Am Mittwoch kommen Familien
16.01.2026 BremgartenUnterirdische kantonale Asylunterkunft wird eröffnet
Die Bunkeranlage unter der Bärenmatt ist ab nächster Woche wieder eine Bleibe für Geflüchtete. Der Kanton quartiert am Mittwoch Asylsuchende ein. Es sind ganze Familien, die hier Zuflucht ...
Unterirdische kantonale Asylunterkunft wird eröffnet
Die Bunkeranlage unter der Bärenmatt ist ab nächster Woche wieder eine Bleibe für Geflüchtete. Der Kanton quartiert am Mittwoch Asylsuchende ein. Es sind ganze Familien, die hier Zuflucht finden.
Marco Huwyler
Was angekündigt wurde, wird nun umgesetzt: Ab dem 19. Januar wird die geschützte Sanitätsstelle (GSS) unter der Bärenmatt wieder zur Asylunterkunft. Die ersten Familien werden zwei Tage später, am Mittwoch, 21. Januar, erwartet. Für die Bremgarter ist es ein Déjà-vu – bereits von September 2024 bis Januar 2025 hatte das Bunkersystem unter dem Altersheim als temporäre Heimat für Geflüchtete gedient. Nun wiederholt sich die Geschichte. Allerdings mit einer anderen Betreiberin. Statt wie damals der Bund übernimmt nun der Kanton die GSS als Asylzentrum.
Zahlen auf Rekordniveau
Die Inbetriebnahme hatte sich abgezeichnet. Bereits seit Anfang April des letzten Jahres hatte der kantonale Sozialdienst (KSD) den Mietvertrag vom Bund übernommen. Die Unterkunft diente in den vergangenen Monaten als Reserve. Angesichts der steigenden Asylzahlen hatte man aber bereits Ende Oktober beschlossen, die Bremgarter Notschlafstelle auf Anfang des neuen Jahres als zusätzliches Asylzentrum in Betrieb zu nehmen (vgl. «BBA» vom 31.10.2025).
Nötig wird dies, weil der Bestand an Personen, welche eine Asylunterkunft benötigen, weiterhin ansteigt. Gemäss KSD bewegt er sich derzeit auf Rekordniveau (Stand per 1. Januar: 9961). «Die regulären Asylunterkünfte sind voll ausgelastet», sagt Stephan Alexander, Leiter Asyl beim KSD. Eine zusätzliche unterirdische Unterkunft sei deshalb notwendig geworden. Insgesamt betreibt man kantonsweit momentan 77 Asylunterkünfte – davon sind 8 unterirdischer Natur, wie diejenige in Bremgarten.
Möglichst kurz in Bremgarten
Während der Zeit als Bundesasylzentrum waren in Bremgarten allein reisende Männer untergebracht. Diesmal sind es geflüchtete Familien. Dies, obwohl den Verantwortlichen bewusst ist, dass eine Unterbringung in einer Bunkeranlage – insbesondere für Kinder – alles andere als optimal ist. «Wir wollen den Aufenthalt hier deshalb möglichst kurz halten», sagt Alexander. Die Menschen sollen so rasch als möglich in oberirdische Unterkünfte anderswo umverteilt werden.
Während sie in Bremgarten stationiert sind, besuchen die schulpflichtigen Kinder einen Einschulungsvorbereitungskurs in Wettingen. Der KSD richtet eine Begleitgruppe ein, in der sich Anwohner und Freiwillige einbringen können. Eine öffentliche Besichtigung der Asylunterkunft findet indes keine statt, weil bereits vor der Eröffnung der Bundesasylunterkunft jene Gelegenheit für die Bevölkerung bestanden hat, wie der Kanton begründet. Betreut werden die untergebrachten Familien vom darauf spezialisierten Dienstleister Convalere AG «rund um die Uhr», wie die Verantwortlichen betonen.
Kapazität nicht ausschöpfen
Offiziell als Asylunterkunft gilt die Bremgarter GSS ab Montag. Am Mittwoch werden die ersten Familien eintreffen. «Zu Beginn erst zwei oder drei», sagt Alexander. Wer kommt, hänge stets von den Zuweisungen des Bundes ab, welche sehr kurzfristig erfolgen. «Meistens erst am Nachmittag vor der Zuweisung.» Derzeit werden dem Aargau – und damit auch der Bremgarter Unterkunft – überwiegend Menschen aus der Ukraine, Afghanistan und der Türkei zugewiesen, wobei Erstere nach wie vor die grösste Gruppe ausmachen. Auf die Menschen, welche am Mittwoch eintreffen, werden in den nächsten Wochen weitere folgen.
Die Neueintritte erfolgen in der Regel wöchentlich, ausnahmsweise täglich. «Wie viele es sein werden, hängt von der Entwicklung der Asylzahlen ab», sagt Alexander. Maximal zu etwa drei Vierteln soll die Kapazität der Anlage ausgeschöpft werden, um den hier untergebrachten Familien zumindest ein kleines Mindestmass an Privatsphäre bieten zu können. Gestalterische Massnahmen – wie ein Abtrennen der grossen Massenschlafzimmer mit Vorhängen – sollen dies ermöglichen.
Statt 120 möglichen werden hier unter der Bärenmatt also rund 90 Menschen gleichzeitig ein temporäres Zuhause finden. Und hoffen, dass Bremgarten ein kurzes, möglichst angenehmes Intermezzo auf dem Weg in eine bessere Zukunft bleibt. Wie lange der Kanton die GSS als Flüchtlingsunterkunft betreibt, ist momentan nicht absehbar. Der Mietvertrag läuft unbefristet.

