Bewusst gelebte Wertschätzung
05.05.2026 Arbeit, WohlenAcli: Eindrückliches Gedenken zum «Tag der Arbeit» in der Begegnungsstätte Rösslimatte Dem Namen des Circolo Acli entsprechend, fand sich am 1. Mai eine stattliche Festgemeinschaft in der Begegnungsstätte Rösslimatte ein. Man gedachte des «Tages der ...
Acli: Eindrückliches Gedenken zum «Tag der Arbeit» in der Begegnungsstätte Rösslimatte Dem Namen des Circolo Acli entsprechend, fand sich am 1. Mai eine stattliche Festgemeinschaft in der Begegnungsstätte Rösslimatte ein. Man gedachte des «Tages der Arbeit» in feierlicher Weise. Präsident Franco Narducci freute sich über die illustre Gästeschaft.
Stefan Treier
Die Christliche Vereinigung der italienischen Arbeitnehmer (Acli) pflegt seit Jahren Kontakte zu italienischen wie auch einheimischen Arbeitnehmern. Gleichzeitig bemüht sich der Circolo um gegenseitiges Verständnis der Kulturen, wie auch um Wertschätzung und Respekt gegenüber der Arbeitnehmerschaft. Der Anlass wurde geleitet von Gaetano Vecchio, Acli Aargau, und Franco Narducci, Präsident Acli Wohlen.
Gute Verankerung in Wohlen – behördliche Anerkennung
Don Luigi Talarico hob in seiner Ansprache als Vorsteher der «Missione Cattolica Italiana» den Dank an Gott hervor.
«Viele Menschen, die heute hier sind, haben dazu auch Motivationen.» Die über 120 Anwesenden sprachen unter Don Luigis Leitung ein eindrückliches Gebet im Gedenken an die bei der Arbeit ums Leben gekommenen Menschen.
Frau Vizeammann Sonja Isler-Rüttimann überbrachte die Grussbotschaft des Wohler Gemeinderates. Sie ehrte den gastgebenden Circolo Acli mit den Worten, dass «diese christliche Bewegung von Wohlen nicht mehr wegzudenken wäre». Dabei würdigte sie die soziale Bedeutung und die bewusst gelebte Wertschätzung im konstruktiven Umgang zwischen den Menschen verschiedener Kulturen.
Die Behördenvertreterin setzte sich des Weiteren kritisch mit der im Juni zur Abstimmung gelangenden Vorlage «Keine 10-Millionen-Schweiz» auseinander. Sie sieht darin wirtschaftliche Konsequenzen wie auch das Risiko, dass humanitäre Verpflichtungen nicht mehr wie im bisherigen Rahmen wahrgenommen werden könnten.
Syna, Travail Suisse, Acli
Zu den weiteren Gästen gehörten Giuseppe Rondinelli, Acli Schweiz, Syna-Präsidentin Yvonne Feri, frühere Nationalrätin, und André Rotzetter, Präsident der Arbeitnehmerorganisation «Travail Suisse». Er erwähnte lobend die traditionelle Zusammenarbeit von Travail Suisse, Syna und Acli, die seit Jahren als gemässigte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zusammenarbeiten. Dabei erwähnte er den langjährigen Kampf, mit welchem sie gemeinsam sozialpolitisch unterwegs sind. So wird stets der Dialog gesucht und gemeinsam gepflegt. André Rotzetter befasste sich ebenfalls mit der «10-Millionen-Initiative». Bei deren Annahme sieht er besonders Probleme im Pflegebereich. Bereits heute treten rund jährlich 20 000 Personen aus dem Pflegebereich aus, vorab weil es zeitlich zu aufwendig ist und sie aus gesundheitlichen Gründen am Limit sind. «Wir brauchen die Solidarität des ganzen Kantons.» Er warnte vor Versprechungen der politischen Gegner der 10-Millionen-Initiative.
Auch Yvonne Feri befasste sich mit gewerkschaftlichen Anliegen. Es lohnt sich für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für ihre Rechte zu kämpfen. Sie blickte zurück auf die ersten gewerkschaftlichen Bewegungen, die 1890 in den USA ihre Anfänge nahmen. Damals fanden gar blutige Auseinandersetzungen statt, die bis zur Niederschlagung von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern führten. Es missfällt ihr, dass es in der Schweiz nicht möglich ist, den «Tag der Arbeit» überall in gleicher Weise zu feiern. Es wäre gegenüber der werktätigen Bevölkerung ein Zeichen der Wertschätzung, bestünde eine einheitliche Regelung. Letztlich geht es darum, die Zeit für Arbeit und Freizeit für die Werktätigen fair und gerecht einzuteilen.
Sich daran erinnern, «woher wir kommen»
Acli-Präsident Franco Narducci hob am Fest der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer soziale Aspekte hervor. «Wir wollen uns bewusst sein, woher wir kommen und wohin wir gehen.» In der Schweiz, die für alle gut funktioniert, sollen Schwerpunkte für die Zukunft gesetzt werden. Es gehe um die soziale und wirtschaftliche Sicherheit aller Menschen, die Fragen haben und klare Antworten verdienen. Die Arbeit muss für alle Arbeitnehmenden kompatibel für Gesundheit und Familien sein.
Narducci hob auch die gute Verankerung der italienischstämmigen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in der Schweiz hervor. Die Gleichstellung der Geschlechter noch nicht vollumfänglich in die Arbeitswelt eingedrungen, weshalb hier noch Verbesserungen wünschbar sind. Rund die Hälfte der hier lebenden Italienerinnen und Italiener dürfte im Laufe der Zeit auch das Schweizer Bürgerrecht erhalten haben – dies sind gute Fortschritte einer erfolgreichen Integration.
Schliesslich blickte Gaetano Vecchio zurück auf die erste Zeit der italienischen Arbeitskräfte in der Schweiz, die es als Saison-Arbeitskräfte nicht immer leicht hatten. Die fehlende Integration und die Zeit des Lebens in Baracken sind nicht so schnell zu vergessen. Die humanitären Aspekte werden heute anders eingestuft. Giuseppe Rondinelli fand schliesslich als Vertreter von «Acli Argovia» würdigende Worte für die bestehende gute Zusammenarbeit unter den Gewerkschaften.
Im Anschluss an den festlichen Abend sass man bei einer gemütlichen «Cena» beisammen und pflegte den freundschaftlichen Austausch – Italiener und Schweizer gemeinsam, sichtlich zur Freude aller Anwesenden.


