Die Altstadt wird transparenter
24.02.2026 Bremgarten, KulturHistorischem Erbe Sorge tragen
Die Stadt Bremgarten weiht ihre neuen Gebäudebeschriftungen ein
In den letzten Wochen wurde die Altstadt mit neuen Gebäudebeschriftungen versehen. Mit einem Stadtrundgang wurden diese nun offiziell ...
Historischem Erbe Sorge tragen
Die Stadt Bremgarten weiht ihre neuen Gebäudebeschriftungen ein
In den letzten Wochen wurde die Altstadt mit neuen Gebäudebeschriftungen versehen. Mit einem Stadtrundgang wurden diese nun offiziell feierlich eingeweiht.
Viele Einheimische dürften ihnen in diesen Tagen bereits begegnet sein. Noch im alten Jahr hat die Stadt Bremgarten auf dem Altstadtgebiet 54 Beschriftungen vollständig ersetzt. «Nach 20 Jahren war es höchste Zeit dafür», sagt Stadtschreiber Beat Neuenschwander. Die Beschriftungen hatten Verschleisserscheinungen aufgewiesen und machten in ihrem vergilbten Plexiglas schon lange keine gute Falle mehr.
Ersetzt wurden sie nun durch zeitlose Metallexemplare in Purpurrot und Matt-Rot-Orange. Erstere ersetzen die bisherigen Tafeln. «Wobei wir die Infos darauf in Zusammenarbeit mit Lokalhistoriker Fridolin Kurmann, unseren Stadtführern und der kantonalen Denkmalpflege überarbeitet und aktualisiert haben», wie Neuenschwander erklärt. Letztere dagegen – die mattrot-orangen – laden die Besucher auf eine zusätzliche «Zeitreise Denkmal» durch das Städtli ein, bei der vertieft in acht besondere Kapitel der Bremgarter Denkmale eingetaucht werden kann. «Es ist uns allen ein wichtiges Anliegen, dass wir dem historischen Erbe unserer Altstadt Sorge tragen und dieses an neue Generationen und Besuchende weitertragen», betont der Stadtschreiber und spricht dabei auch im Namen des Gesamtstadtrates.
Investition in Vergangenheit und Zukunft
Rund 150 000 Franken hat die neue Beschilderung gekostet – wobei Swisslos aus seinem Kulturfonds einen Betrag von 70 000 Franken an die Bremgarter Investition beisteuerte. Die ersten Rückmeldungen an die Adresse der Stadt waren rundum positiv. «Wir haben bereits Anfragen von Hausbesitzern erhalten, ob wir die Geschichte ihrer Liegenschaft auch auf so einem neuen Schild aufarbeiten können», lächelt Neuenschwander. Im Rathaus ist man offen dafür. Am Wochenende hat man den neuen Rundgang durch die Stadt mit einer kleinen Gruppe geladener Gäste offiziell eingeweiht. Eine Investition zugunsten der Geschichte Bremgartens im Hinblick auf die Zukunft. --huy
Die neuen Gebäudebeschriftungen sind informativ und dekorativ
Der Startschuss für den Ersatz der in die Jahre gekommenen, zum Teil kaum mehr lesbaren Beschriftungen der zahlreichen historischen Gebäude fiel 2022 im Rahmen des Gesamtprojektes «Info-Gardening».
Walter Minder
Die historische Altstadt von Bremgarten wird nicht nur während den bekannten Märkten stark besucht, sie ist auch aus nationaler Sicht ein touristisches Highlight. Damit kommt der informativen Besucherführung durch die markanten, zum Teil engen Gässchen ein wichtiger Stellenwert zu. Die bisherigen, 2006 angebrachten Gebäudebeschriftungen wurden nicht nur ersetzt, sondern mit Kosten von rund 150 000 Franken auch durch neue ergänzt.
Jonas Kallenbach von der kantonalen Denkmalpflege, der am Samstag an der Einweihung der neuen Beschriftungen von Stadträtin Claudia Bamert bei der Begrüssung der geladenen Gäste im alten Zeughaus spontan zum «Reiseführer» ernannt worden war: «Auf den 54 roten Tafeln erhalten Besucherinnen und Besucher beim Rundgang durch die Altstadt detaillierte Informationen zum jeweiligen historischen Gebäude.» Erweitert wurde der Rundgang in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege durch zehn orangefarbene Schrifttafeln, welche die Gebäude in den Kontext mit ihrer Umgebung einbinden und aufzeigen, wie historische Liegenschaften erhalten und gepflegt werden.
Zeugen unserer Zeit
Dann folgte die Gruppe dem versierten «Stadtführer» via Schellenhausstrasse und Rechengasse hinab zum von 1556 bis 1559 erbauten Spittelturm. «Die Bewohnenden kennen viele historische Zeugnisse und wissen, dass sie in einem ausgesprochen schönen Städtchen wohnen, welches trotz seiner langen Geschichte lebendig geblieben ist.» Kallenbach wies darauf hin, dass in Altstadthäusern oft ein grosses Potenzial an historischer Bausubstanz steckt. So konnte bei verschiedenen Liegenschaften eruiert werden, dass das Mauerwerk deutlich jünger ist als der Dachstock, dass also bereits im Mittelalter nachhaltig gebaut worden ist. Ziel der Denkmalpflege bei Renovationen ist es, Altes zu bewahren und mit Neuem passend zu ergänzen.
Zwischen 1560 und 1570 wurden im Auftrag der Stadt sieben steinerne Brunnen erstellt, um die Wasserversorgung für die Bewohnenden sicherzustellen. Beim Zeughausbrunnen betonte Denkmalpfleger Kallenbach die Wichtigkeit der Brunnen, ist doch die Stadt Bremgarten seit ihrer Gründung auf eine künstliche Wasserversorgung angewiesen. «Damals waren die Häuser noch nicht an die Wasserversorgung angebunden, das Wasser holte man sich an den öffentlichen Brunnen, die auch als Tränke für Pferde und Vieh dienten.»
In der Sternengasse erfuhren die Teilnehmenden, dass der einst starke Anstieg etwas reduziert wurde, indem das untere Strassenstück angehoben und das obere abgesenkt wurde. Darum konnten im unteren Teil auch Kellerräume beispielsweise für gewerbliche Nutzung umgebaut werden, wobei Bremgarten als Städtchen über die schönste Kopfstein-Strassenpflästerung im Aargau verfügt. Am Schluss der informativen und trotz aufgespannter Regenschirme spannenden Führung beim Schlössli warf Jonas Kallenbach einen kurzen Blick in die Zukunft. «Die Geschichte der Altstadt ist noch nicht fertig geschrieben, es gibt noch viel zu entdecken und viele historische Gebäude zu beschriften.»
Gemütlicher Abschluss im Zeughaussaal
Nach dem wetterbedingt eher ungemütlichen Rundgang mit jeweils kurzem Blick auf die neuen Beschriftungstafeln – wiederholt war zu hören: «Sobald das Wetter besser ist, nehme ich mir dann die nötige Zeit dafür» – traf man sich im Zeughaussaal, wo Stadträtin Bamert unterstrich, dass die neue Beschriftung ein Gemeinschaftswerk der Gemeinde und der kantonalen Denkmalpflege ist. «Wir haben zusammen etwas Bestehendes noch besser gemacht.» Jede Tafel ist für sie eine historische Stimme des Städtchens und sie lud dazu ein, bei einem gemütlichen Gang durch die Altstadt einen vertieften Einblick in deren Geschichte zu gewinnen.
Bamert machte zudem darauf aufmerksam, dass viele der roten Tafeln mit einem QR-Code versehen sind, der einen virtuellen Blick in das entsprechende Gebäude ermöglicht, beispielsweise in den Gerichtssaal. «Das Herz von Bremgarten besteht nämlich nicht nur aus historischen Gebäudemauern, sondern auch aus den Geschichten, die in ihnen verborgen und sichtbar geworden sind.»
Jürg Brühlmann, Inhaber und Geschäftsführer der mit der Realisation der neuen Informationstafeln beauftragten Lenzburger Springform AG: «Eine Beschriftung wie in Bremgarten bringt neues Leben in die historische Altstadt. Und dank der Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege entstand eine Brücke zwischen gestern und heute.»
Weitere digitale Projekte folgen
Allein schon die Formgebung der Tafeln sei ein langer Prozess gewesen – die Verbindung zwischen der Zeitreise der Denkmalpflege und den architektonischen Eckpunkten der historischen Gebäude eine Herausforderung. Er freut sich derweil schon auf die nächsten, digitalen Projekte, mit denen Bremgarten in Zukunft weitere Schritte in Sachen Attraktivität ins Auge fassen wird. «Heute feiern wir die Einweihung der neuen Altstadt-Beschriftung, aber es gibt noch viele Geschichten zu entdecken.»



