Auf den Spuren von Grossen
17.09.2024 BremgartenEin ganz besonderer Preis
VHS-Präsident und Bez-Lehrer Reto Hugenberg ausgezeichnet
Mit seinem Nachlass wollte der vermögende Bremgarter Joseph Ducrey einst aussergewöhnliche Pädagogen belohnen. Daraus entstand der ...
Ein ganz besonderer Preis
VHS-Präsident und Bez-Lehrer Reto Hugenberg ausgezeichnet
Mit seinem Nachlass wollte der vermögende Bremgarter Joseph Ducrey einst aussergewöhnliche Pädagogen belohnen. Daraus entstand der Stifterpreis, der Lehrer auszeichnet, die im Städtli Spuren hinterlassen. Nach fünf Jahren wurde er nun wieder einmal verliehen.
Marco Huwyler
Reto Hugenberg konnte es kaum glauben, als er das Schreiben vor einigen Wochen erhielt. Umso mehr, als er danach Recherchen anstellte und dabei von der Historie der Auszeichnung erfuhr, die er nun erhalten sollte. Denn den Stifterpreis aus dem Ducrey-Fonds erhält nicht irgendwer. Alle bisher Ausgezeichneten liessen oder lassen tiefe Spuren zurück in Bremgarten.
Doch mit seinem Engagement als Lehrer für die Bremgarter Bezirksschule und Präsident der Volkshochschule hat sich Hugenberg die Ehrung verdient. Denn auch er hat viel bewirkt in der Bildungslandschaft Bremgartens in den vergangenen Jahren. Bei Kindern und Erwachsenen. Zu diesem Schluss kamen auch die Stiftungsräte des Ducrey-Fonds. Im traditionell kleinen Kreis wurde Hugenberg daher am Freitagabend am Ort seines Wirkens, dem Bremgarter Stadtschulhaus, der Preis aus der Stiftung verliehen. Danach wurde auch noch der langjährige Stiftungspräsident Peter F. Oswald verabschiedet.
Nachlass zugunsten der Kinder und Lehrer Bremgartens
Namensgeber der Stiftung ist Joseph Ducrey. Der ehemalige Bremgarter Hausarzt starb 1892. Weil ihm «des Lenkers Schicksal» keine direkten Erben mehr liess, vermachte er sein grosses Vermögen der Stadt Bremgarten. Seither wird es von der Ducrey-Stiftung verwaltet, die seit über hundert Jahren amtet und deren Aufgabe es ist, die Gelder Ducreys in seinem Sinne einzusetzen. Nutzniesser sollen gemäss Erblasser vorab die Lehrer der Bezirksschule Bremgarten sein. Ursprünglich mit Lohnzuschüssen für herausragende Arbeit. Seit mittlerweile 65 Jahren aber mit einem unregelmässig verliehenen Preis für grosse Verdienste, die über die Schule hinausgehen.
Reto Hugenberg mit Stifterpreis aus dem Ducrey-Fonds ausgezeichnet
Am Freitag wurde im Stadtschulhaus ein ganz besonderer Preis verliehen. Volkshochschulpräsident und Bezirksschullehrer Reto Hugenberg nahm den Stifterpreis des Ducrey-Fonds entgegen. Eine Ehre, die im Städtli nur wenigen Auserwählten zuteil wird.
Marco Huwyler
Zu seiner Zeit, im 19. Jahrhundert, war der Arzt Joseph Ducrey einer der reichsten Bremgarter überhaupt. Nach heutigen Massstäben besass er ein Millionenvermögen. Wobei er dieses nicht seiner hochgeschätzten Tätigkeit als Bremgarter Hausarzt verdankte, sondern seinem Näschen für den Liegenschaftshandel. Zu seinem grossen Bedauern und Schmerz, besass Ducrey aber keine direkten Nachfahren. Sein erstes Kind starb kurz nach der Geburt; das zweite ertrank mit 17 beim Baden in der Reuss. Und auch die geliebte Ehefrau Katharina starb früh. Deshalb spendete der Idealist mit grossem Herzen sein Vermögen nach seinem Ableben der Stadt Bremgarten. Freilich nicht einfach so. Ducrey formulierte in seinem Testament haargenau, wofür sein Geld verwendet werden darf. Er, der es erlebte, wie täglich viele Kinder auf den Bremgarter Gassen sich selbst überlassen waren, wollte einen Kindergarten, gegründet und geführt von Ordensschwestern, betreiben lassen. Und: gute Lehrkräfte belohnen, die sich in der Förderung des Städtli-Nachwuchses hervortaten. Sein Vermögen sollte verwendet werden, um jenen Bezirksschullehrern den Lohn aufzubessern – wobei nur «Männer mit unbescholtenem Charakter» infrage kamen.
Nicht regelmässig vergeben
Heute, über 130 Jahre nach Ducreys Tod 1892, ist immer noch Geld in der Kasse des Ducrey-Fonds. Doch mittlerweile wurden Kindergärten zur Staatsaufgabe und auch regelmässige selektive Lohnzuschüsse für Lehrer aus einem Privatvermögen sind aus der Zeit gefallen. Deshalb wurde der Verwendungszweck des Stiftungsgeldes umgewandelt. Seit 1959 wird unter anderem ein Preis daraus verliehen. Er geht an Lehrpersonen, die sich über die Schule hinaus verdient gemacht haben in Bremgarten. Den Stiftungspreis vergibt der Ducrey-Fonds nicht leichtfertig. Man bindet sich an keinen Turnus, der einen zwingt, regelmässig jemanden auszuzeichnen. Die Auszeichnung erhält man nur, wenn der Stiftungsrat zur Auffassung gelangt, dass sich mal wieder jemand dieser Ehren wert gemacht hat. Mit 5000 Franken ist der Preis dotiert.
Eine Gabe zu unterrichten
Peter Ducrey dürfte gewiss erfreut darüber gewesen sein, wer von seinem Nachlass einen Zustupf für sein Konto erhält. Am Freitagabend wurde der Stifterpreis an den Bremgarter Bez-Lehrer und VHS-Präsidenten Reto Hugenberg vergeben für seine Verdienste in der Kinder- und Erwachsenenbildung Bremgartens. Er ist der erste Preisträger seit der Auszeichnung von Fridolin Kurmann vor fünf Jahren.
«Du bist ein Workaholic im positiven Sinne. Zugunsten der Schule und der Allgemeinheit», sagte Laudatorin und Weggefährtin Myriam Rufer Staubli in ihrer warmen Ansprache. Hugenberg sei ein umsichtiger und herausragender Pädagoge mit der Gabe, etwas spannend zu unterrichten. «Deshalb geniesst du auch ein so hohes Ansehen bei allen Eltern – und deinen Schülerinnen und Schülern.» Hugenberg sei ein Lehrer aus Leidenschaft. «Dein Engagement geht weit über das Normale hinaus.» Insbesondere zeichne Hugenberg auch die Fähigkeit aus, auf Kinder individuell einzugehen und jedes so zu nehmen und zu fördern, wie es ihm entspricht. Deshalb hat Rufer Staubli sich auch bei der Schülerschaft umgehört, «schliesslich sind sie die bestmögliche Referenz». Und die Teenager geizten nicht mit Lob: «Spannender, packender Unterricht», «interaktiv und hilfsbereit», «man lernt noch mehr als nötig», «immer gut gelaunt und lustig», «wir müssen bei ihm keine Angst haben, Fehler zu machen», «guter Erzähler, freudiger Mensch».
Doch nicht nur für sein Engagement als herausragender, beliebter Lehrer wurde Hugenberg geehrt. Sondern insbesondere auch für seine Verdienste als VHS-Präsident. Unter seiner Ägide ist die Bremgarter Volkshochschule in den letzten sieben Jahren sukzessive gewachsen, floriert und steht heute so vielfältig und gut da wie noch nie. «Das verdanken wir vor allem deinem riesigen Engagement und unerschöpflichen Einfallsreichtum», sagte Rufer Staubli der VHS-Vorstandskollegin Hugenbergs. «Du hast dir die heutige Auszeichnung mehr als verdient.»
Gerührt und überrascht
Der frisch gekürte Ducrey-Stifterpreisträger gab sich angesichts dieser überschwänglichen Worte gerührt. «Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich zum ersten Mal davon gehört habe, dass ich heute ausgezeichnet werden soll», sagte Reto Hugenberg nach der Preisübergabe. «Es ist umso schöner, weil ich für etwas geehrt werde, das ich wirklich leidenschaftlich gerne mache», sagte der Lehrer. «Kinder, Schule und Bildung liegen mir sehr am Herzen.»
Ducreys Erbe finanzierte auch Wettersäule
Hugenberg ist der insgesamt 17. Bremgarter, der den renommierten Ducrey-Stifterpreis erhält (siehe auch Box). Wann der nächste verliehen wird, steht in den Sternen. Jährlich versammelt sich der Stiftungsrat, um über allfällige Kandidaten zu debattieren. Heute verfügt der Ducrey-Fonds noch über ein Vermögen von rund 200 000 Franken. Ein beträchtlicher Teil des Erbes des «Bremgarter Doktors» ging bereits beim Zusammenbruch der Bremgarter Stadtkasse 1903 verloren. Dennoch wurde auch seither viel Gutes mit dem Stiftungsvermögen bewirkt und gefördert.
Wobei der testamentarische Wille des Erblassers teilweise ziemlich gedehnt ausgelegt wurde. So wurde beispielsweise die Bremgarter Wettersäule, die heute beim Obertor neben dem Spittelturm steht, einst 1903 aus dem Nachlass Ducreys finanziert. Mit der Begründung, dass diese als Lehrgegenstand neben dem Stadtschulhaus für den Unterricht von Kindern tauge. Dass sich solcherlei heute noch wiederholen könnte, ist gemäss dem neuen Präsidenten Reto Jäger aber ziemlich unwahrscheinlich. Und so reicht Ducreys Hinterlassenschaft vermutlich noch zur Ehrung vieler grosser Bremgarter und Bremgarterinnen. Pädagogen, die es verdienen, Eingang in die illustre Liste der Preisträger zu finden. Pädagogen, wie es Reto Hugenberg einer ist.
Lang jähriger Präsident verabschiedet
Peter F. Oswald war 45 Jahre lang Stiftungspräsident
Die diesjährige Preisübergabe diente dem Stiftungsrat des Ducrey-Fonds auch als Anlass für eine ehrenvolle Verabschiedung. Peter F. Oswald wurde nach 45 Jahren als Stiftungsratspräsident verabschiedet. «Mit deinem Rücktritt geht ein bedeutendes Stück Ducrey-Geschichte zu Ende», sagte Alt-Stadtammann und Stiftungsrat Robert Bamert in seiner Laudatio. Peter F. Oswald habe sich in seiner langen Amtszeit hervorgetan als umsichtiger, sparsamer und doch visionärer Verwalter und Führer. «Ein Stiftungspräsident, wie ihn sich Ducrey gewünscht hätte. Ihr wärt seelenverwandt gewesen», meinte Bamert mit Verweis auch auf die biografischen Parallelen in der Schulpflege und als Stadträte. Peter F. Oswald, seines Zeichens auch erfolgreicher Architekt und ehemaliger Präsident der schweizerischen Offiziersgesellschaft, zeigte sich stolz, wie sich die Stiftung heute präsentiert und dass mit Reto Jäger ein «gleichwertiger oder noch besserer» Nachfolger habe gefunden werden können. «Ich hoffe, immer im Geiste von Doktor Ducrey gehandelt zu haben, und wünsche der Stiftung weiterhin gutes Gedeihen und Fortschritt», schloss der langjährige Präsident unter grossem Applaus. --huy



