Sieben Tage, sechs Nächte

  17.07.2026 Mutschellen

Bis an ihre Grenzen

Eine besondere Expedition führte die Freiämterin Alejandra Hasler durch

Einmal aus seiner Komfortzone kommen – das wagte kürzlich Alejandra Hasler. Die junge Frau wanderte auf dem West Highland Way in Schottland.

Nach ihrer längsten Etappe hat Alejandra Hasler um 23 Uhr ihr Zelt aufgestellt und isst um 23.30 Uhr. Am nächsten Morgen ist ihr übel. Sie überlegt sich, ihre Wanderung abzubrechen, entscheidet sich aber dagegen – und erlebt danach bis zum Ziel eine wunderbare Zeit. Zu Fuss nimmt sie die Berge, Wälder, Wiesen und Seen Schottlands ganz intensiv wahr. Hasler geniesst die Weitsicht und das Abenteuer. Am letzten Tag regnet es so stark, dass all ihre Kleider durchnässt sind.

Nach einem letzten Kraftakt hat sie die 154 Kilometer geschafft und ist überglücklich.

«Spinnst du?», waren die Reaktionen ihres Umfelds, als Alejandra Hasler im Vorfeld von diesem Vorhaben erzählte. «Vielleicht stimmt es, dass ich etwas verrückt bin. Aber jetzt weiss ich, dass es sich gelohnt hat.» Hasler suchte eine Möglichkeit, mit dem Zelt unterwegs zu sein und spontan zu übernachten. Etwas, was in der Schweiz mit vielen Verboten verbunden ist. Der West Highland Way von Glasgow nach Fort William bot ihr die Gelegenheit dazu. Und noch viel mehr. Die junge Frau ist jetzt vom Outdoor-Fieber gepackt. --red


Die Freiämterin Alejandra Hasler auf besonderer Expedition in Schottland

Sie liebt die Natur und das Zelten. Weil dies in der Schweiz nur eingeschränkt möglich ist, wagte Alejandra Hasler das Abenteuer. Sie erwanderte innert einer Woche 154 Kilometer des West Highland Ways. «Es war unvergesslich – aber auch sehr herausfordernd», sagt die 36-Jährige.

Stefan Sprenger

Die Reaktion ihres Umfelds war meist dieselbe. «Bist du alleine? Spinnst du?» Doch Alejandra Hasler liess sich nicht davon abkriegen, ihren Plan in die Tat umzusetzen. «Viele sagten, ich sei ein bisschen verrückt», sagt sie lachend. Heute – wenige Tage nach ihrer Rückkehr von der besonderen Wander-Expedition in Schottland – sagt sie: «Vielleicht bin ich auch ein wenig verrückt. Aber es hat sich so was von gelohnt.»

Viele Verbote in der Schweiz

Die 36-jährige Alejandra Hasler, die in Berikon und Zürich aufgewachsen ist, wohnt mittlerweile mit ihrem Partner in Höngg und arbeitet als biomedizinische Analytikerin. Den Bezug zum Mutschellen hat sie nach wie vor. Ein Teil ihrer Familie lebt auch heute noch in Berikon. Erwähnenswert: Ihre Schwester ist Melanie Hasler, die Bob-Europameisterin von 2026 und zweifache Olympionikin. «Sie ist eine Inspiration», sagt Alejandra. Das ist sie selbst allerdings auch.

Denn es gibt sicherlich einige Menschen, die solch ein Abenteuer auch gerne machen würden, sich aber vielleicht nicht getrauen. «Ich wollte es unbedingt», sagt sie. Der Hauptgrund ist die Liebe zur Natur. «Mit meiner Familie gingen wir oft in der Schweiz wandern. Irgendwann kam das Zelten in der freien Natur hinzu.» Als erwachsene Frau bleibt die Passion. Hasler ist oft draussen und liebt es zu campieren. «Das Zelten in der Natur ist aber in der Schweiz mit vielen Verboten verbunden. Wild-Campen ist schwierig.»

Sie fing an zu recherchieren und stiess auf den West Highland Way in Schottland. Ein Fernwanderweg von Milngavie bei Glasgow nach Fort William. Länge: 154 km. Im Mai entschied sie sich, es durchzuziehen, und fing mit der Planung an. Drei Wochen später sass sie schon im Flugzeug. «Die Vorbereitung war intensiv. Viele Fragen tauchten auf. Wieso darf man keine Wanderstöcke ins Flugzeug nehmen? Welchen Schlafsack nehme ich mit? Was esse ich?» Hasler wusste: Jedes Gramm, das man zu viel mitschleppt, zählt. Beim Start wiegt ihr Rucksack 11 kg. «Es fühlte sich am ersten Tag nach mehr an», sagt sie lachend.

Dem Körper zu viel zugemutet

An jenen ersten Tag, als sie mit der langen Wanderung startet, erinnert sie sich bestens. «Plötzlich stand ich am Start und fragte mich, ob die wochenlange Planung auch wirklich aufgehen würde.» Auch der zweite Tag ist schwierig. Am dritten Tag folgt die längste Tageswanderung von 32 Kilometern. Abends um 23 Uhr steht ihr Zelt, um 23.30 isst sie. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist ihr durch die grossen Anstrengungen und das späte Abendessen übel. Grosse Zweifel kommen hoch. «Ich habe dem Körper etwas zu viel zugemutet», sagt sie. «Ein kritischer Moment. Ich habe kurz überlegt, die Übung abzubrechen.» Doch nur wenige Stunden später ist die Übelkeit weg, ihre Stimmung heiter. «Alles wie weggeblasen. Die restlichen Tage lief alles rund und ich erlebte eine wunderbare Zeit», sagt Hasler.

Bergauf, bergab, geradeaus. Wälder, Wiesen, Berge, Weitsicht – und herrliche Seen («Loch» genannt). Die Landschaft der schottischen Highlands hat viel zu bieten. «Das Freiheitsgefühl. Das wilde und autarke Leben. Das Wandern. Das Zelten in der freien Natur. Die Herausforderungen überwinden. «Sorry, vielleicht werde ich jetzt ein wenig philosophisch, aber ich fühlte mich einfach näher am Leben.» Wichtig waren plötzlich ganz grundlegende Dinge. Wo gibt es Wasser? Habe ich genug Essen dabei? Wo ist ein sicherer Ort, um das Zelt aufzustellen? Bin ich vor Wind genug geschützt oder werde ich in der Nacht frieren?» Für die Navigation hatte sie eine GPS-Uhr, «die aber selten Akku hatte», und ihr Smartphone, «das ich selten nutzte». In der letzten Nacht – kurz vor dem Ziel – gab es eine Sturmwarnung. «Davor hatte ich ordentlich Respekt. Ich war der Natur komplett ausgeliefert. Ich habe am Abend sogar mein Zelt nochmals abgebaut und todmüde an einem anderen Ort, der strategisch sicherer war, nochmals aufgebaut.» Doch auch das hat sie geschafft. Am letzten Tag regnet es so stark, dass all ihre Kleider völlig durchnässt sind. «Das gehört auch zu Schottland», meint sie. Nach 154 Kilometern hat sie den West Highland Way geschafft.

Ihr Fazit: «Es war einfach schön. Schottland hat so viele tolle Facetten – und alle sieht man auf diesem langen Weg. Hinzu kommt auch der mentale Aspekt. Man muss sich selbst vertrauen, sonst klappt das nicht», sagt Hasler. Sie hat regelmässig Bilder und kurze Geschichten dazu in den sozialen Medien veröffentlicht. «Es war eigentlich als virtuelles Tagebuch für mich vorgesehen. Doch ich habe enorm viele Reaktionen erhalten», sagt Alejandra Hasler. Allesamt waren nur positiv. Und viele Menschen meinten, dass sie auch von solch einer Wanderung träumen. Alejandra Hasler ist nun vom Outdoor-Fieber gepackt und plant in Zukunft eine weitere Wanderreise. Sie soll noch länger sein. Doch konkret ist noch nichts. Ausser etwas: «Hauptsache, ich schlafe wieder unter freiem Sternenhimmel.»


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