Zweikampf um den fünften Sitz
18.05.2021 Bremgarten2. Wahlgang am 13. Juni: Claudia Bamert und Stefan Hausherr wollen in den Bremgarter Stadtrat
In der Ersatzwahl wird die Nachfolge für die zurückgetretene Monika Briner (parteilos) bestimmt.
André ...
2. Wahlgang am 13. Juni: Claudia Bamert und Stefan Hausherr wollen in den Bremgarter Stadtrat
In der Ersatzwahl wird die Nachfolge für die zurückgetretene Monika Briner (parteilos) bestimmt.
André Widmer
Insgesamt fünf Kandidierende hatten die Bremgarter Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im ersten Wahlgang im März zur Auswahl für die Ersatzwahl für einen Stadtratssitz für den Rest der Amtsperiode 2017 bis 2021. Jetzt sind es mit Claudia Bamert (Läbigs Bremgarte) und Stefan Hausherr (parteilos) noch zwei Personen, die in der zweiten Runde zur Auswahl stehen.
Denn Sandro Schmid (GLP), Norbert Joller (parteilos) und Cyril Lilienfeld (FDP) verzichteten und Neuanmeldungen gab es keine. Bamert und Hausherr sind gleichzeitig diejenigen, die im ersten Wahlgang mit 1168 beziehungsweise 422 Stimmen die meisten Voten erreichten, wobei Bamert das absolute Mehr nur knapp verpasste.
Casino-Sanierung favorisiert
In den von dieser Zeitung gestellten Fragen zu den Themen Casino, Bauund Nutzungsordnung, Wirtschaftsstandort und Schule gehen die Meinungen von Claudia Bamert und Stefan Hausherr teilweise gar nicht so weit auseinander. So stehen beide
beispielsweise einem allfälligen Casino-Neubau skeptisch gegenüber. «Ich bin besorgt, aber es gilt abzuwarten, was die Machbarkeitsstudie bringt, erklärt Stefan Hausherr. Und Claudia Bamert: «Ich persönlich wäre, wenn es die Bausubstanz erlaubt und die Kosten klar in Richtung Sanierung zeigen, für die Variante Sanierung und Neugestaltung des Aussenbereichs.»
Tendenziell für Casino-Sanierung
Stadtrats-Ersatzwahl: Claudia Bamert (Läbigs Bremgarte) und Stefan Hausherr (parteilos) treten im zweiten Wahlgang an
Am 13. Juni findet die Ersatzwahl für den Rest der Amtsperiode 2017 bis 2021 für einen Sitz im fünköpfigen Stadtrat statt.
André Widmer
Im ersten Wahlgang im März verpasste Claudia Bamert (Läbigs Bremgarte) mit 1168 Stimmen das absolute Mehr um nur 45 Stimmen. Dies, obwohl insgesamt fünf Kandidierende zur Auswahl für den frei werdenden Sitz im Bremgarter Stadtrat standen. Zweiter wurde damals mit 422 Stimmen der parteilose Stefan Hausherr. Bamert und Hausherr sind es nun auch, die im zweiten Wahlgang vom Sonntag, 13. Juni, antreten – die anderen Kandidaten verzichteten, neue Anmeldungen gab es keine. Es geht um die Nachfolge der zurückgetretenen Monika Briner (parteilos).
«Ich bin besorgt»
Der 54-jährige Stefan Hausherr bezeichnet sich als parteiloser Bürgerlicher. Er arbeitet als Senior Compliance Officer bei einer Privatbank in Zürich. Aufgewachsen ist er in Bremgarten und Bergdietikon, Erst im Herbst ist Hausherr als Friedensrichter wiedergewählt worden, diese Funktion hat er seit 2016 inne.
«Es ist kein Geheimnis, dass ich einem allfälligen Casino-Neubau skeptisch gegenüberstehe», sagt Stefan Hausherr zu einem der aktuellen Themen im Städtli. Ein Grossprojekt, dass man über die nächsten 50 Jahre abschreiben und unterhalten müsse, solch eine Investition müsse man sich sehr gut überlegen. Zumal das Casino in der heutigen Form mässig frequentiert, die Belegung nicht gerade überwältigend sei. Insofern sei eine Renovation besser, so Hausherr. «Ich bin besorgt, aber es gilt abzuwarten, was die Machbarkeitsstudie bringt.»
Spätestens seit der Rückweisung der Teilrevision Oberebene an der Einwohnergemeindeversammlung letzten Dezember ist auch klar, dass die Revision Bau- und Nutzungsordnung in Bremgarten kein Selbstläufer ist. Stefan Hausherr ist kein Verfechter. «Ich bin nicht per se der Meinung, dass ein weiteres Wachstum zielführend ist.» Würden noch mehr Wohnungen entstehen, generiere das automatisch auch mehr Verkehr. Dies, weil viele in Bremgarten wohnhafte Menschen zu ihren Arbeitsplätzen ausserhalb pendeln. Die Umfahrung Bremgarten sei ein «Nadelöhr». Als viel wichtiger erachtet Stefan Hausherr, dass die Integration Hermetschwil-Staffelns richtig vollzogen werde.
Stefan Hausherr sieht in der Oberebene weniger einen ausbaufähigen Wohnort als vielmehr eher einen zu stärkenden Standort für Industrie und Gewerbe, nicht zuletzt aufgrund der Verkehrsanbindung. «Man muss sich bezüglich Wirtschaftsförderung etwas einfallen lassen», so der Stadtratskandidat. Apropos Wirtschaftsförderung und Standortmarketing: Eine generelle Kritik will er dem Stadtrat diesbezüglich nicht zukommen lassen. Dass in den letzten Jahren in diesem Bereich kaum ein Fortschritt erzielt worden ist, sei schon bekanntlich bei früheren Stadträten der Fall gewesen. «Da muss ich den aktuellen Stadtrat in Schutz nehmen.»
Hausherr will hier keine Ratschläge erteilen, denn er wisse nicht, was genau im Hintergrund bisher alles gelaufen sei. Bezüglich der Entwicklung in der Altstadt begrüsst Hausherr Investoren wie die Marco Polo Business Apartments AG, die mit ihrem Gastronomieangebot, aber auch dem Städtlimärt Arbeitsplätze und Leben in die Gassen bringt. «Wir müssen froh sein um solche Unternehmen. Es profitieren alle davon.» Besucher der Restaurants könnten auch potenzielle Kunden der Ladengeschäfte sein. Er wolle keine Retortenstadt, in der man nur noch schlafe, so Hausherr.
Erfolgreich gegen Steuerfusserhöhung
Stefan Hausherr gehörte letztes Jahr zum erfolgreichen Komitee, dass gegen eine Steuerfusserhöhung das Referendum ergriff und schliesslich mit bürgerlicher Unterstützung auch im Abstimmungskampf obsiegte. Dass man den Steuerfuss bei 94 Prozent beliess, diesen Umstand und die politische Haltung dazu sieht er nicht zuletzt bestärkt durch den Umstand, dass in den letzten Jahren regelmässig die Rechnungabschlüsse der Einwohnergemeinde Bremgarten besser ausfielen als budgetiert – zuletzt sogar im Coronajahr 2020. Hausherr plädiert dafür, die Kostenseite im Auge zu behalten. und auch bei den Investitionen zu schauen: «Was ist sinnvoll zu realisieren?», sei die Frage. Beim Steueraufkommen sehe er zudem keinen Skaleneffekt. «Wir haben ein starkes Ertragswachstum pro Kopf, und auch mehr Köpfe. Trotzdem steigen tendenziell auch die Kosten pro Kopf.»
Stefan Hausherr gehörte während einigen Jahren der Schulpflege an und war deren Vizepräsident. Deshalb bringt er auch einiges schulspezifisches Fachwissen mit – relevant, weil der oder die Gewählte im Stadtrat mutmasslich das Schulressort übernehmen wird. Die Abschaffung der Schulpflege bezeichnet er als Organisationsfrage. «An der Schule ist der Lehrplan 21 die Herausforderung.» Es sei weniger auf die Stukturen als vielmehr auf die Inhalte zu schauen. «Es braucht ein positives Lehrumfeld, daher ist der Lehrplan 21 das zentrale Thema.» Da man schon früher auch mit dem Stadtrat in Sachen Schule zu tun hatte, geht er davon aus, dass auch weiterhin die Zusammenarbeit funktionieren wird.
«Dass der Finanzhaushalt im Lot bleibt»
Die 45-jährige Ortsbürgerin Claudia Bamert ist gelernte Pharmaassistentin, hat sich verschiedentlich weitergebildet, unter anderem im Bereich Personaladministration und Erwachsenenbildung. und wohnt seit Geburt in Bremgarten. Claudia Bamert ist seit bald zehn Jahren in der Schulpflege, seit 2018 leitet sie diese als Co-Präsidentin.
Auch Claudia Bamert weist bezüglich der Zukunft des Casinos auf die Studie hin. «Um Ihre Frage definitiv beantworten zu können, müsste ich eigentlich zuerst die an der Gemeindeversammlung im Dezember 2020 beschlossene Machbarkeitsstudie abwarten. Diese wird über den Zustand der Bausubstanz des Casinos Auskunft geben.» Wenn dann auch Aussagen zu den Kosten für eine Sanierung oder einen Neubau vorliegen würden, könne sie entscheiden. «Ich persönlich wäre, wenn es die Bausubstanz erlaubt und die Kosten klar in Richtung Sanierung zeigen, für die Variante Sanierung und Neugestaltung des Aussenbereichs. Denn mir ist es ein Anliegen, dass unsere Vereine sich auch in Zukunft die Miete des Casinos leisten können und der Finanzhaushalt der Stadt im Lot bleibt.»
«Den Entscheid, die Teilrevision ‹Oberebene› abzulehnen und das Geschäft in die Gesamtrevision der BNO zu integrieren, finde ich richtig», erläutert Claudia Bamert. Die Revision im Bereich «Oberebene» müsse für beide Seiten – Stadt und Eigentümer – einen Mehrwert beinhalten. «Erst wenn ich alle Fakten, die zur Überlegung einer vorgezogenen Teilrevision führten, kenne, kann ich meine Meinung äussern.» Für sie stünden aber zwei Fragen im Vordergrund: Welche Auswirkungen hat eine Umzonung des heutigen Areals auf die bereits an die Belastungsgrenze gekommene Verkehrsinfrastruktur und was bedeutet die Umnutzung für die städtischen Infrastrukturen? «Ob und in welchem Ausmass Bremgarten auch in Zukunft wachsen soll, kann mit dem Instrument ‹BNO› gesteuert werden. Damit Bremgarten attraktiv bleibt, sind wir auf ein moderates Wachstum angewiesen. Nur so kann sichergestellt werden, dass wir die anfallenden öffentlichen Aufgaben auch künftig bewältigen können. Das in den letzten zehn Jahren eingetroffene Wachstum der Bevölkerung sehe ich auch in Zukunft gerechtfertigt. Wer bezahlt schon gerne mehr Steuern? Aber mit einem Blick in den Finanzplan 2021 bis 2030 wird einem bald klar, dass, wenn die geplanten Investitionsvorhaben mit Nettoinvestitionen von rund 40 Millionen so ausgelöst werden wie im Finanzplan vorgesehen, wir uns früher oder später über Steuerfusserhöhungen werden unterhalten müssen», äussert sich Claudia Bamert zu den Steuern. «Bevor es jedoch zu einer solchen Diskussion kommt, müssen alle Ausgaben sehr genau auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden.» Funktionen wie Schulen, Versorgung, Wohnen, Arbeiten und Erholung müsse höchste Priorität eingeräumt werden. «Was in letzter Konsequenz auch heisst, dass der Steuerfuss auch wieder einmal angehoben werden kann. Ein tiefer Steuerfuss darf nicht zulasten der Qualität durchgesetzt werden.»
Altstadt als Sorgenkind
Die Altstadt sei und bleibe ein Sorgenkind der Stadt, meint Claudia Bamert. «Neu gepflasterte Strassen und Gassen und ein paar Blumentöpfe vor den öffentlichen Gebäuden genügen nicht, um die Altstadt dauerhaft zu beleben.» Hier werde das Thema Wirtschaftsförderung angesprochen. Der Stadtrat könne in diesem Bereich zwei wesentliche Aufgaben übernehmen: Einerseits kann er durch Marketingaktivitäten auf die Vorteile des Städtchens als Zentrumsgemeinde und den guten Einkaufsstandort hinweisen. Andererseits kann er seine Beratungs- und Vermittlungsdienste anbieten.
Bei der Schule erwartet Claudia Bamert bezüglich der Änderungen der Strukturen und der politischen Zuständigkeit keine grossen Turbulenzen. «Die bisherigen Führungsstrukturen sind gefestigt. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat hat sich in den vergangenen Jahren auf hohem Niveau gefestigt.» Nichtsdestotrotz müsse man sich in der neuen Organisation zuerst finden. Der neue Lehrplan als Beispiel ist noch nicht auf allen Stufen vollständig eingeführt. «Neue Bewertungs- und Unterrichtskonzepte mussten und müssen erstellt und eingeführt werden. Neue Schulfächer sollen in den Schulalltag integriert werden. Des Weiteren wird an der nächsten Sommergemeinde ein neues Informatikkonzept vorgestellt, welches Neuerungen für die Schule bringen wird und die Schule herausfordert, sofern die Stimmbürgerinnen und -bürger dem Konzept zustimmen.»




