Beflügelt zum Aufstieg
28.04.2026 Sport, HandballDie SG Wohlen Mutschellen feiert vor 500 Zuschauern die Rückkehr in die 1. Liga
Die Erwartungshaltung hoch, der Druck gross, die Halle voll. Doch die SG Wohlen Mutschellen liefert ab. Der Gegner aus dem Fricktal kann nur in der Startphase mithalten. Erneut gewinnt ...
Die SG Wohlen Mutschellen feiert vor 500 Zuschauern die Rückkehr in die 1. Liga
Die Erwartungshaltung hoch, der Druck gross, die Halle voll. Doch die SG Wohlen Mutschellen liefert ab. Der Gegner aus dem Fricktal kann nur in der Startphase mithalten. Erneut gewinnt das Team mit drei Toren Vorsprung (31:28) und feiert den Erfolg ausgiebig.
Stefan Sprenger
Ein Backhand-Zauberpass auf Kreisläufer Joshua Schmid. Ein Hammerschuss in den Winkel. Oder ein tänzelnder Durchbruch – inklusive Torerfolg. Der 18-jährige Elias Matrascia läuft in diesem grossen Spiel zur Höchstform auf. Auf der Tribüne jubeln die Eltern. Seine Mama Stefanie und sein Papa Filippo Matrascia spielten einst in den Fanionteams von Wohlen – und feiern auch Aufstiege. An diesem 25. April 2026 jubelt Elias Matrascia, KV-Lehrling bei der AKB in Wohlen. «Wow. Diese Stimmung war unglaublich. Die Fans haben uns beflügelt. Wir hatten die ganze Halle im Rücken, das war einfach geil», sagt Matrascia nach dem Match.
Koch brilliert in der Startphase
Natürlich sei man auch nervös gewesen, denn es stand viel auf dem Spiel. «Aber wir wussten, was wir draufhaben. Und wir haben als Team abgeliefert», so der fünffache Torschütze.
Mit drei Toren Vorsprung aus dem Hinspiel (32:29) geht man in dieses entscheidende Aufstiegsspiel. Die Parkplätze rund um die Hofmattenhalle in Wohlen sind voll, ebenso die Halle. 500 Menschen sind da, erleben eine lautstarke Atmosphäre, wie es sie noch nie in dieser Sporthalle gegeben hat. Und die SG Wohlen Mutschellen startet zittrig. Im Angriff läuft es zwar von Beginn an ordentlich, dafür hat man das Tempospiel des Gegners kaum im Griff. Erzielen die Freiämter ein Tor, scheppert es meist wenige Sekunden später nach einem schnellen Konter auf der anderen Seite. Dank Torhüter Dario Koch geht diese Startphase glimpflich aus. Der Waltenschwiler Koch – dessen Vater Frank mit Wohlen einst ebenfalls als Goalie Aufstiege feierte – zeigt neun seiner total elf Paraden in der Startviertelstunde. Sackstark. So bewahrt er sein Team vor einem Rückstand. Ein passendes Beispiel. 10. Minute: ein sensationeller «No-Look»-Pass von Spielmacher Amer Zildzic auf Kreisläufer Joshua Schmid. Ein Sahnetor. 6:5 für die SG Wohlen Mutschellen. Die SG Möhlin Fricktal ist Bruchteile nach dem Anwurf allein vor dem Kasten – aber Koch pariert. Auch Trainer Alex Milosevic meint: «Koch war in der Startphase hervorragend und hat uns davor bewahrt, dass wir hinten liegen.»
Ruhig geblieben trotz Rot
Die SG Wohlen Mutschellen ist in diesem Spiel nicht einmal im Rückstand. Zur Pause steht es 14:10. Es sieht gut aus. Der zweite Durchgang startet mit einem Schock. Joshua Schmid trifft seinen Gegenspieler im Gesicht. Rot. Platzverweis. Doch das Heimteam lässt sich nicht aus der Ruhe bringen – und es folgt die Entscheidung. Abwehrboss Damian Biffiger und seine Mannen machen hinten dicht. Und vorne zeigen die Freiämter ihre Offensiv-Power. Ivan Milicevic (8 Tore) verwertet jeden Schuss, Elias Matrascia (5) wirbelt, Björn Staubli zaubert (4) und Amer Zildzic (7) hat die Fäden in der Hand. Das Team agiert als Einheit. Am Ende ist es ein ungefährdeter 31:28-Sieg.
Der 36-jährige Zildzic sagt: «Boah. Geschafft. Endlich. Wir hatten die ganze Saison dieses klare Ziel: aufsteigen. Der Druck war gross. Zu Beginn des Spiels haben wir eine kurze Zeit gebraucht, um die Bremse zu lösen. Danach sind wir Richtung Sieg und Aufstieg gerollt. Und das souverän. Ich hatte keine Sekunde Angst, dass wir dieses Ding hier noch verlieren könnten. Und jetzt haben wir es geschafft. Ich würde sagen sehr verdient. Jetzt gehen wir feiern.» Und das tut das Team. Kurz in der Halle, lang in der «Zanzibar». Der junge Elias Matrascia meint: «Und nächste Saison wollen wir weiterhin zeigen, was wir draufhaben. Hoffentlich wieder vor voller Halle.»
«Er dachte, ich sei Jürgen Klopp»
Alex Milosevic, Trainer der SG Wohlen Mutschellen, lobt das Team und blickt in die Zukunft
Das Team hat sich akribisch auf das zweite Aufstiegsspiel vorbereitet. «Vom Gegner kam aber überraschend wenig», sagt der 60-Jährige – fast ein wenig enttäuscht. Er selbst feierte nur kurz, «weil ich total kaputt war».
«Die Vorbereitung war auf NLA-Niveau», sagt Alex Milosevic. Der frühere Profihandballer, NLA-Coach und Frauentrainer des Jahres (2023) hat sein Team gemeinsam mit dem Trainerstaff «sehr seriös und akribisch» auf das Rückspiel gegen die SG Möhlin Fricktal vorbereitet. «Wir waren gewappnet, haben viel Zeit investiert, damit wir für alle Fälle eine Lösung bereit gehabt hätten.» Doch die Fricktaler haben kaum taktische Mittel genutzt, machten kaum Anpassungen in der Abwehr und im Angriff – und haben somit auch kaum darauf reagiert, dass sie stets in Rückstand waren. «Vom Gegner kam überraschend wenig», sagt auch Milosevic. «Zwischen der 35. und 45. Minute haben wir diesen Match endgültig entschieden. Es ist ein verdienter Sieg.»
«Ein Schluck und betrunken»
Vor dem Spiel spürte er eine grosse positive Anspannung. Während des Spiels blieb er äusserlich gelassen, innerlich nervös. Nach dem Schlusspfiff fällt auch von seinen Schultern viel Druck. «Ich habe einen Schluck Bier getrunken und war schon betrunken. Ich war danach kaputt», sagt der 60-Jährige. Also ging er nach Hause nach Bern und versuchte zu schlafen. «Das klappte erst morgens um 3 Uhr», wie er sagt. Milosevic möchte sich beim «fantastischen Publikum bedanken». Und auch beim Vorstand von Handball Wohlen und dem HC Mutschellen. «Sie hatten die Strategie und den Plan. Wir haben ausgeführt.»
Abmachung mit FC Wohlen
Milosevic: «Ziel erreicht. Dieser Aufstieg war wichtig für die jungen Spieler, für eine bessere Gliederung unserer SG-Teams, für die Vereine, ja die ganze Region. Wir haben nun mehr Möglichkeiten.» Nach dem Spiel hatte er tolle Begegnungen, darunter mit einem Verantwortlichen des FC Wohlen. «Der Fussballer dachte, ich sei Fussball-Ikone Jürgen Klopp», so Milosevic. Nächste Saison werden die Handballer gemeinsam an ein Spiel des FC Wohlen gehen – und umgekehrt. Eine von vielen schönen Geschichten an diesem besonderen Aufstiegstag.
--spr





