Ein Herz für Kinder und Katzen
04.08.2026 BremgartenTierliebende Frau der Tat
«Kopf des Monats»: Maja Landolt gewählt
Die Redaktion hat die Bremgarter Hauswartin Maja Landolt zum Kopf des Monats Juli gewählt. Diese Auszeichnung verdient sie sich als treibende Kraft hinter einer schönen Tiergeschichte. Landolt ist hauptverantwortlich dafür, dass das Schulhaus Isenlauf eine Katze adoptierte. Auch abgesehen davon ist Landolt eine, die anpackt und bewegt.
--huy
Die Bremgarter Schulwartin Maja Landolt ist unser «Kopf des Monats» Juli
Mit «Isi» hat das Isenlauf offiziell eine Schulkatze, die den Alltag von rund 200 Kindern bereichert. Hauswartin Maja Landolt ist treibende Kraft dahinter. Sie übernimmt Verantwortung und Pflichten – auch in den Sommerferien. Dafür wählte sie die Redaktion zum «Kopf des Monats».
Marco Huwyler
Seit Kurzem erhält Maja Landolt zuweilen Briefe, die nicht für sie selbst bestimmt sind. Denn seit diese Zeitung der ersten offiziellen Bremgarter Schulkatze einen Artikel widmete, hat diese noch mehr Fans als ohnehin schon. Glücklich teilt Landolt die Post mit dem Redaktor. Sie ist stolz auf die Katze, für die sie die Verantwortung trägt – die sie aber noch so gerne mit 200 Kindern und Dutzenden Lehrkräften teilt – «Isi», Star und Prinzessin der Schule Isenlauf (vgl. Ausgabe dieser Zeitung vom 7. Juli).
Gewürdigt auch von der Stadträtin
Landolt selbst steht bei der schönen Bremgarter Katzengeschichte etwas abseits des Rampenlichts. Doch das ist ihr ganz recht. Zu viel Aufmerksamkeit macht sie nervös. «Ich habe vor Ihrem Besuch kaum geschlafen», teilte sie dem Journalisten damals vor dem Schulkatzen-Artikel mit. Zum Glück für die landoltsche Erholung ist ein erneuter Besuch diesmal nicht nötig. Und doch kommt Maja Landolt nun nochmals in der Zeitung. Als unser Kopf des Monats. Dafür gibt es auch Lob von höchster Bremgarter Stelle.
«Ich freue mich. Sie hat dies verdient. Stellvertretend für eine wunderschöne Tiergeschichte», findet Schulstadträtin Claudia Bamert lächelnd.
Eine bereichernde überdies. «Durch das Kümmern um Isi erleben die Schülerinnen und Schüler wertvolle Dinge, die man nicht aus Büchern lernen kann. Etwa, dass Gemeinschaft auch bedeutet, zusammen Sorge zu tragen.»
Verantwortung übernommen
Dies tut man hier im Isenlauf kollektiv für seine tierische Bewohnerin, die nun offiziell im Schulgebäude ein und aus gehen darf. Inoffiziell tat Isi das ja schon viel vorher. Lange bevor Maja Landolt vor einem Jahr Mitarbeiterin des Hausdiensts in Bremgarten wurde, hatte sie die Schule für sich als Heimat auserkoren. Das führte zu Problemen. Immer wieder wurde sie versehentlich im Gebäude eingeschlossen. Und noch viel öfter sass sie vergeblich draussen. «Das hat mir jeweils das Herz zerrissen. Wie sie nach Schulschluss stundenlang da vor der Tür sass, in aller Kälte miaute und einen erwartungsvoll ansah», erzählt Stadträtin Bamert, die zum Austausch mit der Schulleitung regelmässig hier präsent ist.
Zwar haben sich Kinder und Lehrer stets herzlich um Isi gekümmert. Sie gestreichelt und zuweilen auch gefüttert. Doch so richtig hat sich niemand ihrer angenommen. Zumal sie ja eigentlich ein anderes Zuhause hatte. Doch weil sich die Katze weigerte, dorthin zurückzukehren, drohte ihr irgendwann das Tierheim. Maja Landolt wollte dies nicht hinnehmen. Hartnäckig lag sie der Schulleitung in den Ohren – bis sich diese irgendwann erbarmte. «Maja hat sich standhaft dafür eingesetzt, dass sie bleiben durfte», bestätigt Gesamtschulleiter Manfred Knecht schmunzelnd. Mit Einverständnis auch der vormaligen Besitzer wurde Isi schliesslich offiziell von der Schule adoptiert. Die Verantwortung als eingetragene Besitzerin übernimmt Hauswartin Landolt. «Das war eine Bedingung dafür, dass wir dem Ganzen letztlich zustimmten», sagt Knecht. Auch er ist zufrieden mit der Lösung, die sich nun ergeben hat. «Isi ist ein klarer Mehrwert für die Schule», findet der Gesamtschulleiter.
Schwärmen in Hermetschwil-Staffeln
«Die Geschichte steht exemplarisch für Maja, wie wir sie kennen und schätzen lernen durften», sagt Yvonne Melliger, Lehrerin und Schulhausverantwortliche in Hermetschwil-Staffeln. Neben dem Isenlauf fällt auch das Schulhaus Staffeln in Landolts Hausdienst-Zuständigkeit. Hier hat sie auch ihr Büro – und ist entsprechend oft im ehemaligen Dorf. Melliger erlebt Landolt deshalb täglich hautnah und schwärmt von ihrer Hauswartin. «Maja ist bei uns voll integriert. Wir mögen sie sehr», sagt die Schulhausverantwortliche. «Sie macht alles mit Herzblut, aus vollem Herzen. Nichts ist ihr zu viel. Sie übernimmt auch dort Verantwortung, wo sie es gar nicht müsste. Wie eine gute Fee.»
Spontan kommen der Lehrerin zahlreiche Beispiele dafür in den Sinn. «Eines Morgens hat sie beispielsweise den Kühlschrank im Lehrerzimmer abgetaut und gereinigt – was dringend nötig war, aber überhaupt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fiel.» Landolt kümmere sich zuvorkommend und proaktiv um allerlei. Etwa darum, dass die Lehrkräfte genügend Parkmöglichkeiten hätten, dass es auf dem Schulgelände ausreichend Schattenplätze gibt – oder dass Kinderstreitereien schon im Keim geschlichtet werden. «Und wenn man ein Anliegen hat, ist sie immer prompt zur Stelle», erzählt Melliger. Landolt sei auch sehr innovativ und habe viele gute Ideen.
Auch durch schwere Zeiten
Freilich eckt die 59-Jährige damit zuweilen auch an – wenn ihr eigenmächtiges Anpacken als Vorpreschen gedeutet wird, etwa. Zudem kann Landolt empfindlich sein – verletzlich gar. Das hat auch mit ihrer vormaligen Anstellung in Tägerig zu tun, wo sie schlimme Mobbing-Erfahrungen machte und schliesslich im Unfrieden ging. Mit schweren Schicksalsschlägen im Leben auch. Und mit Erlebnissen, die teilweise bis in die Kindheit zurückreichen. «Bei Unstimmigkeiten und Spannungen leidet sie sofort sehr. Das merkt man ihr an», erzählt Melliger. «Doch wenn das Umfeld stimmt und harmonisch ist, dann blüht Maja auf, ist fröhlich, fleissig und äusserst loyal.»
Gutes Gespür für die Kinder
Von Lehrern werde die Hauswartin daher sehr geschätzt – genauso wie von den Schülerinnen und Schülern. «Unsere Kinder lieben sie», sagt Melliger. Die Hauswartin verstehe es bestens, mit den Heranwachsenden umzugehen und auf sie einzugehen.
Auch dazu kann die Schulhausverantwortliche einiges erzählen. Etwa, wie sie die Kleinen eines Tages in kleinere Gärtnerarbeiten auf dem Schulareal miteinbezog. «Zur Belohnung gabs von ihr anschliessend eine Glace für alle.» Ein weiteres Beispiel: An einem der zahlreichen Hitzetage brachte Landolt kürzlich ein Wasserspielzeug mit und veranstaltete mit den Heranwachsenden damit eine grossartige Wasserschlacht. «Sie war danach die grosse Heldin des Tages für alle Kinder», lächelt Melliger.
Katzenfutter auf eigene Kosten
Für Isi ist sie dies ohnehin. Zumal sich die Hauswartin selbstverständlich auch während der Sommerferien um die Schulkatze kümmert – gemeinsam mit zu Hause gebliebenen Lehrkräften und Kollegen vom Reinigungsteam. Für die Zeit, in der Landolt selbst in den Ferien weilte, hat sie die Einsätze koordiniert. Seit dieser Woche ist auch Landolt selbst wieder für Isi da. Die Fütterung übernimmt sie (wie auch die anderen Helfenden) freilich stets auf eigene Kosten. Und so darf man getrost festhalten: Maja Landolt ist eine Frau mit ganz viel Herz für Kind und Katz. Und dafür hat sie zur Abwechslung mal etwas Rampenlicht verdient. Selbst wenn die Fanpost weiterhin andere erhalten.



