«Die Kranzausbeute ist mager»
04.07.2023 Sport, SchwingenInterview mit Andreas Döbeli, verletzter Eidgenosse und technischer Leiter der Freiämter Schwinger
In drei Wochen ist der Weissenstein-Schwinget. Dort, wo sich Andreas Döbeli vor einem Jahr das Kreuzband gerissen hat. Der Heilungsprozess verläuft ...
Interview mit Andreas Döbeli, verletzter Eidgenosse und technischer Leiter der Freiämter Schwinger
In drei Wochen ist der Weissenstein-Schwinget. Dort, wo sich Andreas Döbeli vor einem Jahr das Kreuzband gerissen hat. Der Heilungsprozess verläuft bestens. Er spricht über seine Ziele und über die Freiämter Schwinger, die er als technischer Leiter betreut.
Stefan Sprenger
Kehren Sie in diesem Jahr in den Sägemehlring zurück?
Andreas Döbeli: Ab August darf ich wieder frei und ohne Einschränkungen schwingen. Ich kehre also zurück – aber nur im Training (lacht).
Wieso nicht an einem Schwingfest?
Ich müsste mindestens einen Monat frei trainieren können, damit ich dann an ein Fest könnte. Und ich gehe doch nicht ans Unspunnen Ende August, nachdem ich ein Jahr lang out war. Das wäre wahnsinnig (lacht). Das reicht nicht mehr 2023, das muss man vernünftig sehen. Der Heilungsprozess verläuft nach Plan. Ich werde nächstes Jahr wieder Vollgas geben.
Seit dieser Saison sind Sie der technische Leiter des Schwingklubs Freiamt und praktisch an allen Schwingfesten dabei. Wie ist das so, wenn man nur zusehen kann?
Es nervt langsam (lacht). Aber mittlerweile ist es nicht mehr so schlimm, denn ich kann im Training wieder mitmachen und bin wieder einigermassen im Rhythmus, das erleichtert vieles. Bald kann ich wieder schwingen und nicht nur Tipps geben. Ich gönne mir auch mal ein schwingfreies Wochenende, was ich, ganz ehrlich gesagt, auch sehr geniesse.
Was machen Sie dann?
Stand-up-Paddeln auf dem Hallwilersee, Wandern – und die Ernte auf unserem elterlichen Bauernhof in Sarmenstorf steht auch bald an.
Diesen Hof übernehmen Sie ja bald.
Richtig. Geplant ist dies im nächsten Jahr.
Dann zügeln Sie von Ihrem aktuellen Wohnort Seengen endlich wieder zurück ins Freiamt.
(Lacht) Und darauf freue ich mich jetzt schon.
Zurück zum Schwingen. Sie beobachten die Freiämter Schwinger und kennen die Jungs sehr gut. Was ist auffällig in dieser Saison?
Durch die Verletzung von mir und Lukas Döbeli ist Joel Strebel fast der alleinige Kranzsieger. Er hat fünf geholt, mein Bruder Lukas einen. Die Freiämter Kranzausbeute ist eher mager in diesem Jahr.
Die Jungen – wie die Joho-Brüder und weitere – müssten doch auch mal nachrücken?
Die Joho-Brüder waren oft nahe dran. Andere auch. Oft fehlt nicht viel zu einem Kranzgewinn. Oft bräuchte es nur ein bisschen mehr Mut oder mehr Trainingsfleiss. Grundsätzlich kann man sagen, dass mit Ausnahme der Eidgenossen viele Freiämter Schwinger ihren Fokus nicht voll auf dem Sport haben. Sei es wegen der Lehrabschlussprüfung, der Arbeit oder dem Privatleben. Die Prioritäten sind eben nicht immer gleich gesetzt. Und für viele ist der Schwingsport ein Hobby. Das darf jeder selbst entscheiden.
Aber die goldene Freiämter Generation mit Ihnen, Ihrem Bruder Lukas und Joel Strebel braucht doch Nachkommen?
(Lacht) Unbedingt. Niklas Stocker, Dominic Strebel, Jannis Furter, Jonas Wüthrich und Dario Meier gehen mittlerweile auch zu Tommy Herzog ins Training. Sie alle wollen etwas erreichen. Sie sind aber noch jung. Ich bin mir aber sicher, dass sie nachrücken werden. Wenn die goldene Generation mal weg ist, dann müssen diese jungen Kräfte die Kohlen für die Freiämter aus dem Feuer holen.
Und das klappt?
Sie hatten zwar nicht ganz so eine erfolgreiche Zeit als Nachwuchsschwinger wie wir drei Eidgenossen, aber es ist eine Frage der Zeit, bis sie ihren ersten Kranz holen. Ich bin mir sicher, sie werden grosse Fortschritte machen in Zukunft. Und wenn man auch die Resultate am Solothurner Nachwuchsschwingen betrachtet, dann sieht man sehr gut, dass unser Verein einige Nachwuchshoffnungen hat.
Noch ein Wort zu Joel Strebel. Die Freiämter Saison ist geprägt von ihm.
Richtig. Er geht mit seiner Leaderfunktion vorbildlich um. Er hat auch persönlich nochmals einen Schritt nach vorn gemacht. Er erreicht in dieser Saison starke Resultate und ist auch konstanter geworden.
Wer ist der beste Schwinger im Nordwestschweizerischen Schwingerverband – Nick Alpiger oder Joel Strebel?
Beide sind auf hohem Niveau. Bei Nick Alpiger habe ich zuletzt aber keinen Schritt nach vorn gesehen, bei Joel Strebel schon. Meine Antwort ist klar: Strebel ist die Nummer 1.
Und wenn Sie zurück sind auch noch?
(Lacht) Das braucht Zeit, bis ich wieder auf dem früheren Topniveau bin. Wenn ich dann mit Joel Strebel wieder im Schwingkeller in Aristau ein Trainingsduell im Sägemehl habe, kann ich in etwa sagen, wie stark er wirklich ist (lacht).
Noch zu Ihrem Bruder Lukas Döbeli. In seiner ersten Saison als Eidgenosse hat er nur einen Kranz geholt und schlägt sich wiederum mit Verletzungen rum. Ihre Meinung dazu?
Er ist leider verletzungsanfällig, das war so und ist so geblieben. Mittlerweile sind es aber kleinere Sachen, immerhin. Auch er hat einen Schritt nach vorn gemacht, ist ein bisschen trainingsf leissiger geworden, sucht die Fehler nicht mehr bei allen anderen, sondern auch bei sich selbst. Ein wichtiger Schritt im Entwicklungsprozess. Man darf nicht vergessen: Lukas ist erst 23 Jahre jung. Doch jetzt ist er wieder fit und ich hoffe, dass er in den kommenden Wochen bereit sein wird für die grossen Schwingfeste.
Im nächsten Jahr geben Sie Ihr Comeback. 2025 ist das nächste «Eidgenössische». Das ist Ihr grosses Ziel, oder?
Der grösste Anlass im Schwingsport ist natürlich mein Ziel. Allerdings ist das noch weit weg. Ich will jetzt einen sauberen Aufbau machen, nächste Saison wieder gut einsteigen und dann werden die Gedanken an das «Eidgenössische» immer mehr aufkommen. Wenn ich aber jetzt daran denke, dann kribbelt es schon ein wenig.
Freiämter im Einsatz
Das Niklaus-Thut-Schwinget in Holziken (1200 Zuschauer, 61 Schwinger) gewann Nick Alpiger, der einzige teilnehmende Eidgenosse. Aus dem Freiamt war die junge Garde mit dabei. Der beste vom SK Freiamt war Niklas Stocker (Jahrgang 2005, aus Boswil). Er holte drei Siege und drei Gestellte und landete auf Rang 7a. Die weiteren Freiämter: Patrick Spielmann (Boswil) 14e, Jannis Furter (Sarmenstorf ) 15b, Nils Gehrig (Boswil) 18b, Tobias Strebel (Kallern) 20a, Pascal Grod (Rottenschwl) 20b. Und: Lukas Räber (aus Villmergen, für den SK Lenzburg) schaffte es auf Rang 7e.
Am Innerschweizer Schwingund Älplerfest in Dagmersellen mit 200 Schwingern und 12 000 Zuschauern war ein Schwinger aus der Region dabei. Roman Zurfluh (von der Ringerstaffel Freiamt) schwingt für Oberhabsburg und wohnt in Muri. Er musste nach einem Gang verletzungsbedingt abbrechen. --spr

