Allen den Weg weisen
02.06.2026 BremgartenNeues Orientierungssystem auf dem Areal der St. Josef-Stiftung
Nach dem Neubau des Hauses Allegra hat die Stiftung die gesamte Beschilderung auf ihrem Gelände überarbeitet. Entstanden ist dabei ein einzigartiges System von Schildern, das auch Menschen mit ...
Neues Orientierungssystem auf dem Areal der St. Josef-Stiftung
Nach dem Neubau des Hauses Allegra hat die Stiftung die gesamte Beschilderung auf ihrem Gelände überarbeitet. Entstanden ist dabei ein einzigartiges System von Schildern, das auch Menschen mit Beeinträchtigung Orientierung und Halt bietet.
Marco Huwyler
Wer ist hier wie unterwegs? Das ist die Ausgangsfrage, die man sich bei der St. Josef-Stiftung stellte. Und sie ist gar nicht so leicht zu beantworten. Denn auf dem Areal tummeln sich die verschiedensten menschlichen Wesen aus mannigfaltigen Gründen. Klar, da wären primär einmal die Klienten der Stiftung.
Sie alleine sind in ihren unterschiedlichen Beeinträchtigungen schon divers genug. Doch auch sonst wird das Stiftungsareal von zahlreichen Individuen aller Art frequentiert. Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, JoJo-Restaurant-Besucher, Handwerker, Lieferanten, Zugpassagiere etc. – sie haben alle des Öfteren Grund, das Gelände zu besuchen oder zu passieren. «Und für all jene Menschen wollten wir eine Lösung finden», sagt Marcel Heeg, der das Projekt Signaletik in den letzten Jahren für die Stiftung geleitet hat.
Auf Allegra gewartet
Dieses Projekt wurde schon vor Jahren ins Leben gerufen. Schliesslich sahen die Verantwortlichen tagtäglich, dass hier Verbesserungspotenzial herrscht. «Unsere Angestellten werden in ihrem beruflichen Alltag ganz oft nach dem Weg gefragt», sagt Stiftungsleiter Thomas Bopp. Denn das Areal ist weitläufig und beinhaltet zahlreiche unterschiedlichen Gebäude. Entsprechend oft kam es vor, dass sich die Menschen verirrten – trotz Wegweisern. «Deshalb war uns schon lange bewusst, dass wir daran etwas ändern müssen», wie Bopp sagt. Vor allem auch, da jene Schilder von vielen Klienten nicht gelesen werden konnten – ein Umstand, der dem inklusiven Gedankengut der Stiftung widerstrebt.
Dennoch übte man sich lange in Geduld. «Wir kamen überein, dass die Änderung erst richtig Sinn macht, wenn «Allegra» darin eingebunden ist», erklärt Bopp. Erst seit sich das neue Herzstück der Stiftung in Bau befand, hat man auch das Signaletik-Projekt mit Hochdruck vorangetrieben.
Lama statt Elefant
Ende 2023 wurde der Auftrag dafür an die Firma «Integral» von Geschäftsleiter Axel Steinberger vergeben. Gemeinsam mit diesem – einem Spezialisten für derlei – hat die Stiftung seither am Signaletik-Konzept getüftelt. «Wir haben uns dabei eng am ‹Metacom›-Konzept orientiert», erklärt Steinberger. Für die St. Josef-Stiftung mit Projektleiter Heeg war dieser Ansatz wichtig. Denn das «Metacom»-System mit seinen bis zu 17 000 verschiedenen Zeichen, die intuitiv verstanden werden sollen, kommt bei der Arbeit mit Beeinträchtigten ohnehin täglich zum Einsatz. «Es ist für uns als unterstützende Kommunikation mit den Klienten zentral», bestätigt St. Josef-Wohngruppenleiterin Alexandra Günter.
Beim Signaletik-Projekt wurden nun die Standard-«Metacom»-Symbole punktuell mit charakteristischen Merkmalen der St. Josef-Stiftung und ihrer Bauten ergänzt. So hat beispielsweise jedes Gebäude auf dem Areal ein eigenes Zeichen erhalten. Und auf dem Symbol für den Tipajo-Tierpark ist nicht wie bei «Metacom»-Tierpark-Standard ein Elefant ersichtlich – sondern ein Hase und ein Lama. Charakteristisch für die Tiere der St. Josef-Stiftung eben. Ergänzt wurden die Zeichen auf den Schildern zudem wo möglich durch Fotos. «Denn einige unserer Klienten werden dadurch noch besser angesprochen», wie Günter erklärt.
Bei der Erstellung der neuen Wegweiser und Beschriftungen haben die Verantwortlichen akribisch aufs Detail geachtet. Von Gestaltung über Material bis hin zur Farbgebung folgt alles einem durchdachten Konzept. Und dieses besagt unter anderem: «Die neue Signaletik soll nicht nur leiten, sondern auch erzählen. Und ein Aushängeschild für die Stiftung sein», wie Axel Steinberger erklärt. Mit diesem klaren Auftrag sei er das Projekt angegangen.
Auch Aushängeschilder
Nun steht das Projekt vor seiner Vollendung. Die meisten der rund 25 neuen Wegweiser auf dem Gelände sind installiert. Im Gebäude Allegra wurden zahlreiche entsprechenden Beschriftungen und Beschilderungen angebracht. «Das Gebäude Fortuna wird zu einem späteren Zeitpunkt noch nachgerüstet», wie Stiftungsleiter Bopp erklärt. Er ist – wie sämtliche Verantwortlichen – sichtlich stolz auf das Signaletik-Projekt. «Denn was hier geschaffen wurde, ist nicht nur funktional. Es macht auch optisch etwas her und repräsentiert uns vorzüglich», findet der Stiftungsleiter lächelnd.
Ein sechsstelliger Betrag
In vielerlei Hinsicht bereichernde Schilder und Symbole also, die man sich durchaus auch einiges kosten lässt. «Einen tiefen sechsstelligen Betrag», wie Bopp auf Nachfrage sagt, ohne ins Detail des Projektbudgets gehen zu wollen. Mindestens 100 000 Franken also investiert die Stiftung in die neue Signaletik. «Das ist mehr als doppelt so viel, als uns ein herkömmliches, standardisiertes Wegleitungssystem gekostet hätte», erklärt der Stiftungsleiter. «Wir haben aber ganz bewusst in dieses Projekt investiert.» Denn es sei eine Investition, die sich lohne. Für alle, die bei der St. Josef-Stiftung ein und aus gehen – was bekanntermassen ja so einige sind.
Adressen geändert
Im Zuge des Signaletik-Projekts liess die St. Josef-Stiftung auch die Adressen ihrer Gebäude spezifizieren. Statt wie früher nur eine einzige gemeinsame Adresse (Badstrasse 4), haben die einzelnen Gebäude separate Strassennummern erhalten – was die Orientierung und Anlieferung erheblich erleichtern soll. «Die Stadt hat hier glücklicherweise Hand geboten», erklärt Stiftungsleiter Thomas Bopp. Neue Haupt- und Postadresse der Stiftung ist «Badstrasse 30». Diese Adressänderungen sind bereits letztes Jahr erfolgt.
--huy



