Blumiger Abend in der Aula
09.06.2026 Mutschellen, Oberwil-Lieli«Gmeind» Oberwil-Lieli: Alle Geschäfte gutgeheissen
Kaum Diskussionen, viel Applaus und «Standing Ovations»: An der Gemeindeversammlung wurde mit Lob nicht gegeizt. Erst ganz am Schluss kam leise Kritik auf.
Erika ...
«Gmeind» Oberwil-Lieli: Alle Geschäfte gutgeheissen
Kaum Diskussionen, viel Applaus und «Standing Ovations»: An der Gemeindeversammlung wurde mit Lob nicht gegeizt. Erst ganz am Schluss kam leise Kritik auf.
Erika Obrist
«Für das, was jetzt kommt, stehe ich auf», sagte Gemeindeammann Ilias Läber, nachdem seine Ratskollegin und seine Ratskollegen unter dem Traktandum «Verschiedenes» ausführlich aus ihren Ressorts informiert hatten. Er positionierte ein Stehtischchen und sichtete seine Notizen. Dann verabschiedete er Ferdi und Ingrid Koller, die seit 1. September 2006 für die Räume und Aussenplätze der Schulanlage Falter zuständig waren und nun in Pension gehen. Er würdigte die Verdienste des Ehepaars ausführlich. «Sie haben mit Herz, Hand und Verstand gearbeitet», so Läber. Die Zusammenarbeit mit Schule, Vereinen und Gemeinde habe stets vorbildlich geklappt. «Ich konnte Ferdi Koller zu jeder Zeit anrufen – immer hat er den Anruf entgegengenommen.» Läber nannte das Ehepaar Koller «vorbildliche Dienstleister», von deren Engagement alle profitieren konnten. Ingrid Koller sei hauptsächlich für die Innenräume sowie für die Einteilung der Putzhilfen zuständig gewesen, das Reich von Ferdi Koller seien vor allem die Aussenanlagen gewesen. Schule, Vereine, Tagesstrukturen und Gemeinde seien dem Ehepaar zu grossem Dank verpflichtet, sagte Läber. Das sahen die Teilnehmenden an der «Gmeind» ebenso und würdigten das Paar mit Standing Ovations. Es gab Blumen für Ingrid Koller und ein Geschenk für Ferdi Koller. «Wir haben es genossen – und wir bleiben noch etwas hier im Dorf», bedankte sich Ferdi Koller. Er bedauerte nur, dass das Team, das all die Jahre mitgeholfen hat, die Schulanlage in Schuss zu halten, nicht anwesend war an diesem Abend. Vielleicht wird es ja zugegen sein bei der internen Verabschiedung durch Schule und Verwaltung am 3. Juli.
«Es geht uns gut»
Die Versammlung war sehr gut besucht, sodass in der Aula eiligst zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Ob es auch am formidablen Rechnungsabschluss 2025 lag? Ammann Ilias Läber konnte einen Ertragsüberschuss von gut 445 000 Franken präsentieren. «Das ist solide», so sein Fazit. Der Nettoaufwand ist um rund 400 000 Franken gestiegen, der Steuerertrag um gut 600 000 Franken – bei gleichbleibendem Steuerfuss von 48 Prozent. In den Finanzausgleich des Kantons muss Oberwil-Lieli rund 3,2 Millionen Franken abliefern. «Das ist der höchste Betrag pro Kopf aller Aargauer Gemeinden.» Wegen der hohen Investitionen, vor allem in die Sanierung der Ortsdurchfahrt Lieli, resultierte ein Finanzierungsfehlbetrag von rund 570 000 Franken. Wegen der guten Abschlüsse in den Vorjahren brauche man sich deswegen jedoch keine Sorgen zu machen, so Läber. «Es geht uns gut.» Trotzdem werde der Gemeinderat auch in Zukunft die Finanzen nicht aus den Augen verlieren. Die Jahresrechnung wurde einstimmig genehmigt.
Unumstritten waren die Einbürgerungen. Über vier Gesuche für insgesamt sieben Personen hatten die Versammelten zu befinden. Es gab keine Fragen und keine Diskussionen, dafür Blumen für die vier Neu-Schweizerinnen und ein Präsent für die drei Neu-Schweizer.
Planung auf neuen Stand bringen
Viel Geld verschlingt die Generelle Entwässerungsplanung der 2. Generation (GEP 2). Einen Kredit von 820 000 Franken beantragte der Gemeinderat für dieses Vorhaben. Mit dem Geld sollen die bestehende Kanalisation gereinigt und ihr Zustand mittels Kabel-TV erhoben sowie die bestehenden Daten vom GEP 1 aus dem Jahr 2002 aktualisiert werden. Ziele dieser Planung: die Bäche schützen; das Dach- und Strassenwasser nicht in die Kanalisation einleiten; das Kanalnetz so dimensionieren, dass die Rohre auch bei anhaltender Bautätigkeit genügend Durchmesser aufweisen; bestehende Anlagen langfristig erhalten; Investitionen gezielt und wirtschaftlich tätigen. «Voraussichtlich im Jahr 2030 dürfte GEP 2 vorliegen», zeigte sich der zuständige Gemeinderat Stefan Strebel zuversichtlich. Der Kredit wurde einstimmig gesprochen.
Keine Wortmeldung gab es bei der beantragten Erhöhung des Pensums der Schulsozialarbeit von 20 auf 30 Prozent. Das verursache zusätzliche Kosten von gegen 10 000 Franken. Es gebe an der Primarschule im Dorf vermehrt Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf, nannte Gemeinderat Dominik Widmann den Grund für die Erhöhung des Pensums. Die Schulsozialarbeit könne hier unterstützend wirken. Bei vier Nein wurde die Pensenerhöhung grossmehrheitlich bewilligt.
Legislaturziele vorgestellt
Unter «Verschiedenes» stellte Ammann Ilias Läber die sieben Legislaturziele vor, die sich der Gemeinderat gesetzt hat. So will der Rat die Planung des Ausbaus der Turnhalle in eine Dreifachhalle vorantreiben, die Führung und strategische Planung der Kreisschule Mutschellen auf einen guten Weg bringen, die Qualitätsentwicklung an der Primarschule sichern, die Neuorganisation des Werkhofs an die Hand nehmen, die Kundenzufriedenheit bezüglich Bauverwaltung verbessern, eine Lösung bezüglich steigender Asylzahlen anstreben sowie die Mobilfunkabdeckung im Ortsteil Oberwil verbessern. «Letzteres ist ein Evergreen», musste Läber selber lachen.
Der Gemeinderat erhielt viel Lob für seine Tätigkeit. Ganz am Schluss kam doch noch leise Kritik auf. Bemängelt wurde die Situation an der Lunkhoferstrasse ab Unterdorfstrasse bis zum Dorfausgang für die Fussgänger. Dort hat es kein Trottoir und nirgends einen Fussgängerstreifen. Er sei sich bewusst, dass die Strasse dem Kanton gehöre, so der Votant, doch die Gemeinde sei für die Sicherheit zuständig. Man habe sich die Situation schon mehrfach angeschaut, das Anliegen sei deponiert, versicherte Gemeinderat Stefan Strebel – ohne allzu grosse Hoffnung für eine rasche Abhilfe zu machen.
Die Beschlüsse
An der Gemeindeversammlung in der Aula der Schulanlage Falter nahmen 138 von 1927 Stimmberechtigten teil. Sie hiessen alle Geschäfte einstimmig oder mit grossem Mehr gut. 1. Ja zum Protokoll vom 28. November 2025. – 2. Ja zum Rechenschaftsbericht 2025. – 3. Ja zur Jahresrechnung 2025. – 4. Ja zu vier Einbürgerungsgesuchen. – 5. Ja zur Erhöhung des Pensums für die Schulsozialarbeit von 20 auf 30 Prozent. – 6. Ja zum Kredit von 820 000 Franken für den Entwässerungsplan 2. Generation (GEP 2).
Sämtliche Beschlüsse mit Ausnahme der Einbürgerungen unterliegen dem fakultativen Referendum.
--eob

