Das Spiel der grossen Abschiede
26.03.2024 Sport, HandballNeuanfang bei Mutschellen
Abstieg und Abschiede bei den Handballern
Der HC Mutschellen hat im Derby gegen den TV Muri gekämpft, aber am Ende dennoch verloren. Nach der 29:36-Niederlage ist klar, dass die Mannschaft nach nur einer Saison wieder in die ...
Neuanfang bei Mutschellen
Abstieg und Abschiede bei den Handballern
Der HC Mutschellen hat im Derby gegen den TV Muri gekämpft, aber am Ende dennoch verloren. Nach der 29:36-Niederlage ist klar, dass die Mannschaft nach nur einer Saison wieder in die 2. Liga absteigt.
Das ist aber nicht der einzige Grund, wieso auf der Burkertsmatt die Zeichen auf Neuanfang stehen. Die Mutscheller verlieren mehrere Identifikationsfiguren der Mannschaft. Neben Captain Pascal Baur beenden auch Flügelspieler Fabian Lohner, Abwehrchef Niclas Gündel und Goalie Ricardo Barbian ihre Karrieren. Trainer Jan Sedlacek verlässt den Verein nach dem Abstieg.
Wie geht es weiter auf dem Mutschellen? Ideen sind schon vorhanden, aber noch nicht spruchreif. --jl
Handball, 1. Liga: TV Muri – HC Mutschellen 36:29 (14:13) – Wie geht es weiter?
Der HC Mutschellen verabschiedet sich im Derby gegen den TV Muri in Richtung 2. Liga. Der Captain, der Goalie, der Trainer und der Abwehrchef verlassen alle den Verein. Ideen sind aber vorhanden, um den Club vor dem totalen Absturz zu bewahren. Dabei bahnt sich eine kleine Revolution im Freiämter Handball an.
Josip Lasic
Es ist eine der traurigeren Szenen im Derby zwischen Muri und Mutschellen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit bleibt Gäste-Captain Pascal Baur mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Bereits in der ersten Halbzeit hat er sich die Schulter verletzt. Nach der zweiten schmerzhaften Aktion geht es für das Urgestein nicht mehr weiter. Er beendet seine Karriere mit lädierter Schulter auf der Ersatzbank. «Natürlich hätte ich die Schlusssirene lieber auf dem Platz gehört und nicht auf der Ersatzbank. Aber es ist bezeichnend und zeigt, dass meine Entscheidung die richtige ist. Der Kopf will zwar noch, aber der Körper kann nicht mehr.» Grossartig niedergeschlagen ist Baur trotzdem nicht. Obwohl am Ende auch der Abstieg der Mutscheller feststeht.
Vielleicht ist es ihm eine Hilfe, dass er am Ende nicht allein verabschiedet wird. Mutschellen-Goalie Ricardo Barbian, Abwehrchef Niclas Gündel und Flügelspieler Fabian Lohner beenden alle ihre Karrieren. Auch Trainer Jan Sedlacek verlässt das Team. Letzterer sagt: «Der Aufwand ist zu gross. Es ist schwierig, das mit meiner Arbeit zu verbinden. In der 2. Liga möchte ich mir das nicht antun.» Es ist allgemein das Spiel der vielen Abschiede. Auch beim TV Muri kommt es zu einem Abgang (siehe Artikel «Der zweitbeste Skorer geht»). Und das, nachdem die Murianer mit einem guten Spiel vor heimischer Kulisse den HC Mutschellen in die 2. Liga verabschiedet haben. Um noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt zu haben, hätten die Gäste gewinnen müssen.
Ein guter letzter Auftritt
Und die Mutscheller haben alles gegeben, um den Abstieg noch zu verhindern. Rund 40 Minuten lang gestalten sie die Partie ausgeglichen, führen stellenweise, lassen Muri nicht davonziehen. Zur Halbzeitpause trennt die beiden Freiämter Lokalrivalen lediglich ein Tor. Nach 40 Minuten scheint die Luft aber raus zu sein bei den Gästen. «Ich glaube, dass man sehen konnte, dass wir wollen», kommentiert Captain Pascal Baur. «Eine solche Leidenschaft hätten wir viel öfter benötigt in dieser Saison.» Sedlacek: «Es war ein super Spiel von uns. Nach 40 Minuten kommt dann der Einbruch. Wenn alles optimal gelaufen wäre in der Saison, hätten wir vielleicht sogar Chancen auf einen Platz im Tabellenmittelfeld gehabt. Aber wenn so viele äussere Faktoren wie Verletzungen von Leistungsträgern dazukommen, war abzusehen, dass es schwierig werden wird für uns. Das hat sich in diesem Spiel wieder bestätigt.» Trainer und Teamcaptain sind sich einig, dass die Mannschaft alles gegeben hat, um den Abstieg zu verhindern, und die Ausgangslage so schwierig war, dass es ohnehin ein kleines Handballwunder benötigt hätte. So sieht es auch Vereinspräsident Pitsch Müller: «Das Spiel war versöhnlich. Ein guter Auftritt unseres Teams.» Aber ein besserer des Gastgebers, der keine Geschenke verteilt hat.
Vieles in Abklärung
Müller ist jetzt damit beschäftigt, die Weichen seines Vereins für die Zukunft zu stellen. Unter anderem geht es darum, die Säulen des Teams, die jetzt zurücktreten, in anderen Funktionen im Verein zu halten. Pascal Baur hat diesbezüglich schon seine Bereitschaft angedeutet. «Ich möchte eines Tages in den Vorstand und dem HC Mutschellen etwas zurückgeben. Jetzt ist es allerdings noch zu früh. Und wenn all meine Blessuren verheilt sind und es für mich stimmt, kann ich mir gut vorstellen, auch wieder Handball zu spielen, allerdings auf tieferem Niveau.» Eine Möglichkeit wäre die zweite Mannschaft der Mutscheller, die aktuell in der 3. Liga spielt. «Einige der Mitspieler, die aufhören, ziehen das auch in Erwägung. Und mir ist insbesondere das Soziale wichtig. Daher wäre das schon eine Option.»
Und wie geht es mit der ersten Mannschaft weiter? Diese verliert jetzt mehrere Leistungsträger, mehrere Identifikationsfiguren, den Trainer und steigt zudem in die 2. Liga ab. Während man vor einigen Jahren auf dem Mutschellen noch von der Nationalliga B geträumt hat, droht bei der jetzigen Ausgangslage, aus dem Team eine bessere Plauschmannschaft zu werden. Das ist dem Präsidenten auch bewusst, und genau das will er verhindern. «Wir müssen etwas unternehmen. Im Nachwuchs haben wir aktuell sehr viel Erfolg. Unsere Teams entwickeln sich sehr gut. Diesen Spielern gegenüber haben wir eine Verantwortung, ihnen ein Gefäss bieten zu können, in dem sie weiterhin Handball auf einem hohen Niveau spielen können und dazu den Verein nicht wechseln müssen. Das kann sicher nicht eine Plauschmannschaft sein.»
Baur und Sedlacek tönen an, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte. «Wir müssen schauen, wie die Zusammenarbeit mit Wohlen aussieht», ist die Aussage von beiden. Müller bestätigt, dass er im Austausch mit Handball-Wohlen-Präsident Andreas Stierli ist. «Es geht etwas im Hintergrund, aber das ist noch alles so roh, dass es unseriös wäre, mehr dazu zu sagen.» Handballfans in der Region dürfen jedenfalls gespannt sein, in welche Richtung es gehen wird.