Der Panda im Oktagon

  20.03.2026 Kampfsport, Sport

Mixed Martial Arts (MMA): Moreno Kacapor ist der erste Schweizer, der die Meisterschaft in Frankreich gewinnt

Er ist gross (1,90 m) und schwer (130 kg) und hat hohe Träume. Moreno Kacapor will den Sprung in die renommierte UFC schaffen. «Dafür gebe ich alles», sagt der 33-Jährige aus Wohlen. Sein Spitzname «Kung Fu Panda» könnte passender nicht sein. Denn Kacapor ist körperlich massiv gebaut – aber er ist auch ein richtig lieber Kerl.

Stefan Sprenger

Bünzmatt-Schulhaus. Irgendwann Anfang der 2000er-Jahre. Ein Junge ist grösser und breiter als alle anderen: Moreno Kacapor. Er sei deshalb manchmal aufgezogen worden, wie er erzählt. Wer nun aber meint, er war in seiner Jugend ein prügelnder Rowdy, der irrt sich. «Wenn mich jemand angefasst hat, habe ich es meist gar nicht bemerkt», sagt Kacapor lachend. «Ich war das Gegenteil von einem Schulhof-Schläger. Ich war zu lieb.» Die Sprüche der Gleichaltrigen liess er über sich ergehen. Es war ihm egal.

Mehrere Titel in Europa geholt

Sein körperliches Erscheinungsbild hat sich bis heute nicht geändert. Er fällt mit seiner Statur auf. Kacapor ist ein Schrank. 1,90 m gross, 130 kg schwer. Ein lieber Kerl ist er ebenfalls geblieben. Sein Spitzname «Kung Fu Panda» ist also sehr passend. Ausser, es geht in den Ring. Dann wird aus dem lieben Panda ein Grizzlybär. Von seinen bislang 17 professionellen MMA-Kämpfen im achteckigen Käfig (Oktagon) gewann er neun durch Knock-out. Heisst: Sein Gegner hat aufgegeben oder konnte nicht weiterkämpfen. Die meisten seiner K.-o.-Siege gingen schnell.

Im September 2025 macht er ebenfalls kurzen Prozess und gewinnt seinen Kampf an den französischen Meisterschaften (Ares genannt) bereits zu Beginn der zweiten Runde. Der Freiämter besiegt den französischen Schwergewichtsmeister Aboubakar Bathily durch Knock-out. 5500 Zuschauer sind da. Der Wohler schreibt damit ein Stück MMA-Geschichte, denn er ist der erste Schweizer, der diesen bedeutenden europäischen Titel holt. Schon im August 2024 in den Niederlanden (Levels Fight League) und im Juni 2025 in der Schweiz (Lions Fighting Championship) gewinnt er den Titel. Doch jener Erfolg in Frankreich ist besonders, denn es bringt ihn einen grossen Schritt näher an sein Ziel: «Ich will unbedingt in die UFC», sagt er. Die UFC (Ultimate Fighting Championship) ist die renommierteste und bedeutendste MMA-Liga der Welt. Der Hauptsitz ist in Las Vegas. An den UFC-Events sind Tausende Besucher vor Ort – und die Fights werden in über 165 Länder übertragen und erreichen über 1,1 Milliarden Haushalte. Dementsprechend ist auch Geld vorhanden. Ein Sport-Imperium, besonders in den USA. In die UFC wollen viele, nur die wenigsten schaffen es. Angesichts der bisherigen Karriere und Erfolge von Kacapor scheint dieses Ziel gar nicht mehr so unerreichbar. «In der UFC muss man alles können und vielseitig sein – und zwar auf hohem Level», so der 33-Jährige.

Fussball, Andy Hug und «Bloodsport»

Vielseitig ist er. Einst spielte er Fussball beim FC Wohlen und FC Villmergen. Dann ging er ins Karate, später machte er Krafttraining, Kickboxen und Brazilian Ju-Jitsu. Die Leidenschaft für den Kampfsport flammt immer mehr auf. Als Kind sei er schon Fan gewesen. Der Film «Bloodsport» mit Jean-Claude van Damme, die «Rocky»-Filme oder Bruce Lee nennt er als Inspiration. Und auch Andy Hug, die Wohler Kampfsportlegende. «Ich wählte für mich Kampfsport aus, weil ich Herausforderungen liebe. Es bringt mir auch menschlich viel, es ist eine Lebensschule. Ich trainiere hart und viel, komme dabei an meine Grenzen. Ich habe ein Team hinter mir, bin im Ring, aber alleine. Das sind alles Dinge, die mir gefallen», erklärt der Wohler. Und wenn er vom Kampfsport spricht, dann spürt man: Es ist sein Leben.

Zwischen 250 und 5000 Franken

Kacapor machte einst eine Lehre zum Kaufmann bei der Minerva Schule in Aarau. Heute arbeitet er in einem Teilpensum bei der APG (Allgemeine Plakatgesellschaft). «Den Rest der Zeit trainiere ich.» Bis zu sechs Mal pro Woche. Irgendwann möchte ich – zumindest eine Zeit lang – vom Sport leben, dafür tue ich vieles. Ich lebe sparsam, verzichte auf vieles, wohne noch zu Hause. Das sind die Opfer, die ich erbringen muss, damit ich die sportlichen Ziele erreichen kann und den Durchbruch schaffe.»

Seine Eltern sind in der Schweiz aufgewachsen, seine Mutter hiess ledig Bucher, sein Vater hat bosnische Wurzeln. Kacapor lebt mit seiner Familie (er hat noch zwei Brüder) nach wie vor in Wohlen. «Hier ist mein Zuhause», sagt er. Und natürlich kennt er auch die aktuellen Kampfsport-Koryphäen des Freiamts. Kickbox-Weltmeister Rocco Cipriano wollte ihn für seine «Fight Night» im Schüwo-Park verpflichten, «doch ich bin vertraglich gebunden und es ging nicht», erklärt Kacapor, der für einen MMA-Profi-Kampf zwischen 250 und 5000 Franken Antrittsgage erhält (und nochmals rund 5000 für einen Sieg). Und natürlich weiss er auch, wer Magomed Ayshkanov ist, der Schwergewichtsringer der RS Freiamt. Und wie Kacapor ist auch Ayshkanov ein MMA-Fighter. «Eine Maschine. Einer der Besten», wie er anfügt.

Der Weg von Moreno Kacapor könnte in der UFC enden. Es war ein vielschichtiger Weg. «Durch einen Kumpel habe ich MMA entdeckt. Als ich es zum ersten Mal sah, da wusste ich: Das will ich auch.» 2010 startet er in Wohlen. «Ich wollte immer besser werden», sagt er – und trainiert in Clubs in Zürich, Neuchâtel, Baden und Aarau. Heute ist er nach wie vor Teil des Vereins «New Legacy» in Aarau.

«Es wäre das Grösste für mich»

Weil es aber hierzulande schwierig ist, einen Sparringspartner in seiner Gewichtsklasse zu finden, ist er oft auch in der Westschweiz am Trainieren. In der «Fight Move Academy» heisst sein Trainer Nelson Carvalho (der vielen im Kampfsport ein Begriff ist). Dort wird er im Training gefördert und gefordert – beispielsweise von Volkan Özdemir einem der ganz wenigen Schweizer MMA-Kämpfer, die es in die UFC schafften. Das will der Freiämter auch. Seine drei Titel in Europa sollen ihm helfen, diesen Sprung zu packen. «Es wäre das Grösste für mich», sagt der Wohler, der schon heute zu den besten Schwergewichtsboxern Europas zählt.

Doch Kacapor weiss auch: «Es braucht Siege. Spektakuläre Siege, am besten durch Knock-out. Die UFC ist auch Show, lebt vom Publikum und der Unterhaltung. Es braucht auch Beziehungen und Glück. Wenn man aber mal drin ist, dann hat man es geschafft.» Kacapor will jetzt «dranbleiben und alles geben» für seinen Traum. Sein Plan: «Hart trainieren. Kämpfe gewinnen.» Seine jüngsten Erfolge beweisen, dass er auf dem richtigen Weg ist. Und wer weiss, vielleicht wird der «Kung Fu Panda» aus Wohlen bald auf der grossen Kampfsport-Bühne der UFC seine Gegner k. o. hauen.


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