Die Jung-SVP wirbt mit dem eingängigen Slogan «Arbeit muss sich lohnen.» Da bin ich sofort dabei. Wer wäre es nicht? Wer arbeitet, soll von seinem Lohn auch leben können. Genau aus diesem Grund sage ich aber Nein zu dieser sozial ungerechten Initiative. Denn sie sorgt ...
Die Jung-SVP wirbt mit dem eingängigen Slogan «Arbeit muss sich lohnen.» Da bin ich sofort dabei. Wer wäre es nicht? Wer arbeitet, soll von seinem Lohn auch leben können. Genau aus diesem Grund sage ich aber Nein zu dieser sozial ungerechten Initiative. Denn sie sorgt nicht dafür, dass Arbeit besser entlöhnt wird – sie sorgt nur dafür, dass Menschen in schwierigen Situationen noch stärker unter Druck geraten.
Ich kenne genug Leute, die auf Unterstützung angewiesen sind: Alleinerziehende, Menschen mit gesundheitlichen Problemen, ältere Arbeitnehmende nach einem Jobverlust oder Junge, die keinen beruflichen Einstieg finden. Die meisten von ihnen wollen arbeiten. Was sie hindert, sind fehlende Stellen, Krankheit, Betreuungspflichten oder schlicht Pech – nicht eine angeblich «zu bequeme Sozialhilfe.» Wer bei den Schwächsten kürzt, löst kein Problem. Im Gegenteil: Wer ständig Angst hat, dass das Geld vorne und hinten nicht reicht und Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können, hat weniger Kraft für Bewerbungen, Weiterbildung oder einen Neuanfang. Armut motiviert nicht. Sie blockiert – und macht nicht selten krank.
Wenn es der Jung-SVP wirklich ernst ist mit «Arbeit muss sich lohnen», dann sollte sie auch dort ansetzen, wo es wirklich etwas bringt: bei fairen Löhnen, bei guten Arbeitsbedingungen und bei einem kantonalen Mindestlohn, von dem man leben kann. Und vielleicht auch damit aufhören, gegen die Interessen der Arbeitnehmenden zu politisieren. Das wäre glaubwürdiger.
Diese Initiative setzt auf ein einfaches Feindbild: hier «wir», die Fleissigen, dort die «Anderen», die es sich angeblich auf Kosten der Allgemeinheit gut gehen lassen. Das wird der Realität im Aargau nicht gerecht. Unser Kanton war immer dann stark, wenn wir zusammengehalten haben – nicht, wenn nach unten getreten wurde. Wer auf die Schwächsten zielt, macht weder die Gesellschaft gerechter noch die Löhne besser. Im Gegenteil: Der Druck steigt – für alle.
Ja, Arbeit muss sich lohnen. Fangen wir bei fairen Löhnen an. Aber nein, wir dürfen Menschen in Not nicht bestrafen. Ein Nein zu dieser Initiative ist für mich ein Ja zu Anstand und Solidarität.
Stefan Dietrich, Grossrat SP, Bremgarten