Brutale Emotionen
17.03.2026 Sport, HandballRegio Cup, Finalwochenende: Die Teams der Spielgemeinschaften von Wohlen und Mutschellen erleben Auf und Ab
Der Kraken hat geliefert. Die zweite Mannschaft mit Goalie Sascha Rudi bezwingt in einem Krimi-Match den Favoriten aus den eigenen Reihen. Im Final ging dann die ...
Regio Cup, Finalwochenende: Die Teams der Spielgemeinschaften von Wohlen und Mutschellen erleben Auf und Ab
Der Kraken hat geliefert. Die zweite Mannschaft mit Goalie Sascha Rudi bezwingt in einem Krimi-Match den Favoriten aus den eigenen Reihen. Im Final ging dann die Puste aus. Was bleibt, ist Stolz auf der einen Seite – und die Erkenntnis, dass der Aufstieg für das Fanionteam schwierig werden könnte
Stefan Sprenger
Halbfinal unter Freunden. 300 Menschen sind in der Neuhofhalle in Lenzburg dabei. Die SG Wohlen Mutschellen (die erste Mannschaft) prallt auf die SG Mutschellen-Wohlen (zweites Team). Und es kommt wie fast schon angekündigt. Goalie Sascha Rudi fährt seine Tentakeln in der Startphase aus. «Da hat alles gepasst», sagt er. Bei jeder Parade jubelt er fast bis zur Bewusstlosigkeit. «Ich habe es genossen und jeden Moment aufgesogen», erklärt er weiter. Die Leute auf den Rängen sind genauso erstaunt wie seine Teamkumpels. Und wohl erst recht der Gegner, der ziemlich fahrig auftritt. Man wusste, dass der 1,94 grosse Oldie im Tor stark ist, aber er läuft zur absoluten Höchstform auf. Rudi kratzt alles, was auf seine Kiste kommt und nagelt sein Tor zu.
Pomadiger Auftritt wird bestraft
Das Team lässt sich anstecken. Die «Plausch»-Truppe – die im Gegensatz zum Fanionteam deutlich weniger trainiert – schiesst mit voller Wucht los. Die jungen Timo Schneider (8 Tore) und Noah Frenzel (10) sowie Routinier Flavio Galliker (7) spielen sensationell. Die Konsequenz: Nach 22 Minuten steht es 16:6 für die zweite Mannschaft. Die erste Mannschaft, der grosse Favorit, ist schockiert. Ihr pomadiger und überheblicher Auftritt wird abgewatscht.
Aber: Das Team von Trainer Alex Milosevic reisst sich danach zusammen und holt auf. Zur Pause steht es «nur» noch 16:12. Nach 36 Minuten steht es 17:17 und es scheint, als würde das Momentum kippen. In jener Phase zeigt die SG Wohlen Mutschellen, wieso sie auf dem 1. Rang steht und den Aufstieg als klares Ziel gesetzt hat. Doch die SG Mutschellen-Wohlen hält dagegen. Und macht in der Schlussphase mit einer starken Teamleistung den Sack zu. 30:25-Sieg. Die zweite Mannschaft gewinnt. Rudi hat eine starke Abwehrquote von 42 Prozent. «Das war unser bestes Spiel der Saison. Kampf. Wille. Sieg. Eine Riesenleistung von allen», sagt Trainer Oliver Waeckerlin.
Präsident: «Ziel bleibt der Aufstieg in die 1. Liga»
Andreas Stierli, Präsident von Handball Wohlen, sagte im Vorfeld, dass «der Bessere gewinnen soll». Und? «Die zweite Mannschaft hat einen super Match gezeigt und verdient gewonnen. Die Niederlage der ersten Mannschaft ist nicht so tragisch. Das Saisonziel bleibt der Aufstieg in die 1. Liga». Und vielleicht war diese Erfahrung und diese Niederlage ein Schuss vor den Bug im richtigen Moment.
Die Atmosphäre zwischen den Teams ist stets fair und freundschaftlich – auch wenn man auf dem Feld ordentlich zupackt. Die Verlierer gratulieren und der Grossteil der ersten Mannschaft ist einen Tag später auf den Zuschauerrängen anfeuernd dabei, als die zweite Mannschaft den Final gegen Brugg spielt. 600 Menschen sind da. Die SG Mutschellen-Wohlen ist wiederum topmotiviert, führt nach 18 Minuten mit 9:5. Zur Pause sind immer noch die Freiämter in Front (14:13), doch je länger es dauert, desto mehr kippt das Spiel auf die Seite von Brugg. «Uns haben im Final die Körner gefehlt», sagt Rudi (der «nur» noch eine Abwehrquote von 26 Prozent hat). Brugg übernimmt die Führung, spielt es abgeklärt nach Hause. 30:35. Kein Pokal für die SG Mutschellen-Wohlen. Nun sind die Emotionen erneut brutal – aber sie mischen sich mit viel Freude und Stolz. «Die alte Garde. Die jungen Wilden. Es war richtig cool. Wir dürfen trotzdem stolz sein», meint Rudi. Trainer Waeckerlin meint: «Wir haben im Halbfinal körperlich und emotional viel Kraft verbraucht. Und jene Kraft hat uns im Final gefehlt. Dennoch bin ich stolz auf dieses Team.»
Rudi hört auf – aber im Cup will er den Titel noch holen
Routinier Flavio Galliker, der in beiden Spielen eine sackstarke Leistung zeigte und als Leistungsträger voranging, sagt: «Diese Emotionen sind brutal geil. Wir wurden im Vorfeld etwas belächelt. Im Halbfinal wollten wir beweisen, dass wir mithalten können. Ich glaube, das haben wir eindrücklich getan. Dieser Sieg freute mich besonders für unsere jungen Spieler. Im Final hat es Brugg sehr gut gemacht und verdient gewonnen. Uns fehlte ein bisschen der Sprit im Tank.»
Für beide Teams steht nun der Saisonfinal in der 2. Liga an. Für die zweite Mannschaft ist bald Schluss. Mit Sascha Rudi und Kreisläufer Tobias Estermann beenden zwei routinierte Spieler ihre Karrieren. Wobei Rudi weiterhin als Nachwuchstrainer amten wird. Er sagt, dass er zudem im Aargauer Cup stets gerne zwischen die Pfosten steht. «Diese Kulisse war richtig geil. Diese Emotionen gigantisch. Am Samstag nach dem Sieg habe ich Freudentränen vergossen. Und ich will irgendwann noch diesen Titel holen», so Rudi.
Die erste Mannschaft wird ab April in den Aufstiegsspielen zur 1. Liga antreten. Und jene Pleite im Halbfinal soll eine Lehre gewesen sein. Denn so wird es kaum reichen, um die Aufstiegsspiele erfolgreich zu gestalten.
Zwei Titel gehen ins Freiamt
Die Neuhof-Halle in Lenzburg war Austragungsstätte des diesjährigen Finalwochenendes des Regio-Cups Aargau Plus. Bei den Männern und Frauen war das Freiamt jeweils mit zwei Teams im Halbfinal vertreten. Beide Male verpasste man den Titel. Die Männer (SG Mutschellen-Wohlen) verloren gegen Brugg 30:35 (siehe Bericht auf dieser Seite). Bei den Frauen verlor die SG Freiamt II ihren Halbfinal gegen Würenlingen mit 23:28 (11:18). Die SG Freiamt I siegte mit 28:20 gegen Brugg und sicherte sich das Finalticket. Die Wohler Francine Biffiger, einst NLA-Spielerin, beschreibt den Final gegen Würenlingen: «Wir haben die Energie nicht auf das Feld gebracht. Schon in der ersten Halbzeit lagen wir hinten. Und am Ende ist es eine klare Niederlage.» 11:18 heisst es zur Pause, 27:18 am Ende. Würenlingen siegt. «Unser Fokus liegt auf den Aufstiegsspielen. Wir wollen in die 1. Liga. Vielleicht war diese Niederlage ein Weckruf zur richtigen Zeit für dieses Saisonziel.»
Auch die U17-Junioren von Handball Wohlen verlieren denkbar knapp ihren Final mit 26:27 gegen Ehrendingen. Bei den U15-Junioren siegte Handball Wohlen mit 30:20 gegen den TV Muri. Bei den Juniorinnen der Kategorie U14 gewinnt die SG Freiamt gegen Ehrendingen 26:21. So feiert die Handball-Region Freiamt am Ende zwei Titel. --red




