Bald wieder Asylunterkunft
31.10.2025 Bremgarten, Kantonnutzt GSS unter der Bärenmatt ab 2026 zur Unterbringung von Familien
Vor einem Jahr hat das Bunkersystem unter dem Alterszentrum dem Bund als temporäre Asylunterkunft gedient. Nun macht der Kanton von seinem Mietrecht Gebrauch. Ab Januar 2026 werden wieder ...
nutzt GSS unter der Bärenmatt ab 2026 zur Unterbringung von Familien
Vor einem Jahr hat das Bunkersystem unter dem Alterszentrum dem Bund als temporäre Asylunterkunft gedient. Nun macht der Kanton von seinem Mietrecht Gebrauch. Ab Januar 2026 werden wieder Menschen hier einquartiert.
Marco Huwyler
In den letzten Monaten war die Situation für Bremgarten komfortabel. Obwohl die geschützte Notschlafstelle (GSS) unter der Bärenmatt seit Ende Januar keine Geflüchteten mehr beheimatet, wurde dem Bezirkshauptort die theoretische Kapazität der Räumlichkeiten auf sein Pflichtkontingent an Flüchtlingen angerechnet. Der Grund: Ab Anfang April hatte der Kanton den Mietvertrag für ein temporäres Asylzentrum unter der Bärenmatt zwar vom Bund übernommen (welcher hier von September 2024 bis Januar 2025 eine Bundesasylunterkunft betrieb), auf eine Unterbringung von Geflüchteten hat man vorerst aber verzichtet. Die Unterkunft in Bremgarten behielt der Kanton vorerst bezugsbereit in Reserve – für den Fall, dass die Asylzahlen wieder merklich ansteigen sollten (vgl. «BBA» vom 28. Januar).
Die Zahlen steigen wieder
Genau dies ist nun aber offenbar der Fall. Die Zuweisungen an den Kanton durch das Staatssekretariat für Migration (SEM) steigen seit August 2025 wieder an. «Waren es im Juli dieses Jahres noch 4,6 Personen pro Tag, waren es im August 5,2 und im September bereits 9,4», schreibt der kantonale Sozialdienst (KSD). Aus diesem Grund hat der Kanton beschlossen, ab 2026 eine zusätzliche unterirdische Notunterkunft in Betrieb zu nehmen – diejenige in Bremgarten. Ab Januar sollen hier in der GSS unter der Bärenmatt geflüchtete Familien untergebracht werden.
Quartier für mehrere Wochen
«Das war leider unvermeidlich», sagt Stephan Alexander, Leiter Asyl beim KSD. «Wir sind in einer Notlage – die oberirdischen Unterkünfte sind aktuell schlicht voll.» Weil den Verantwortlichen bewusst ist, dass eine Unterbringung in der Bunkeranlage – gerade für Familien – alles andere als optimal ist, will man den Aufenthalt hier möglichst kurz halten. «Wir werden die Menschen sicher so rasch als möglich in oberirdische Unterkünfte umverteilen.» Dennoch sei es angesichts der Lage wohl unvermeidlich, dass die Familien mehrere Wochen in der Bremgarter GSS verweilen. Durch gestalterische Massnahmen – wie ein Abtrennen der grossen Schlafzimmer mit Vorhängen – sollte ein Mindestmass an Privatsphäre gewährleistet sein. «Zudem werden wir, wenn immer möglich, darauf verzichten, die Kapazität auszulasten», sagt Alexander. Theoretisch ist die Unterkunft in Bremgarten für 120 Personen ausgelegt. «Ich gehe momentan davon aus, dass wir nur rund die Hälfte ausschöpfen.» Also werden unter der Bärenmatt gegen 60 Personen gleichzeitig einquartiert sein.
Aus der Ukraine?
Woher diese Menschen stammen, ist momentan noch schwierig abzuschätzen. Möglich wären etwa «die Ukraine, Afghanistan, oder auch die Türkei» – doch das sei momentan ein Mutmassen, meint Alexander. «Es hängt alles von den Entwicklungen der nächsten Wochen ab.» Fakt ist aber, dass die Ukraine nach wie vor die mit Abstand grösste Flüchtlingsgruppe im Aargau stellt. Von 9655 Personen, die Anfang Oktober in kantonalen Notunterkünften untergebracht waren, stammen 5565 aus der Ukraine. Und ein Ende des russischen Angriffskrieges ist bekanntlich leider nach wie vor nicht absehbar. Deshalb ist es gut möglich, dass auch die in Bremgarten einquartierten Familien aus dem kriegsgeplagten Land stammen werden.
Schulen wohl nicht tangiert
Vorgesehen ist, dass die schulpflichtigen Kinder, welche unter der Bärenmatt einquartiert werden, von hier aus einen Einschulungsvorbereitungskurs in Wettingen besuchen. «Dieser dauert rund ein halbes Jahr», sagt Alexander. Danach werden die Kinder in den Schulbetrieb eingegliedert. «Es ist aber äusserst unwahrscheinlich, dass jemand so lange in der Notunterkunft wohnt, bis das der Fall ist.» Ein Anstieg der Bremgarter Schülerzahlen aus dem Asylbereich ist deshalb nicht zu erwarten.
Die Betreuung der Menschen unter der Bärenmatt erfolgt gemäss KSD «rund um die Uhr» und wird vom darauf spezialisierten Dienstleister Convalere AG sichergestellt. Dieser soll auch dafür sorgen, dass die Geflüchteten sich adäquat beschäftigen können. Der Kanton wird zudem eine Begleitgruppe einrichten, in der Anwohner und Freiwillige sich einbringen können, um den in Bremgarten Stationierten den Aufenthalt hier zu erleichtern.
Vorerst unbefristet
Wie lange die GSS als Notunterkunft benötigt wird, ist momentan noch schwer abzuschätzen. Asylbereichsleiter Alexander geht momentan von «rund einem Jahr» aus. «So lange wie nötig – aber so kurz wie möglich.» Der Mietvertrag läuft vorerst unbefristet. Wie es mit der Asylunterkunft weiterginge, wenn bald das Umbauprojekt des Alterszentrums in Angriff genommen würde (vorgesehen war dieser Start einst für Sommer 2026), ist noch nicht abschliessend festgelegt. Grundsätzlich wäre aber ein paralleler Betrieb zu Bauarbeiten möglich, sagt Alexander. Auch wenn alle Beteiligten hoffen, dass dies nicht nötig sein wird
– und sich die Asylzahlen bald wieder abschwächen.

