Am anderen Ende der Welt
03.03.2026 Mutschellen, WidenDer Bremgarter Urs Dellsperger berichtete von seiner Reise in die Antarktis
Schnee, Eis, Felsen, Pinguine, Robben und Seevögel: Urs Dellsperger nahm die Teilnehmenden des Frühstückstreffs mit auf eine Reise in eine wenig bekannte Welt. «Am Südpol ...
Der Bremgarter Urs Dellsperger berichtete von seiner Reise in die Antarktis
Schnee, Eis, Felsen, Pinguine, Robben und Seevögel: Urs Dellsperger nahm die Teilnehmenden des Frühstückstreffs mit auf eine Reise in eine wenig bekannte Welt. «Am Südpol war ich aber nicht», sagte er.
Erika Obrist
Förmlich überrannt mit Anmeldungen zum Frühstückstreff wurden Sozialdiakonin Maria Trost-Hansemann und ihr Team von der reformierten Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen. Das lag wohl nicht nur am gemeinsamen Frühstück im Saal des Kibizi in Widen, sondern auch am angekündigten Vortrag. Referent Urs Dellsperger aus Bremgarten sprach über seine Reise an den Südpol, die er vor 13 Jahren zusammen mit seinem Sohn unternommen hatte. Natürlich hatte er viele Bilder mitgebracht und kurze Videosequenzen. Und eines stellte er gleich zu Beginn klar: «Bis an den Südpol habe ich es nicht geschafft.»
Nur ja nichts einschleppen
Auf einem holländischen Forschungsschiff waren sie von Argentinien aus in Richtung Süden unterwegs. Um sich ans Klima zu gewöhnen, erfolgte ein erster Halt auf den Falklandinseln. Hier hat es weit mehr Schafe als Menschen. «Die Landschaft ist karg. Es hat keine Bäume, nur vereinzelt Sträucher», erzählte Dellsperger. Und viele Pinguine, Graugänse sowie Raubvögel.
Bei zum Teil hohem Seegang ging es weiter nach Süden. Von nun galten bei Landgängen strenge Vorschriften, ist doch die Antarktis zwischen dem 60. und 90. südlichen Breitengrad das grösste Naturschutzgebiet der Welt. Festgehalten ist das im Antarktisvertrag, der im Jahr 1961 in Kraft getreten ist. Damit ja keine Keime eingeschleppt werden, mussten Kleidung und Gerätschaften von jedem Staub befreit sowie vor und nach jedem Landgang desinfiziert werden. «Um die Gebiete betreten zu dürfen, braucht es eine Bewilligung. Hundert Leute dürfen am Tag für vier Stunden an Land», so Dellsperger.
Dafür gab es auf den dem Festland vorgelagerten Inseln, die vielfach vulkanischen Ursprungs sind, viel zu sehen und zu bestaunen. Grosse Pinguinkolonien, Walrosse, See-Elefanten, Seeschwalben. «Pinguine betrachten den Menschen nicht als Feind», so Dellsperger. Deshalb konnten die Besucherinnen und Besucher ganz nahe an die Tiere ran und fotografieren. Auf den Wegen, auf denen die Pinguine vom Meer zu ihren Nestern unterwegs waren, hatten die Tiere Vortritt. Für einmal musste der Mensch ausweichen.
Schrottplätze im Eis
Dass dem nicht immer so war, konnte die Reisegesellschaft mit eigenen Augen sehen. Auf den Inseln in diesem fischreichen Gebiet hatte vor allem Norwegen diverse Walverarbeitungsfabriken errichtet, um Tran zu gewinnen. Die Fabriken wurden aufgegeben, der Schrott ist geblieben. Geblieben sind auch die Ratten, die mit den Schiffen auf die Inseln gekommen sind. «Inzwischen ist es gelungen, diese Nager auszurotten. Dadurch hat sich der natürliche Tierbestand wieder erholt.» Geblieben sind auch die Rentiere, welche die Norweger als Fleischlieferant eingeführt hatten. «Sie haben keine natürlichen Feinde, vermehren sich rasant und fressen die karge Bodenbedeckung ab», weiss Dellsperger. Nun laufe ein Projekt zur Ausrottung der Rentiere.
Das Packeis umschiffen
Einen Monat lang war der inzwischen 77-jährige frühere Kirchenpfleger auf dem Forschungsschiff in der Antarktis unterwegs. Ständiger Begleiter waren – neben den Seevögeln – der Wind und die Wetterkapriolen. «Das Wetter kann innert einer Viertelstunde umschlagen.» Regen, Schnee, Nebel: Nicht jeder geplante Landgang konnte durchgeführt werden. Eindrücklich sei auch das Packeis gewesen. War es zu dick, musste es umschifft werden. Dadurch konnte eine Etappe, die in gerader Linie an die 400 Meter mass, gut mehrere Stunden dauern.
«Sofort wieder»
Unzählige Eindrücke, Fotos und Videos hat Dellsperger von seiner Reise ans andere Ende der Welt mitgebracht. Ein besonderer Höhepunkt folgte auf der Rückfahrt: Wale waren zu sehen. Buckelwale und Orkas vor allem. Das Sahnehäubchen quasi auf der nicht alltäglichen Reise. Und auch wenn inzwischen 13 Jahre vergangen sind, ist Dellsperger noch immer fasziniert von der einzigartigen Naturlandschaft, die er erleben durfte auf seiner Reise. «Ich würde sofort wieder hingehen», versicherte er am Ende seines Referats.

