Nach 20 Jahren ist Schluss
07.09.2018 ZufikonZufikon: Der Kulturverein löst sich auf
Klassische Konzerte, Opernabende, Musik-Bistros oder Musik in der Aula – das alles gibt es in Zufikon bald nicht mehr. Seit 1998 wurden diese Anlässe durch den Kulturverein ...
Zufikon: Der Kulturverein löst sich auf
Klassische Konzerte, Opernabende, Musik-Bistros oder Musik in der Aula – das alles gibt es in Zufikon bald nicht mehr. Seit 1998 wurden diese Anlässe durch den Kulturverein organisiert.
Am kommenden Freitag wird das Traktandum 7 an der Generalversammlung des Kulturvereins Zufikon keine Begeisterung auslösen. «Rücktritt Vorstand/Auflösung des Vereins» ist sein Name. Der fünfköpfige Vorstand suchte zwei Jahre lang vergebens nach möglichen Nachfolgern. Jetzt nimmt er, wie angekündigt, seinen Hut. 16 Jahre lang amtete Elsbeth Bernhard als Präsidentin des Vereins. «Beim Aufräumen des Archives ist mir bewusst geworden, was wir alles organisiert hatten.» Sie blickt auf eine ereignisreiche Zeit mit vielen Begegnungen zurück. Die Anlässe seien immer gut besucht gewesen. Deshalb würden bei der Auflösung des Vereins keine finanziellen
Aspekte mitspielen. Was mit dem Restvermögen geschieht, wird ebenfalls am Freitag entschieden. --rwi
Kulturverein sagt «Ade»
Zufikon: Definitive Auflösung in einer Woche
20 Jahre organisierte der Kulturverein Konzerte und Lesungen. Die Generalversammlung am 14. September wird die letzte sein. Der Vorstand hat keine Nachfolger gefunden.
Roger Wetli
Die Enttäuschung ist Elsbeth Bernhard deutlich anzusehen. Seit 18 Jahren wirkt sie im Vorstand des Kulturvereins mit, davon 16 Jahre als Präsidentin. «Wir haben an der Generalversammlung vor zwei Jahren angekündigt, dass wir auf die diesjährige GV zurücktreten. Zudem suchten wir intensiv nach Nachfolgern, leider ohne Erfolg.»
Nicht reingeredet
Rund hundert Mitglieder zählt der Kulturverein. Bei den Veranstaltungen konnte der Vorstand auf fünf weitere Helferinnen zählen. Dazu kamen die Ehemänner. «Sehr viele sagen, dass die Auflösung schade für Zufikon ist. Scheinbar will aber niemand mehr Verantwortung übernehmen und sich binden», ist Bernhard bedrückt. Kein Grund zur Auflösung seien die Besucherzahlen der Veranstaltungen. «Diese waren immer top», so die Präsidentin. «Auch finanziell ist der Verein sehr gut aufgestellt.» Dieses Vermögen hätte der Vorstand gerne Nachfolgern übergeben. «Wir hätten auch nicht beim künftigen Programm reingeredet, sondern die neuen Leute machen lassen», versichert Bernhard. Stimmt die Generalversammlung dem Plan des Vorstandes zu, wird das restliche Geld an verschiedene kulturelle Institutionen gespendet.
Alle begeistert
Die Wurzeln des Kulturvereins Zufikon reichen bis 1996 zurück. Damals wurde in der Raiffeisenbank eine Ausstellung organisiert. Dessen Initianten gründeten 1998 die Kulturgruppe Zufikon, die sich zehn Jahre später den heutigen Namen gab. Zusätzlich motiviert wurde der damalige Vorstand durch die Einweihung des Zufikerhuus vor 18 Jahren. «Wir konnten dadurch einen idealen Veranstaltungsort nutzen.» Wurden zu Beginn eher klassische Konzerte organisiert, öffnete sich das Programm zunehmend weiteren Stilen. «Auch für Familien haben wir zu Beginn einige Anlässe organisiert. Diese nahmen ab, als unsere Kinder grösser geworden sind.» Gerne erinnert sie sich an die 17 Musikbistros, die Musik und Kulinarik miteinander verbanden. «Diese waren immer ausgebucht», lacht sie. In der Aula führte der Verein neun Konzerte durch. «Mit dem Opernabend hatte ich mir selber einen Traum erfüllt», schwärmt die Präsidentin. Wichtiger Bestandteil des Vereinslebens waren die 25 Konzerte in der Kirche.
Die Künstler wurden durch den Vorstand angefragt oder nahmen selber mit dem Kulturverein Kontakt auf. «Die Zusammenarbeit mit den Musikern und Literaten hat mir immer sehr viel Spass gemacht», so Bernhard. «Sie waren immer unkompliziert und flexibel.» Gerne erinnert sie sich an den Hackbrettspieler Nicolas Senn. Dieser konnte die ganze Helferschar begeistern und habe anschliessend seinen Dank für den Abend per Brief ausgedrückt.
Drei Ordner für die Gemeinde
Im Zuge der Auflösung wälzte die Präsidentin das Vereinsarchiv. «Dabei staune ich selber, was in all den Jahren gelaufen ist», sagt sie wehmütig. Zwei bis drei Ordner wird der Kulturverein der Gemeinde übergeben, damit diese sie aufbewahren kann. «Darin sind vor allem die GV-Protokolle und Finanzabrechnungen enthalten», erklärt Elsbeth Bernhard.
Die letzte Generalversammlung findet im Zufikerhuus statt. Danach wird es ein Nachtessen geben. Für Unterhaltung sorgt Philipp Galizia, der am Piano von Alois Bürger begleitet wird. «Abgeschlossen wird der Auflösungsprozess wohl Ende Jahr sein», blickt Bernhard voraus.



