Die Gemeinschaft stärken
29.05.2026 Niederwil, Region Unterfreiamt, KircheKirchenpflege Niederwil ist auf der Suche nach neuen Mitgliedern
Das Gremium besteht nur noch aus vier Mitgliedern. Und von denen treten Ende Jahr zwei zurück. Der Kirchgemeinde Niederwil drohte in Zukunft die Sachverwaltung. Nach einem Begegnungsanlass gibt es aber ...
Kirchenpflege Niederwil ist auf der Suche nach neuen Mitgliedern
Das Gremium besteht nur noch aus vier Mitgliedern. Und von denen treten Ende Jahr zwei zurück. Der Kirchgemeinde Niederwil drohte in Zukunft die Sachverwaltung. Nach einem Begegnungsanlass gibt es aber eine erste Entwarnung.
Chregi Hansen
Aufatmen in Niederwil. Im Herbst wird neben den Bisherigen Andreas Wagenhofer und Rolf Metier mit Karin Giger zumindest ein neues Mitglied für die Kirchenpflege kandidieren. Aber es sollen noch mehr werden. «Mein Ziel ist es, mindestens noch eine Person überzeugen zu können, die in etwa aus meiner Altersgruppe kommt», sagt die 45-Jährige.
Noch gar nicht gewählt, engagiert sich die frühere Co-Präsidentin der Frauengemeinschaft schon jetzt für die Kirchenpflege. Ist an den Anlässen und Sitzungen bereits dabei. Macht tüchtig Werbung für eine Kandidatur. «Ich bin vielleicht nicht die fleissigste Kirchengängerin. Aber ich engagiere mich gerne für die Gemeinschaft. Und die Kirche ist eben viel mehr als die Messe am Sonntag», sagt sie zu ihrer Motivation. Der Gemeinschaft Sorge tragen, das ist ihr ein grosses Anliegen. «Und dazu braucht es eben Personen, die einen Beitrag leisten.»
Kleine Firma führen
Präsident Adrian Paniz ist froh um die Kandidatur und das Engagement von Karin Giger. Bis vor Kurzem sah es noch düster aus für die Zukunft. Paniz selber (nach 18 Jahren, davon 12 als Präsident) wie auch Marlis Töngi (nach 10 Jahren) haben auf Ende der Amtsperiode ihren Rücktritt erklärt. Und die Suche nach neuen Kandidaten verlief lange erfolglos. «Ich habe sehr viele Gespräche geführt», schaut er auf diese Zeit zurück. «Viele, die für ein solches Amt infrage kommen, engagieren sich eben schon an anderen Orten», weiss Giger.
So kam die Kirchenpflege auf die Idee, einen Begegnungsanlass zu organisieren. «Wir wollten aufzeigen, was die Kirchenpflege alles leistet und warum sich das Engagement lohnt», erklärt Paniz die Beweggründe. Denn diesbezüglich hätten viele ganz falsche Vorstellungen. Das ging dem Präsidenten nicht anders, als er vor 18 Jahren für eine Kandidatur angefragt wurde. «Ich dachte, es gehe zu 80 Prozent um die Seelsorge und zu 20 Prozent um die Verwaltung der Kirchgemeinde. Dabei ist es genau umgekehrt. Wir führen hier quasi eine kleine Firma, kümmern uns um das Personal, die Finanzen und die Liegenschaft. Was die Seelsorge betrifft, ist der Pastoralraum zuständig, da sind wir nur am Rand involviert», beschreibt Paniz die Tätigkeit, die er als sehr spannend empfindet. «Zudem lernt man viel, was man auch im Leben brauchen kann. Auch Weiterbildungen sind möglich», ergänzt er.
Zudem kümmert sich die Kirchenpflege um die verschiedenen Anlässe vor Ort. Sei es der ökumenische Gottesdienst, der Apéro nach der Firmung oder die Reihe «Wort und Musik», die Marlis Töngi betreut. «Wir schauen, dass das Drumherum stimmt, wenn Anlässe stattfinden», erklärt sie. Auch die Organisation der Pfarreireise fällt in ihr Ressort. Diese findet alle drei Jahre statt und ist stets eine gelungene Sache. «Solche Anlässe dienen auch der Kontaktpflege. Denn die Kirche hat auch eine soziale Aufgabe», ist Marlis Töngi überzeugt.
Neue Kreise ansprechen
Der Begegnungsanlass war gut besucht. Aber brachte nicht den gewünschten Erfolg. «Es kamen vor allem diejenigen, die auch regelmässig zur Kirche gehen. Wir hatten aber gehofft, dass wir auch neue Personen kennenlernen können. Vor allem auch Jüngere», berichtet der Präsident. Denn die Kirche habe eben tatsächlich ein Problem der Überalterung. «Und für Jüngere ist ein Mitmachen sicher attraktiver, wenn sie auch andere in ihrem Alter dabei wissen», weiss Paniz. Auch darum schätzt er das Engagement von Karin Giger. «Sie verkehrt in anderen Kreisen als wir und kennt andere Leute», ist auch Töngi überzeugt. Die designierte neue Kirchenpflegerin ist denn auch überzeugt, dass sie Erfolg hat mit der Suche. «Ich bin sehr motiviert, mich hier einzusetzen. Und ich hoffe, sehr, dass meine Begeisterung ansteckend ist», sagt sie.
Suche geht weiter
Eine weitere Kandidatur wäre auch darum wünschenswert, weil auch der Bisherige Andreas Wagenhofer schon mit einem Rücktritt geliebäugelt hat. «Er macht jetzt weiter, bleibt aber vermutlich auch nicht mehr lange», sagt Paniz. Dann wäre man schnell wieder am gleichen Punkt. Eigentlich sollte die Kirchenpflege aus fünf Personen bestehen, «aber seit ich im Amt bin, hatten wir das nur eine kurze Zeit. Meistens waren wir zu viert. Und drei ist das Minimum, sonst erfolgt die Fremdverwaltung», erklärt Paniz.
Fusion verhindern von Kirchgemeinden
Niederwil ist nicht die einzige Gemeinde, welche mit diesem Problem zu kämpfen hat. In anderen Regionen geht man darum dazu über, nicht nur die seelsorgerischen Dienste in einem grösseren Pastoralraum zusammenzulegen, sondern auch die Kirchgemeinden zu fusionieren. Das wäre für die drei am Tisch aber nicht die ideale Lösung. «Wenn der lokale Bezug verloren geht, dann wird es noch schwieriger, die Menschen für ein Engagement zu motivieren», sagt Giger. Aber jede Gemeinschaft sei auf Leute angewiesen, die sich einbringen. So wie es Adrian Paniz, Marlis Töngi und Karin Giger seit Jahren tun. «Man erhält auch viel zurück», sagen die drei mit Überzeugung. Und auch mit einer möglichen Befürchtung räumt der amtierende Präsident noch auf. «Es ist nicht Pflicht, als Mitglied der Kirchenpflege jeden Sonntag die Messe zu besuchen», sagt er schmunzelnd.

