Der Kleinbus ist zu teuer
22.05.2026 Bremgarten, Verkehr, FinanzenSüsse und saure Äpfel
Bremgarten steht vor einer reich befrachteten «Gmeind» am 11. Juni
Diskussionen sind in knapp drei Wochen im Städtli vorprogrammiert. Insbesondere die empfohlene Ablehnung eines Geschäfts ...
Süsse und saure Äpfel
Bremgarten steht vor einer reich befrachteten «Gmeind» am 11. Juni
Diskussionen sind in knapp drei Wochen im Städtli vorprogrammiert. Insbesondere die empfohlene Ablehnung eines Geschäfts dürfte zu reden geben.
Marco Huwyler
Dem Vernehmen nach musste der Chauffeur ganz schön zirkeln. Zumindest derjenige des grösseren der beiden Bustypen, die im vergangenen Herbst zu Testzwecken durch die Bremgarter Altstadt fuhren. Man hätte sich deshalb für den Kleineren entschieden. Hätte deshalb, weil es dazu kaum kommt. Zumindest nicht, wenn es nach dem Stadtrat geht.
Der Altstadt-Bus ist zu teuer
Nach Jahren der Planung bringt er das Geschäft einer möglichen Altstadt-Buslinie nun nämlich vor den Souverän. Und empfiehlt gleichzeitig, dieses abzulehnen. Mit prognostizierten 1,44 Millionen Franken allein für das dreijährige Pilotprojekt ist es der Regierung in Zeiten des Sparwillens schlicht zu teuer. Dennoch möchte man das Bevölkerungsbegehren aus dem Mitwirkungsprozess der BNO zur Abstimmung bringen. Zumal es ein saurer Apfel ist, in den man mit der Ablehnung beisst. Dass die Wege zum ÖV von der Unterstadt aus lang sind, hat man nämlich eigentlich als Problem ausgemacht.
Ungleich besser schmeckt den Verantwortlichen dagegen die städtische Jahresrechnung 2025. Sie schliesst nach zwei defizitären Bremgarter Jahren mal wieder mit einem unverhofften, aber sehr willkommenen Gewinn. Auch dies eines der Themen an der Gemeindeversammlung in knapp drei Wochen. Ein Abend im Casino, an dem insgesamt 11 verschiedene Geschäfte traktandiert sind.
«Gmeind» am 11. Juni: Die lange geplante Altstadt-Buslinie wird vom Stadtrat zur Ablehnung empfohlen
Seit Jahren wird sie in Bremgarten von Teilen der Bevölkerung gefordert. Eine verbindende Buslinie durch die Altstadt. Nach einer eingehenden Prüfung kommt das Geschäft nun vors Volk. Dieses hat an der Gemeindeversammlung das letzte Wort.
Marco Huwyler
Im vergangenen Herbst sind sie durchs Städtli getingelt. Verschiedene Bustypen, wie man sie sich im Rathaus hätte vorstellen können. Als potenzielle Ortsbusse durch die an sich fahrverbotene Altstadt haben sie getestet, wie es denn ginge mit der Wendigkeit durch die Gässchen, die seit 32 Jahren eigentlich verkehrsfrei sind.
Ein Zustand, der Unannehmlichkeiten für jene mit sich bringt, die hier wohnen. Die Wege zur nächsten öffentlichen Beförderungsmöglichkeit sind zuweilen lang – und werden mittelfristig gar noch länger. Wenn die neue ÖV-Drehscheibe beim Bahnhof Bremgarten dereinst umgesetzt ist und der Obertorplatz auch verkehrsfrei wird, verlängern sich die Distanzen für die Altstadtbewohner zum nächsten Bushalt weiter.
Allein mit den Kosten
Dessen ist man sich in Bremgarten seit Jahren bewusst. «Die Fusswege mit teils über 500 Metern sind zu lang», sagt Stefan Walder, Abteilungsleiter Bau. Und dementsprechend nahm man sich im Rathaus des Begehrens auch an, das von betroffenen Einwohnern kam. Eine Bremgarter Buslinie, welche Ost und West, Oberstadt und Unterstadt verbindet. Mitten durch das Städtli, so die Idee, sollte Abhilfe schaffen.
Der Stadtrat hat seit 2022 ein Konzept erarbeitet und weiterverfolgt. Als Bestvariante stellte sich nach längerer Evaluation die Verlängerung der Linie 338 (Ortsbus Zufikon) heraus. Diese sollte demnach vom Obertorplatz bis in die Unterstadt zur Kaserne weitergeführt werden und beim Pegasus-Kreisel wenden. «Wir haben vieles durchgerechnet, probiert, geprüft und getestet», sagt Stadtammann Stephan Troxler. «Wirklich ernsthaft, in verschiedenen Varianten und bis ins Detail.» Die Versuche seien durchaus auch vielversprechend gewesen, findet auch Walder. «Wir haben einen passenden Bustyp gefunden, bestmögliche Haltestellen festgelegt und auch bereits einen möglichen Fahrplan ausgearbeitet, der passen würde.» Bloss sind da noch die Kosten. Sowie die Beteiligungen daran. Und hier zeigte sich – Bremgarten stünde ziemlich allein da und könnte im Gegenzug kaum mit nennenswerten Einnahmen rechnen.
1,44 Millionen
So war man in Zufikon gerne bereit, der Linienverlängerung seines bisherigen Ortsbusses zuzustimmen. An den Mehrkosten beteiligen möchte man sich beim Nachbarn allerdings nicht. Und während besagte Linie bislang vom Kanton finanziert wird – weil dieser die Notwendigkeit als gerechtfertigt ansieht – sähe dies bei einem Altstadt-Bus anders aus. Mit bloss 30 000 Franken würde man sich in Aarau am Pilotprojekt beteiligen, das in den nächsten drei Jahren nötig würde. Bei Gesamtkosten von rund 1,44 Millionen Franken, «ein wahrhaft läppischer Beitrag», wie Stefan Walder findet. «Geradezu haarsträubend», erachtet er die kantonale Haltung hierzu, wenn man bedenke, dass sich der Kanton eigentlich die Förderung des ÖV auf die Fahne geschrieben hat. «Auf diesem Weg geht das ganz bestimmt nicht», sagt Walder sichtlich enerviert.
Bescheidenes Potenzial
Wobei der Kanton durchaus seine berechtigten Argumente hat, die auch im Bremgarter Stadtrat anerkannt werden. «Das Potenzial möglicher regelmässiger Nutzer ist bescheiden», gibt Troxler zu. Man habe das Ganze hochgerechnet. Es sind bloss 30 bis 40 Personen pro Tag, welche die verlängerte Linie potenziell nutzen würden. Bei einer Frequenz im 30-Minuten-Zyklus viel zu wenig, um einen einigermassen rentablen Betrieb zu gewährleisten. «Es gäbe wohl zahlreiche Leerfahrten durch die Altstadt», sagt Walder. Und weil das Ganze eine Weiterführung des Zufiker Ortsbusses wäre, käme eine Reduktion des Angebots auf die Stosszeiten auch nicht infrage. «Das wäre sonst für die übrige Strecke der Linie 338 ein Leistungsabbau, die niemand wollen würde.»
Schweren Herzens
Alles in allem kommt der Stadtrat so zum Schluss, dass eine Kleinbuslinie durch die Altstadt momentan nicht zu akzeptablen Konditionen umsetzbar ist – weil sie schlicht zu teuer wäre. Die 1,44 Millionen Franken müsste Bremgarten grösstenteils selbst tragen. Eine Investition, die noch nicht einmal eine dauerhafte Verbesserung wäre, sondern bloss der Aufwand für ein Pilotprojekt im Zeitrahmen von drei Jahren mit ungewissem Ausgang. Durchaus schweren Herzens hat man sich daher entschieden, das Geschäft zur Ablehnung zu empfehlen. Den Entscheid darüber überlässt man aber dem Stimmvolk.
Wieder schönere Zahlen
«Gmeind» am 11. Juni: Die Stadt schreibt 2025 einen Gewinn von rund 175 000 Franken
Nach zwei Jahren mit hohen Verlusten hat sich die städtische Erfolgsrechnung 2025 stabilisiert. Von einer dauerhaften Entspannung zu sprechen, wäre aber zu hoch gegriffen. Zu vieles bleibt volatil. Und die Steuereinnahmen liegen unter dem Budget.
Marco Huwyler
Der Gang an die Öffentlichkeit mit ihren Zahlen ist heuer spürbar einfacher für die Verantwortlichen. Die Jahresrechnung 2025 der Einwohnergemeinde Bremgarten zeigt ein erfreuliches Plus von rund 175 000 Franken und schliesst damit besser ab als erwartet. Budgetiert war ein Defizit von 54 400 Franken gewesen. «Das freut uns sehr. Denn es zeigt, dass in der Finanzabteilung sauber gearbeitet wurde und wir die Ausgaben im Griff hatten», sagt Stephan Troxler. Doch auch der Stadtammann weiss, dass es ein fragiles Plus ist, das er heute gemeinsam mit Abteilungsleiterin Mirjam Zedi präsentieren darf. Denn das operative Ergebnis der Stadt ist weiterhin negativ – der Ertragsüberschuss kommt nur dank der Entnahme aus der Aufwertungsreserve von 689 300 Franken zustande. Spätestens 2033 ist mit diesem Gemeinderechnungen schönenden, buchhalterischen Effekt Schluss.
Weniger Steuereinnahmen als erwartet
Dennoch darf man konstatieren – nach den hohen Verlusten von 2023 (rund 1,4 Millionen Franken) und 2025 (0,9 Millionen) ist der Abwärtstrend gestoppt. Dazu beigetragen hat natürlich die Steuererhöhung auf vergangenes Jahr hin. Wobei diese Einnahmen aufgrund des höheren Steuerfusses zwar erwartungsgemäss gestiegen sind, aber nicht so stark wie erwartet. Bei den natürlichen Personen hat man 752 000 Franken weniger eingenommen als budgetiert. Und auch die juristischen Personen (also die steuerzahlenden Firmen) haben im abgelaufenen Jahr 269 000 Franken weniger in die Stadtkasse gespült als erhofft. «Wir haben hier ambitioniert budgetiert», sagt Zedi zwar. Aber auch, dass die Entwicklung diesbezüglich in Bremgarten unter den Erwartungen lag – und man im kantonalen Vergleich die Prognosen nicht erfüllt hat.
Ein leidiges Thema bleibt in Bremgarten zudem die Pflegefinanzierung, welche die Stadt im vergangenen Jahr 233 000 Franken mehr kostete als budgetiert. «Dass diese mittlerweile über 2 Millionen liegen, ist happig», findet Troxler.
Polizistenmangel für Rechnung positiv
Dass unter dem Strich dennoch schwarze Zahlen resultieren, hat primär mit höheren Einnahmen aus Grundstücksgewinn- (+360 000 Franken) und Quellensteuern (+319 000 Franken) zu tun. «Da haben wir auch Glück gehabt», gibt der Stadtammann zu. Denn die Höhe dieser Einnahmen kann die Stadt kaum beeinflussen. Erstere zu prognostizieren, sei «wie Kaffeesatzlesen», so Troxler. Und Zweitere kamen vor allem durch die kantonale Aufarbeitung von Pendenzen zustande.
Doch auch die Ausgabenseite hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Rechnung erfreulich aussieht. So lagen die Sozialhilfekosten (um 319 000 Franken) unter den Prognosen – genauso wie Ausgaben beim Schulmaterial (–106 000 Franken) und der Regionalpolizei (–122 000 Franken). Wobei Letztere eigentlich keinen erfreulichen Grund hat. «Wir hatten lange Unterbestand an Polizisten», erklärt Troxler. «Teilweise fehlten bis zu vier Leute.» Doch die Vakanzen seien mittlerweile glücklicherweise wieder besetzt.
Reussufer-Sanierung hat sich verzögert
Die Nettoinvestitionen fielen 2025 deutlich geringer aus als geplant. Sie beliefen sich in der Rechnung auf rund 3,78 Millionen Franken statt wie im Budget auf 6,1 Millionen Franken. Das hat einerseits mit erfreulichen Umständen zu tun – wie dem Fakt, dass Strassensanierungen (wie die Itenhardstrasse, Fischbacherstrasse und die Luzernerstrasse) sowie die Strassenlampen-LED-Umrüstung günstiger waren als gedacht. Aber auch daran, dass es bei einzelnen Projekten zu Verzögerungen kam. Insbesondere bei der Sanierung der Reussufermauer. «Das liegt daran, dass momentan rechtliche Abklärungen laufen, inwiefern wir den Kanton hier noch finanziell in die Pflicht nehmen können», sagt Troxler. Zudem liess die AVA kürzlich die Stützpfeiler der Eisenbahnbrücke inspizieren. Je nachdem, ob dort ebenfalls Sanierungsbedarf herrscht, könnte man mit der AVA allenfalls Synergien bilden bezüglich Flusstrockenlegung. Deshalb wartet man dieses Ergebnis ab.
Bärenmatte-Fonds erstmals gespiesen
Die Nettoschuld steigt derweil in Bremgarten weiter an – auf 8,56 Millionen oder 958 Franken pro Einwohner. Und der Investitionsbedarf bleibt ungebrochen hoch – beispielsweise dereinst für eine neue Bärenmatte. Schöner Nebeneffekt der positiven Jahresrechnung: Der vor zwei Jahren zu diesem Zweck gegründete Bärenmatte-Vorfinanzierungsfonds, der aus allfälligen städtischen Gewinnen gespiesen wird, hat durch den Abschluss 2025 erstmals ein paar Franken erhalten.
Die Traktanden
1. Protokoll der letzten Versammlung, 2. Rechenschaftsbericht, 3. Kreditabrechnung der Sanierung Zufikerstrasse, 4. Rechnungen 2025, 5. Teiländerungen BNO, 6. Projekt Sportanlage Waffenplatz, 7. Anhang Gassenreglement, 8. Versuchsbetrieb einer Kleinbuslinie durch die Altstadt, 9. Erarbeitung genereller Entwässerungsplan, 10. Neuer Konzessionsvertrag mit der AEW, 11. Verschiedenes.





