Jungunternehmer am Werk
19.03.2021 Region BremgartenProjekt an der Schule Fischbach-Göslikon
38 Fünft- und Sechstklässler erfahren derzeit, wie man wirtschaftlich tätig werden kann. Sie fertigen Stofftaschen, Schlüsselanhänger, Buchzeichen und Masken an und sie bieten Hundespaziergänge an. Von der ...
Projekt an der Schule Fischbach-Göslikon
38 Fünft- und Sechstklässler erfahren derzeit, wie man wirtschaftlich tätig werden kann. Sie fertigen Stofftaschen, Schlüsselanhänger, Buchzeichen und Masken an und sie bieten Hundespaziergänge an. Von der Idee, über die Herstellung zum Verkauf: Alles selber gemacht. Früh übt sich halt, wer später beruflich erfolgreich werden will.
Die Lehrerinnen der jungen Kleinunternehmer nutzen das Angebot «Pintolino» des Vereins «Young Enterprise Switzerland», auf das sich auch die Jungunternehmen der Kantonsschule Wohlen abstützen. Das Angebot wurde auf die Fünft- und Sechstklässler angepasst. --red
Junge Kleinstunternehmen
Die 5. und 6. Klassen lancieren zwei Produkte und eine Dienstleistung
38 Schüler von Fischbach-Göslikon erfahren zurzeit, wie man wirtschaftlich tätig werden kann. Sie kreieren Produkte und Dienstleistungen von der ersten Idee über die Produktion bis zum Verkauf. Und merken dabei nicht einmal bewusst, was sie alles lernen.
Roger Wetli
Früh übt sich, wer später einmal beruflich erfolgreich werden will. Seit Ende der Sportferien führen die beiden 5./6. Klassen der Lehrerinnen Noemi Hänggi, Sarah Hilfiker und Jessica Neuhaus ein Projekt im Fach «Natur, Mensch, Gesellschaft» durch, das sie zu Kleinunternehmern macht. Sie nutzen dazu das Angebot «Pintolino» des Vereins «Young Enterprise Switzerland», auf dem sich auch die Miniunternehmen der Kantonsschule Wohlen abstützen.
Kompromiss bringt die Lösung
Für die 5. und 6. Klasse wurde das Programm angepasst. Trotzdem lassen sich die Resultate sehen. In Fischbach-Göslikon sind innert eines Monats zwei Produkte und eine Dienstleistung entstanden. Die Klasse von Noemi Hänggi näht eigene Schlüsselanhänger, Stofftaschen zum Einkaufen und Buchzeichen. Die andere Klasse produziert Stoffmasken und bietet Hundespaziergänge, abgestuft auf 30, 45 und 60 Minuten, an.
«Es macht riesig Spass», erklärt Mike Hübscher, zuständig für das Marketing und Schüler der Klasse von Sarah Hilfiker und Jessica Neuhaus. Die Klassen arbeiten dienstags und donnerstags je drei Stunden am Projekt, investieren dafür aber auch Freizeit. «Wir mussten zuerst Ideen finden. Weil am Schluss bei der Abstimmung die Hundespaziergänge und die Maskenproduktion fast gleich viele Stimmen erhalten hatten, entschieden wir, beides zu machen.»
Das Begleitheft von «Pintolino» hilft den Schülern bei jedem Arbeitsschritt. «Wir konnten uns sehr schnell einigen, wer was macht, und ergänzen uns super», ist Hübscher begeistert. «Einige Schüler haben Angst vor Hunden, weshalb für sie die Spaziergänge ungeeignet sind. Die Hundegruppe absolvierte jetzt extra einen eintägigen Kurs im richtigen Umgang mit Hunden.»
Produktionsablauf festlegen
Die Maskengruppe musste dagegen den genauen Ablauf der Maskenproduktion festlegen. Denn diese nähen die Schüler selbst. Aber auch die korrekte Budgetierung war ein wichtiges Thema. «Jetzt haben wir die Produkte und Dienstleistungen. Aber wie sollen wir diese in Zeiten der Pandemie verkaufen?», fragt Mike Hübscher. «Wir haben uns jetzt für Flyer entschieden, die wir in alle Haushalte verteilen. Bezahlen kann man uns mit Twint oder indem man das Geld in einem Couvert in den Briefkasten legt und wir dann das Couvert durch die Maske austauschen.»
Ziel für beide Klassen ist, insgesamt 1500 Franken zu verdienen. Was mit dem Geld geschieht, haben die Klassen demokratisch entschieden. «Einen Teil werden wir einer Natur- oder Tierschutzorganisation spenden», so Hübscher. «Mit einem weiteren Teil besuchen wir mit der ganzen Klasse die Trampolinhalle in Wohlen.» Wie lange das Projekt dauert, weiss er noch nicht. «Es dauert eigentlich so lange, bis wir die 1500 Franken verdient haben.»
Von einer ganz anderen Seite
Dass die beiden Klassen Kleinunternehmen gründen, war für dieses Schuljahr nicht geplant. «Durch eine Bekannte wurden wir auf das Projekt aufmerksam», erklärt Jessica Neuhaus. «Wir waren gleich von der Idee begeistert und haben uns entschieden, das Ganze spontan durchzuführen. Es ist jetzt ein Ersatz für die vielen Anlässe und Ausflüge, die wir pandemiebedingt nicht durchführen konnten.»
Sie findet besonders toll, dass die Schüler von Grund auf etwas für sich erarbeiten, das sie anschliessend in die Öffentlichkeit tragen. «Was die Kinder jetzt leisten, beeindruckt mich sehr», staunt Neuhaus. «Schulisch wenig starke 5.- und 6.-Klässler zeigen sich plötzlich von einer ganz anderen Seite. Das Projekt erfordert von den Schülern, dass sie anfangen, wie Erwachsene zu denken.»
Das habe auch zu einzelnen Überforderungen geführt. «Wir begleiten die Klassen, fördern und fordern sie. Einzelne Kinder hätten uns aber gar nicht benötigt.» Stoppen musste die Lehrerin ihre Schützlinge zum Beispiel, als diese sämtliche möglichen Sponsoren persönlich anrufen wollten. «Das hätte schlicht zu lange gedauert.» Sie sei äusserst glücklich damit, wie die Klasse zusammenarbeite, und begeistert von der Euphorie, die das Kollektiv zeigt.
Nur noch an diesem Projekt arbeiten
Das bestätigt auch Schüler Mike Hübscher. «Ich würde am liebsten jeden Tag daran arbeiten. Ich merke gar nicht, dass ich dabei am Lernen bin. Ich würde so etwas gerne wieder einmal machen.» Auch Kevin Riedmann, Schüler der Klasse von Noemi Hänggi, ist begeistert. «Bis jetzt gefällt mir das Projekt sehr. Es ist sehr spannend, mitzuerleben, wie ein Produkt und sein Name entsteht und wie man es verkaufen kann.»
Weitere Infos zu Projekt, Produkten und Adressen für die Bestellungen sind auf www.schulefigoe.ch zu finden.



