Die Spätzünderin
26.06.2026 Sport, LeichtathletikLeichtathletik: Isabelle Bütler (Beinwil/Muri) vom TV Wohlen vor der Mehrkampf-SM in der Form ihres Lebens
Isabelle Bütler macht seit über zwei Jahrzehnten Leichtathletik. Im letzten Sommer schaffte sie gleich fünf persönliche Bestleistungen. ...
Leichtathletik: Isabelle Bütler (Beinwil/Muri) vom TV Wohlen vor der Mehrkampf-SM in der Form ihres Lebens
Isabelle Bütler macht seit über zwei Jahrzehnten Leichtathletik. Im letzten Sommer schaffte sie gleich fünf persönliche Bestleistungen. «Wieso, kann ich mir nicht erklären», sagt sie. Die 35-Jährige will nun an der Mehrkampf-SM und im August an der Senioren-Weltmeisterschaft in Südkorea ihr Können unter Beweis stellen. Stets mit dabei ist ein besonderer Fanclub.
Stefan Sprenger
Je älter, desto besser. Isabelle Bütler ist eine klassische Spätzünderin. Die Oberstufenlehrerin an der Bezirksschule in Muri (wo sie auch wohnt) muss lachen. «Ja, das ist so. Aber ich kann es mir nicht erklären, wieso es plötzlich so rundläuft.»
Im letzten Jahr schafft sie fünf Mal eine Bestleistung
Im letzten Jahr am Eidgenössischen Turnfest in Lausanne schaffte sie gleich fünf Mal eine neue persönliche Bestleistung. Für die 100 m Hürden benötigte sie 14,13. Für die 200 Meter 25,99. Für die 800 Meter 2.31. Im Hochsprung kam sie auf 1,59 m – und beim Kugelstossen auf 10,17 m. «Einfach toll» sei dieser Tag gewesen. Auffällig: Alle persönlichen Bestleistungen sind in den letzten drei Jahren entstanden. «Unerklärlich», meint die Frohnatur. «Vielleicht ist es, weil wir aktuell beim TV Wohlen eine richtig coole Truppe haben und es viel Spass macht.»
Von Beinwil nach Wohlen, wo schon ihre Eltern waren
Es ist nicht so, als wäre die Siebenkämpferin zuvor ohne Erfolge geblieben. Isabelle Bütler war immer wieder für Überraschungen und gute Leistungen gut. Sie startete ihre Karriere einst beim STV Beinwil. In «Beuel» ist sie auch aufgewachsen. Ihre Eltern Barbara und Hermann Bütler waren einst Mitglied der LG Freiamt und sportlich in Wohlen zu Hause. «Aus jener Zeit kennen sie noch viele Leute beim TV Wohlen», sagt Isabelle Bütler. So war der Wechsel zum TV Wohlen naheliegend. Auch, weil sie ambitioniert ist. Ihre Paradedisziplinen sind der Weitsprung und der Hürdenlauf.
Eigentlich wollte sie 2019 aufhören
Der Grund, wieso sie immer noch Leichtathletik in dieser Form betreibt, ist eine tolle Geschichte. Bütler und ihre gute Freundin, die Mehrkämpferin Melanie Stocker-von Flüe, wollten eigentlich im Jahr 2019 am Eidgenössischen Turnfest in Aarau ihren letzten Siebenkampf bestreiten und danach aufhören. «Aber weil es uns – gemeinsam mit unseren Trainern Bruno Rohrer und Matthew Schweiger – so viel Spass gemacht hat, zusammen zu trainieren, haben wir noch ein Jahr angehängt. Und noch eins. Und noch eins. Und noch eins. Bis dann das nächste Eidgenössische Turnfest in Lausanne 2025 vor der Tür stand.» Dort, wo sie so starke Leistungen zeigte. Mit jedem Trainingsjahr wurden auch die Leistungen besser – und damit auch die Ziele. «Leichtathletik ist ein Einzelsport. Aber wir sind auch ein sehr gutes Team», sagt Bütler über ihre Trainingspartner und Trainer.
5000 Punkte sind das Ziel an der Mehrkampf-SM
Am nächsten Wochenende finden in Teufen die Schweizer Meisterschaften im Mehrkampf statt. Für den TV Wohlen geht nebst Bütler auch Melanie Stocker-von Flüe (aus Sins) an den Start. Rolf Koch muss verletzungsbedingt passen. Dafür nimmt mit Simona Ettlin eine U16-Athletin teil, sie sich über den UBS Kids Cup für den Wettkampf qualifizieren konnte. «Das Wetter wird gut sein. Und in diesem Jahr ist es der letzte Wettkampf in der Schweiz. Sportlich setze ich mir das Ziel, meine Bestleistungen abzurufen.» Im Jahr 2024 erreichte sie im Siebenkampf 4929 Punkte. «5000 Punkte zu erreichen, ist ein Ziel.» Dann würde sie an den Top 10 der Schweiz kratzen.
Im August steht zudem ein grosses Highlight für sie an. Gemeinsam mit Melanie Stocker-von Flüe wird sie an der Senioren-Weltmeisterschaft in Südkorea teilnehmen. Auch dabei sind die beiden Trainer Matthew Schweiger und Bruno Rohrer mit seiner Frau Cécile. International gilt man schon ab 35 Jahren als Senior. In Südkorea will sie die Atmosphäre geniessen, ihr Bestes geben «und eine tolle Zeit erleben», wie sie sagt. «Nach diesem Riesen-Höhepunkt ist Schluss.» Danach will sie ihre Karriere beenden.
Es wird übrigens ihr erster internationaler Einsatz sein. Bütler relativiert: «Es gab ja keine Limite für die Senioren-WM. Die einzige Hürde, die es zu nehmen galt, war die Schwelle, dass man 35 Jahre alt ist.» Und dies habe sie «ohne Probleme erreicht», wie sie lachend sagt.
Ob an der Mehrkampf-SM in Teufen oder der Senioren-WM in Südkorea: Isabelle Bütler hat einen eigenen kleinen Fanclub dabei. Es sind ihre Eltern Barbara und Hermann Bütler. Schon bei der älteren Schwester Kerstin, die mittlerweile ihre Karriere beendet hat, waren sie stets mit dabei. Vater Hermann kennt man auch als starken OK-Präsidenten des Aargauer Kantonalschwingfestes in Beinwil 2022 oder als Unternehmer (Bütler Elektro in Muri). Das Paar ist auch oft bei den Anlässen des TV Wohlen in den Niedermatten mit Helfereinsätzen dabei. «Sie sind enorm unterstützend», sagt Isabelle Bütler.
Die Spätzünderin will nun zu weiteren Höchstleistungen ansetzen. Denn man ist nie zu alt, um Erfolge zu feiern.



