Abstiegskampf und EM-Traum
02.04.2026 Sport, FussballFussball, Women’s Super League: Die Tägligerin Andrea Jäggi kämpft mit Aarau um den Ligaerhalt
Die 18-jährige Andrea Jäggi bestreitet ihre erste Saison mit den Frauen des FC Aarau in der Women’s Super League. Übermorgen Samstag ...
Fussball, Women’s Super League: Die Tägligerin Andrea Jäggi kämpft mit Aarau um den Ligaerhalt
Die 18-jährige Andrea Jäggi bestreitet ihre erste Saison mit den Frauen des FC Aarau in der Women’s Super League. Übermorgen Samstag könnte sie ihr erstes Saisonziel schon erreichen. Eine Woche später beginnt mit dem U19-Nationalteam bereits die nächste wichtige Aufgabe.
Josip Lasic
Vor dem letzten Spieltag der Regular Season steht der FC Aarau auf Rang 8. Hält das Team diesen Platz, ist der Ligaerhalt gesichert. Weil Luzern punktgleich ist und nur wegen der schlechteren Tordifferenz hinter Aarau liegt, fällt die Entscheidung erst am Samstag. Während Luzern zu Hause auf YB trifft, gastieren Jäggi und ihre Teamkolleginnen bei GC. Holt Luzern mehr Punkte als Aarau, müssten die Aargauerinnen in die Abstiegsspiele. «Wir könnten uns aber auch dort noch den Klassenerhalt sichern. Ich bin zuversichtlich», sagt Andrea Jäggi.
Mit Michelle Stierli und Donika Deda spielten in den vergangenen Jahren bereits zwei Freiämterinnen für Aarau. In dieser Saison ist mit Andrea Jäggi eine dritte Spielerin aus der Region dazugekommen. Die 18-jährige Verteidigerin musste sich ihre Einsatzzeit zunächst erarbeiten. «Es war nicht so ganz einfach für mich als junge Spielerin. Ich musste mich beweisen.» Im Verlauf der Saison erhielt sie mehr Minuten. Nach dem Trainerwechsel von Oliver Häusermann zu Jürgen Seeberger musste sie sich ihren Platz im Team erneut verdienen. Inzwischen spielt sie regelmässig.
Lehre und Fussball unter einen Hut bringen
Jäggi wächst in Tägerig auf, wo sie auch heute noch wohnt. Dort spielt sie früher beim Schulhaus Fussball mit dem heutigen Aarau-Goalie Marvin Hübel. «Er ist etwa im gleichen Alter wie mein Bruder», erzählt sie. Als ihr Bruder im Nachwuchs des FC Tägerig mit dem Fussball anfängt, schliesst sie sich ebenfalls dem Verein an. Sie ist da gerade mal fünf Jahre alt. Ihr gelingt der Sprung in die Regionalauswahl des Aargauer Fussballverbandes. Mit zehn Jahren wechselt sie zum FC Lenzburg und kurz darauf zum FC Aarau. Zunächst in ein gemischtes Team mit Jungs. Sie durchläuft die Juniorenstufen dort, wird in den Nachwuchs der Frauenabteilung aufgenommen und schafft diesen Sommer den Sprung ins Fanionteam.
Neben dem Fussball absolviert sie eine Lehre als Logistikerin bei der Post in Buchs. «Bevor ich Auto fahren durfte, war es anspruchsvoll mit dem Pendeln. Ich muss zwar auch jetzt morgens um 5 Uhr aufstehen, aber da meine Leistungen bei der Arbeit und in der Berufsschule passen, nimmt mein Lehrmeister auch viel Rücksicht und unterstützt meine sportliche Laufbahn.» Viel Freizeit bleibt ihr nicht. Umso wichtiger ist die Unterstützung der Familie, die regelmässig an ihre Spiele kommt. «Sie unterstützen mich da wirklich sehr und sind regelmässig dabei. Egal ob mit dem FC Aarau oder dem Nationalteam.»
Drei entscheidende Quali-Spiele
Auch beim Schweizer Fussballverband macht Jäggi früh auf sich aufmerksam. Mit 13 Jahren wird sie erstmals für Stützpunkttrainings aufgeboten. Sie war Teil des U15- und U17-Nationalteams und gehört jetzt der U19 an. Eine Woche nach dem letzten Spiel der Regular Season mit dem FC Aarau beginnt die zweite Qualifikationsrunde für die U19-EM 2026 in Bosnien-Herzegowina. Die Schweiz trifft innerhalb von sechs Tagen auf Wales, Lettland und England. Die Gruppensiegerinnen sind bei der Endrunde dabei.
Die erste Qualifikationsphase haben die Schweizerinnen souverän bewältigt. In einer Gruppe mit Italien, Nordirland und Weissrussland belegten sie Rang 2, punktgleich mit den Italienerinnen. Beim 1:0-Sieg gegen Weissrussland lieferte Jäggi die Vorlage zum entscheidenden Tor. «Mit dem U17-Nationalteam haben wir die Qualifikation zur Endrunde knapp verpasst. Umso schöner wäre es, wenn es jetzt gelingen würde.» Eines Tages will sie auch für das A-Nationalteam spielen. Dass die Freiämterinnen Julia Stierli und Alayah Pilgrim über den FC Aarau den Sprung ins Nationalteam und später ins Ausland geschafft haben, motiviert sie zusätzlich. «Es tut gut, zu sehen, wenn jemand aus der gleichen Region schon so etwas geschafft hat.»
Ihre grossen Vorbilder sind aber der Schweizer Nationalteam-Captain Granit Xhaka, die Innenverteidiger des FC Arsenal Gabriel Magalhães und William Saliba sowie Leah Williamson, Innenverteidigerin bei den Frauen des FC Arsenal. «Ein weiteres Ziel von mir ist der Sprung ins Ausland. Wenn ich aussuchen könnte, würde ich gern bei Arsenal spielen, weil das mein Lieblingsverein ist.» Vorerst wartet aber der Endspurt mit Aarau. Danach kämpft sie mit der U19-Nati darum, ihr zweites Saisonziel zu erreichen.

