Das Caspar-Groth-Hus in Berikon wurde umgebaut – es ist eines der ältesten Häuser der Gemeinde
Seit mehr als 200 Jahren prägt das Caspar-Groth-Hus das Ortsbild an der Bahnhofstrasse in Berikon. Nach einer 15-monatigen Sanierung zeigt das ehemals ...
Das Caspar-Groth-Hus in Berikon wurde umgebaut – es ist eines der ältesten Häuser der Gemeinde
Seit mehr als 200 Jahren prägt das Caspar-Groth-Hus das Ortsbild an der Bahnhofstrasse in Berikon. Nach einer 15-monatigen Sanierung zeigt das ehemals bäuerlich-gewerbliche Gebäude, wie historische Substanz erhalten und zugleich an heutige Wohnbedürfnisse angepasst werden kann.
Sabrina Salm
Das stattliche Wohnhaus an der Bahnhofstrasse 82, gleich gegenüber dem Bürgisserhus, fällt auf. Nicht nur wegen seiner Lage nahe an der Strasse, die heute so kaum mehr bewilligt würde. Das frühere Bauernhaus bildet einen markanten Bezugspunkt im Ortskern. Es ist eines der ältesten Gebäude in Berikon, der Kulturweg führt zu diesem Haus, es ist im Bauinventar Aargau aufgeführt und steht unter Substanzschutz. Das Caspar-Groth-Hus, dessen Ursprünge bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreichen, steht an der Schwelle zwischen ländlichem Spätbarock und Klassizismus. Früher wurde hier nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet – zeitweise war im Haus sogar eine Bäckerei untergebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts ging es in den Besitz der Familie Groth über und blieb dort über Generationen hinweg.
Anspruchsvoller Umbau
Heute ist es in einem anderen Privatbesitz und hinter der historischen Fassade hat in den letzten Monaten eine Transformation stattgefunden, die das Haus für die nächsten Generationen fit macht. Für den Umbau verantwortlich zeigt sich Urs Mettler von Mettler Architekten GmbH aus Baden. Für Architekt Urs Mettler, der selbst in Berikon aufgewachsen ist, war das Projekt auch persönlich besonders. Die Herausforderung lag nicht darin, das Haus neu zu erfinden, sondern seine Substanz in die Gegenwart zu übersetzen. «Das Gebäude ist vor allem äusserlich sehr prägend. Der kraftvolle, dreigeschossige Mauerbau mit seinem steilen Satteldach, der umlaufenden Traufe und den charakteristischen Giebelfeldern mussten ebenso erhalten bleiben wie die klassische Fensteranordnung mit Gewänden aus Muschelkalk», sagt Mettler. Gerade diese Elemente geben dem Haus seine Identität. Der Umbau war anspruchsvoll. Die Räume waren niedrig, teilweise schräg, die Fenster klein. Das Dachgeschoss diente lange nur als Lagerraum. Hinzu kamen massive Bruchsteinmauern mit bis zu 80 Zentimetern Stärke, ein feuchter Keller und eine Bausubstanz, die sich schlechter präsentierte als zunächst angenommen. «Man kann bei einem solchen Haus nicht alles bis ins Detail vorausplanen.Vieles entscheidet sich erst auf der Baustelle.» Überraschungen gehörten dazu – etwa wenn die Bausubstanz des Gewölbekellers oder das alte Bruchsteinmauerwerk ganz eigene Anforderungen stellten. Mit Beton und Stahlträgern musste nachgeholfen werden. Die alten Holzbalken wurden sandgestrahlt und wieder sichtbar gemacht. «Sie waren stark verschmutzt und abgenutzt. Jetzt strahlen sie in neuem Glanz.» Auch an den Gewölbekellern wurde bewusst nur wenig verändert.
Verbindung aus Geschichte und Gegenwart
Die grösste sichtbare Veränderung befindet sich auf der Rückseite des Hauses. Ein filigraner Anbau, der das neue Treppenhaus sowie Sitzplatzflächen beherbergt, wurde erstellt. Dieser neue Bauteil wurde bewusst in Holz verkleidet und bleibt in der Höhe unter der markanten Traufkante des Hauptbaus. «Der Anbau soll das Hauptgebäude nicht konkurrieren», betont Mettler.
Das Ergebnis sind heute drei Wohnungen, die den Charakter des Hauses bewahren und gleichzeitig modernen Komfort bieten. Auch energetisch wurde das Gebäude auf den neuesten Stand gebracht. Das Energiekonzept basiert auf einer Wärmepumpe in Kombination mit einem Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung. Für Mettler ist gerade diese Verbindung aus Geschichte und Gegenwart der eigentliche Wert des Projekts. «Ein solches Haus hat einen Charakter und Charme, die in einem Neubau schwierig zu erreichen sind. » Für Urs Mettler ist das Projekt auch eine Herzensangelegenheit. «Schön wäre es, wenn das Gebäude weitere 200 Jahre lebt», meint er lächelnd. Durch die Kombination aus historischer Substanz und nachhaltiger Technik ist der Grundstein dafür gelegt.