Das Spiel mit Licht und Schatten
20.01.2026 Museum, BremgartenBremgarten erobert die Schweiz
Markus Eichhorns Scherenschnittkunst im Schweizerischen Scherenschnitt-Museum Château-d’Œx
Ein Scherenschnitt macht das Städtli landesweit sichtbar – und zeigt, wie modern eine alte ...
Bremgarten erobert die Schweiz
Markus Eichhorns Scherenschnittkunst im Schweizerischen Scherenschnitt-Museum Château-d’Œx
Ein Scherenschnitt macht das Städtli landesweit sichtbar – und zeigt, wie modern eine alte Kunstform sein kann.
Sabrina Salm
Seit zehn Jahren ist Bremgarten sein Zuhause. Täglich geniesst er den Ausblick auf die Altstadt vor sich. Ein Blickfang, den er in einem Scherenschnitt verewigt hat. Nun trägt der Künstler Markus Eichhorn ein Stück Bremgarten in die Schweiz hinaus. Die filigrane Arbeit ist aktuell im Schweizerischen Scherenschnitt-Museum in Château-d’Œx zu sehen – und macht eine regionale Silhouette einem breiten Publikum bekannt.
Grosse Ehre
Eichhorns Skyline ist mehr als ein Stadtporträt aus Papier. Sie steht exemplarisch für seinen Zugang zur jahrhundertealten Kunstform des Scherenschnitts, die er zwischen Tradition und zeitgenössischer Gestaltung neu interpretiert. Aus der Distanz wirkt das Werk beinahe wie ein Druck, aus der Nähe offenbaren sich feinste Linien und überraschende Details.
Rund 22 Stunden Arbeit stecken in der Skyline, die bewusst ohne Symmetrie auskommt und künstlerische Freiheit über Konvention stellt. Dass er nun sein Werk bei der 40. Ausstellung des Schweizerischen Scherenschnitt-Museums zeigen darf, freut Markus Eichhorn sehr. «Es ist eine grosse Ehre für mich», sagt er.
Mit seiner Kunst zeigt Eichhorn, dass Scherenschnitt heute weit mehr sein kann als folkloristisches Motiv. Digitale Entwürfe, Cutter statt klassischer Schere und der Mut zu Unregelmässigkeiten verleihen seinen Arbeiten eine eigene Handschrift.
Markus Eichhorn verewigt die Bremgarter Skyline in einem Scherenschnitt
Mit Schere und Cutter verwandelt Markus Eichhorn Papier in starke Bilder zwischen Tradition, Moderne und persönlicher Handschrift. «Meine Kunst entsteht aus Intuition, Gefühl und dem Wunsch, Bedeutung sichtbar zu machen», sagt er. Sein Werk von Bremgarten ist noch bis am 29. März im Schweizerischen Scherenschnitt-Museum ausgestellt.
Sabrina Salm
Viele denken beim Scherenschnitt an etwas Dekoratives – doch hinter jedem Werk stecken Technik, Geschichte und überraschende Details. Künstler wie der Bremgarter Markus Eichhorn können aus einem einfachen Blatt Papier und einer scharfen Schere Welten entstehen lassen. «Scherenschnitt ist Ausdruck, Rückzugsort und Sprache zugleich. Mit feinen Linien erzähle ich Geschichten, die berühren und nachhallen», sagt Eichhorn. Seine Arbeiten zeigen: Diese jahrhundertealte Kunstform ist alles andere als verstaubt.
Die Ursprünge des Scherenschnitts liegen im alten China, von wo aus er über Handelsrouten nach Europa gelangte und besonders in der Schweiz eine starke Tradition entwickelte. Kühe, Alpaufzüge und Chalets prägten lange Zeit das Bild des klassischen Schweizer Scherenschnitts. Doch heute hat sich die Kunstform geöffnet. Sie thematisiert Identität, Gesellschaft und persönliche Sichtweisen. «Diese Kunstform erzählt vom Leben selbst. Reduziert auf Schwarz und Weiss und doch voller Tiefe.»
Das Handwerk im Mittelpunkt
Künstlerisch tätig war Eichhorn schon immer. Nach der Lehre als Maschinenzeichner führte er 20 Jahre lang eine Grafikfirma in Muri. Die Nähe zur Gestaltung war ihm damit gegeben. Seine Mutter Margrit Eichhorn ist eine bekannte Scherenschnittkünstlerin. Diese Kunstform wurde ihm also praktisch in die Wiege gelegt. «Der Scherenschnitt begleitet mich seit meiner Kindheit», erzählt der Familienvater. Von der Mutter lernte er die Grundlagen, Tipps und Tricks. «Ich konnte sehr von ihr profitieren.» Trotzdem fand Markus Eichhorn erst vor rund vier Jahren intensiv zu dieser Kunst zurück.
Sein Zugang ist ein moderner. Statt ausschliesslich mit der Schere arbeitet er oft mit dem Cutter. «Den habe ich durch die Werbebranche mehr in der Hand», sagt er lachend. Entwürfe entstehen im Kopf, aus Fotos, Skizzen, manchmal mithilfe von KI. «Digital kann ich Varianten besser ausloten. Danach kommt aber wieder das traditionelle Handwerk.» Diese Verbindung aus analog und digital prägt Eichhorns Stil. Er versteht sie nicht als Widerspruch, sondern als Erweiterung. «Ich habe die ganze Palette im Rucksack – von digital über KI bis zur Schere.» Beim Schneiden gerät Eichhorn in einen Tunnel. «Ich kann dabei mental komplett abschalten.» In einer schnelllebigen Welt ist diese Konzentration für ihn ein Gegenpol. Geduld ist notwendig und genau das schätzt er. Maschinell geschnittene Arbeiten lehnt er ab: «Da fehlt die Seele. Es wird perfekt. Langweilig.» Seine Werke dürfen leben, dürfen Ecken und Kanten haben. Wichtig ist ihm, alles in einem Stück zu schneiden. Kleben ist kaum möglich, ein Fehlschnitt bedeutet oft einen Neuanfang. Fehler dürfen sichtbar bleiben. «Es hat seine Wahrheit», sagt er.
Ein grosses Geschenk
Ein Schlüsselwerk in seinem Schaffen ist die Scherenschnitt-Darstellung der Bremgarter Skyline. «Wie ich diese im Scherenschnitt darstellen könnte, hat mich lange beschäftigt», verrät er. Die tägliche Sicht auf die Stadt inspirierte ihn, doch er erlaubte sich künstlerische Freiheit. Symmetrie, wie sie beim traditionellen Doppelscherenschnitt üblich ist, war hier unmöglich. Rund 22 Stunden arbeitete er an dem Sujet: präparieren, entwerfen, schneiden.
Das Ergebnis wirkt aus der Distanz fast wie ein Druck, aus der Nähe offenbaren sich feinste Papierstreifen – teilweise so dünn wie Fäden. Seine Bremgarter Skyline hat inzwischen ihren Weg auf Tassen gefunden, erste Verkäufe folgten. Ein besonderer Meilenstein ist für Eichhorn die Ausstellung beim Verein Scherenschnitt Schweiz. Sein Werk von Bremgarten ist im Schweizer Scherenschnitt-Museum in Château-d’Œx (Pays-d’Enhaut) ausgestellt und steht dort auch zum Verkauf – noch bis zum 29. März. Für den Künstler ist das eine grosse Ehre.
Wohin sich das entwickelt, lässt er offen. «Es ist ein schönes Hobby, das mir grosse Freude macht», erklärt Eichhorn, der heute als Informatik-Lehrer in der Schule Hägglingen arbeitet. Er empfindet es als grosses Geschenk, mit seinen Händen etwas schaffen zu dürfen, das Bestand hat. Besonders berührend sei die Freude seiner Mutter. «Dass ich das Gleiche mache wie sie, ist das i-Pünktchen.»
Mehr über Markus Eichhorn unter www.markuseichhorn.ch und über die Ausstellung unter www.musee-chateau-doex.ch.


