegenübergetreten. «Oft wird bemängelt, dass es in der Altstadt sehr lange geht, bis die Behörden ein Bauprojekt bewilligen. Aus meiner Erfahrung liegt das aber meist an der Bauherrschaft. Sie reicht unvollständige Unterlagen ein und informiert sich im Vorfeld nicht richtig.»
Die Altstadtkommission berät den Stadtrat bei Baubewilligungen in der Altstadt. Sie selber kann nichts entscheiden. Der Kommission gehören neben einer Stadtratvertretung vier Kommissionsmitglieder mit baulichem Fachwissen, der Bauverwalter und sein Stellvertreter plus ein kantonaler Denkmalpfleger an. «Nicht immer waren wir uns einig, diskutierten intensiv und fanden uns aber», so Stöckli. «Wobei in der Altstadt nichts 08/15 ist. Es gibt Regularien, die nur wenig Spielraum zulassen. Trotzdem suchten wir immer nach Lösungen.» Meist habe es einen Augenschein vor Ort gegeben – immer wieder auch ausserhalb der jährlich sechs bis acht ordentlichen Sitzungen der Kommission.
E-Ladestationen erlaubt
Stöckli betonte, dass trotz der Auflagen in der Altstadt auch Ladestationen für E-Autos möglich sind. Oder auch versucht werde, dem Wunsch nach Balkonen und Lauben nachzukommen. «Anbauten sind also möglich.» Mühe hatte Doris Stöckli immer dann, wenn ohne Baubewilligung gebaut und wertvolle historische Substanz für immer zerstört wurde. «Wie soll man in einem solchen Fall vorgehen? Bussen belasten zwar die Bauherrschaft finanziell, sie erhält aber dann doch, was sie wollte.» Die Frage nach der Verhältnismässigkeit eines Rückbaus tauche dabei auf. «Nur eine Busse ohne Rückbau erachte ich als unfair gegenüber all denjenigen, welche die Reglemente einhalten.»
Neben Privaten realisierte auch die Stadt Bauten in der Altstadt. In der Amtszeit von Doris Stöckli war das zum Beispiel der Umbau des Hexenturms samt Anbau einer Aussentreppe, der Neubau von fünf Reihenhäusern in der Reussgasse inklusive Sanierung eines Teils der Stadtmauer oder der Um- und Ausbau des Rathauses. An weiteren sei die Stadt immer noch dran. Sie betonte, dass in ihren zwölf Jahren der Stadtrat nur ein einziges Mal anders entschied, als es die Kommission vorgeschlagen hatte. Stöckli stellte fest, dass die Kommission ganz viele Parallelen zum Stadtmuseum aufweist. «Die Vergangenheit mit ihrer Geschichte soll für beide lebendig und kompatibel mit dem Fortschritt sein. Der betriebene grosse Aufwand dafür ist es wert.»
Zwei neue Vorstandsmitglieder
Vor dem Vortrag von Doris Stöckli fand die Generalversammlung des Vereins Stadtmuseum Bremgarten statt. Die Vorstandsmitglieder Edith Leutwiler und Charles Russenberger traten zurück. Für sie wählten die Mitglieder Mirjam Zedi und Angelo Atazzi. Zedi wird sich um die Kasse kümmern, Atazzi um die EDV. Alle anderen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Es sind dies: Claudia Bamert, Theres Honegger, Giovanni Beat Ming, Peter Spalinger und Fridolin Kurmann. Letzterer wurde als Präsident bestätigt.
In seinem Jahresbericht sprach Fridolin Kurmann von einem ruhigen Jahr gegen aussen. Hinter den Kulissen des Stadtmuseums sei jedoch engagiert gearbeitet worden. So wurde das Konzept einer neuen Wechselausstellung entworfen. Der Vorstand befasste sich zudem mit der Frage der Inventarisierung. --rwi

