Brasilien ruft
02.04.2026 Sport, FussballFussball, 1. Liga classic: Trainer Piu verlässt den FC Wohlen im Sommer – heute Auswärtsspiel gegen Schlusslicht Old Boys
Seine Zeit beim FC Wohlen ist Ende Mai vorbei. Trainer Piu wird sich im Herbst in Brasilien mehrere Monate eine Auszeit nehmen. «Schweren Herzens», hat sich der 49-Jährige dazu entschieden. Er will in die letzten neun Saisonspiele sauber abschiessen. Ein Nachfolger könnte bald vorgestellt werden.
Stefan Sprenger
2026 hat Piu gleich zwei einschneidende Jubiläumstage zu feiern. 30 Jahre Schweiz und den 50. Geburtstag. Fabricio Nogueira Nascimento – wie Piu mit vollen Namen heisst – kam am 1. August in der Schweiz an. Damals hat er seine Heimat Brasilien verlassen mit dem Traum, Profifussballer zu werden. Das hat er geschafft, bei Waldhof Mannheim, Schaffhausen, Luzern, Kriens – und natürlich dem FC Wohlen. Am 1. Oktober feiert er zudem seinen 50. Geburtstag. Vielleicht haben diese beiden besonderen Tage den letzten Ausschlag gegeben, dass er sich einen tiefen Wunsch erfüllt und zwischen Ende Oktober und Anfang Februar drei Monate eine Auszeit nimmt.
Geht er für immer zurück?
Am Dienstagabend tritt er vor die Mannschaft und erzählt von seinen Plänen. Sein Traineramt beim FC Wohlen beendet er am Ende dieser Saison. «Meine Zeit in Wohlen endet. Schweren Herzens habe ich mich aufgrund meiner privaten Pläne dazu entschieden. Es ist ein Wunsch, der jahrelang tief in mir schlummerte», erklärt Piu. In den letzten drei Jahrzehnten ging er immer nur für zwei bis drei Wochen in seine Heimat Brasilien, um Freunde und die vielen Verwandten zu besuchen. «Nun möchte ich eine längere Zeit gehen. Auch um zu sehen, ob meine Frau Joyce und ich es uns in Zukunft vorstellen könnten, ganz zurück nach Brasilien zu gehen.» Piu will während seiner dreimonatigen Auszeit auch etwas erleben und im Land herumreisen, «denn eigentlich kenne ich vom grossen Land Brasilien nicht wirklich viel». Piu sagt, er habe zwei Orte auf dieser Welt, die er seine Heimat nennt. Pereira Barreto in Brasilien – wo er aufwuchs – und Wohlen im Freiamt.
Was sagen die Spieler?
Die Flüge sind bereits gebucht, die beiden Söhne Leo (beim FC Mutschellen aktiv) und Luca (beim FC Wohlen) sind am Anfang der Reise und über die Weihnachtszeit ebenfalls in Brasilien. Ansonsten werden sie in der Schweiz sein, denn Luca Nascimento wird im Sommer seine KV-Lehre auf der Gemeinde Villmergen beenden, bis Dezember dort weiterarbeiten, bevor er dann ins Militär geht. Leo Nascimento – der ältere der beiden Brüder – macht aktuell sein Praktikum im Kantonsspital Luzern und wird im Sommer seine Physiotherapieausbildung beenden. «Ihr Leben ist zu 100 Prozent hier in der Schweiz. Und das ist auch gut so. Ich selbst fühle mich ebenfalls sehr wohl hier, sonst wäre ich wohl nicht schon seit 30 Jahren hier», meint Piu. Ob er irgendwann wieder ganz nach Brasilien zurückkehrt, lässt er offen. «Wir werden sehen. In den nächsten zwei, drei Jahre wohl nicht.»
Das Team hat die Nachricht mit Bedauern, Verständnis – und wohl auch ein wenig überrascht – entgegengenommen. Captain Alban Pnishi, der Piu seit vielen Jahren kennt und der ziemlich sicher auch nächste Saison noch beim FC Wohlen spielt, sagt: «Es freut mich für ihn, dass er sich seinen Wunsch mit der Auszeit in Brasilien erfüllt. Und es ist auch schade für das Team.» Ähnlich sieht es Bijan Dalvand, dessen Zukunft nächste Saison noch offen ist: «Ich finde es schade, doch in erster Linie freut es mich für Piu. Nun wollen wir ihm einen schönen Abschied bescheren.» Heisst: In den letzten neun Meisterschaftsspielen will man stark auftreten und möglichst viele Siege einfahren. Den ersten heute Donnerstag auswärts gegen Schlusslicht Old Boys Basel (siehe Kasten).
Neun Spiele «Vollgas»
Seit 2023 ist Piu Trainer beim FC Wohlen, das sind total 82 Pflichtspiele (Punkteschnitt 1.27). In den Saisons 2023/24 und 2024/25 erreichte das Team beide Mal den 11. Rang. Jenes Ziel will man natürlich in dieser Spielzeit toppen. So, dass die gemeinsame Reise von Piu und dem FC Wohlen am 30. Mai beim Auswärtsspiel gegen Bassecourt versöhnlich endet. «Ich will die Meisterschaft sauber fertigspielen. Ich will, dass die Mannschaft in den letzten neun Spielen Vollgas gibt und so viel Leidenschaft und Willen zeigt wie in den letzten Heimspielen. Es sind alles gute Jungs mit gutem Charakter. Und sie geben viel Einsatz. Ich hoffe, wir belohnen uns auch dafür mit einem Platz möglichst weit oben in der Tabelle», so Piu.
Wer wird Trainer?
Die Verantwortlichen beim FC Wohlen wussten schon längere Zeit von der Möglichkeit, dass Piu sich eine Auszeit nimmt und nächste Saison nicht mehr Trainer ist. Nun ist es definitiv. Das war auch an der Zeit, damit der FCW die Zukunft sauber aufgleisen kann. Wie es mit Co-Trainer Ivano Rizzo nächste Saison weitergeht, ist offen. In Sachen Trainersuche hat man die Fühler bereits ausgestreckt und es gibt Kandidaten. Sportchef Sergio Colacino sagt: «Wir haben bereits erste Gespräche mit möglichen Nachfolgern geführt. Nach den Ostertagen wissen wir wohl mehr».
Heute gegen das Schlusslicht
Heute Donnerstag (20.15 Uhr) spielt der FC Wohlen auswärts gegen die Old Boys Basel. Das Team steht auf dem letzten Platz (vier Siege, zwei Unentschieden und 15 Niederlagen). FCW-Trainer Piu sagt: «In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Wir dürfen diese Partie keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen.» Zuletzt verloren die Old Boys erst durch ein Gegentor in der Nachspielzeit mit 0:1 gegen Zug. Die Wohler verloren am 18. Oktober 2025 gleich mit 0:4 gegen die Old Boys in der Cup-Qualifikation.
Pnishi länger verletzt
Dem FC Wohlen fehlt Captain Alban Pnishi, der aufgrund eines Muskelfaserrisses rund einen Monat ausfällt. Leihspieler Berdan Senyurt wird vom FC Aarau per sofort zurückgeholt. Er darf ein letztes Mal gegen die Old Boys für den FCW auflaufen. Stefano Cirelli wird dafür erstmals in der Rückrunde wieder im Aufgebot sein. --spr

