Noch einmal davongekommen
11.02.2022 BremgartenEigeninszenierung des Kellertheaters
Vom 26. Februar bis zum 26. März wird im Bremgarter Kellertheater die Eigeninszenierung des Stücks von Thornton Wilder «Wir sind noch einmal davongekommen» aufgeführt.
Marco ...
Eigeninszenierung des Kellertheaters
Vom 26. Februar bis zum 26. März wird im Bremgarter Kellertheater die Eigeninszenierung des Stücks von Thornton Wilder «Wir sind noch einmal davongekommen» aufgeführt.
Marco Huwyler
«Auch die beunruhigendste Gegenwart wird einmal Vergangenheit sein, das ist immerhin tröstlich.» Das Zitat stammt vom US-amerikanischen Autor Thornton Wilder und zeigt exemplarisch, weshalb sich die Verantwortlichen des Kellertheaters entschieden haben, im kommenden Monat dessen Theaterstück aufzuführen.
«Wir wollten ein Schauspiel, das gut in die Coronazeit passt», erklärt Regisseur Dodó Deér. «Weil das Stück viele schwierige Phasen der Menschheitsgeschichte behandelt und trotzdem vor Optimismus sprüht, fanden wir es perfekt in dieser Situation.»
13 Vorstellungen in einem Monat
Auch das Theaterleben in Bremgarten war in der letzten Zeit nicht immer einfach. Proben mussten oft in Kleingruppen abgehalten oder abgesagt werden. Die Vorbereitung auf die Eigeninszenierung deshalb schwierig. Doch dank vielen Sonderefforts und grossem Einsatz sieht man sich jetzt gut gerüstet für die Zeit der Aufführungen. Insgesamt 13 Vorstellungen finden in den kommenden Wochen statt.
Der Vorverkauf ist gemäss den Veranstaltern gut angelaufen – zumindest was die Premiere anbelangt. Danach hat es noch einige freie Tickets.
«Aber wir sind es uns gewohnt, dass die Leute in Coronazeiten eher spontan buchen», sagt Silvan Melchior, der Presseverantwortliche des Kellertheaters. Ausserdem sei auch das Angebot heuer knapper. Aufgrund der Pandemiesituation hat man lockerer gestuhlt als sonst üblich. «Statt 149 Plätze haben wir dieses Jahr nur 90», erzählt Melchior.
Die Verantwortlichen freuen sich auf die Schauspielzeit. So auch Regisseur Deér. «Wir können es kaum erwarten, dem Publikum dieses Stück präsentieren zu dürfen. Auch, weil es bei aller Ernsthaftigkeit viel Mut, Hoffnung und Kraft vermittelt. Viele Menschen können dies momentan gut gebrauchen.»
Eine grosse Kiste
Kellertheater: Eigeninszenierung eines Schauspiels von Thornton Wilder
«Wir sind noch einmal davongekommen» heisst das Stück, an das sich das Bremgarter Schauspiel-Ensemble unter der Regie von Dodó Deér in diesem Jahr heranwagt. Das Stück passt besonders gut in die besondere Zeit, die wir momentan erleben, finden die Veranstalter.
Marco Huwyler
Noch läuft nicht alles perfekt an diesem Mittwochabend, zweieinhalb Wochen vor der Premiere. Mal ein Stolperer, mal ein Lachanfall, mal ein Zusammenstoss. Und Dodó Deér muss zuweilen korrigierend eingreifen. «Du sprichst etwas zu laut», heisst es dann etwa. Oder «diese Elemente müsst ihr umgekehrt platzieren».
Grosso modo ist der Regisseur jedoch sehr zufrieden mit seinem 17-köpfigen Ensemble. «Wir werden bereit sein am 26. Februar», sagt er voller Vorfreude. Insgesamt 13 Aufführungen sind innerhalb eines Monats bis zum 26. März geplant. Aufführungen der Bremgarter Eigeninszen ieru ng des 80-jäh rigen Schauspiels von Thornton Wilder «Wir sind noch einmal davongekommen».
Zwischen Alltag und Geschichte
«Für unser Theater ist das Stück eine grosse Kiste», erzählt Deér. «Die Umsetzung war ziemlich anspruchsvoll.» Dies begann damit, dass das Stück erst einmal ins Schweizerdeutsche übersetzt werden musste. «‹Wir sind noch einmal davongekommen› wurde in den letzten Jahrzehnten nicht mehr oft aufgeführt», berichtet Deér. «Es ist etwas für spezielle Zeiten. Für Zeiten, in denen man sich mit Herausforderungen konfrontiert sieht.» Deshalb sei das Schauspiel vor allem in der Nachkriegszeit sehr populär gewesen. Und passe nun wieder wunderbar, angesichts der Schwierigkeiten, welche die Menschheit während der Pandemielage bewältigen müsse. «Wilder hat eine gute Art, Probleme zu thematisieren. Ernsthaft und tiefgründig – und doch auch mit Schalk und unerschöpflichem Optimismus. Er war ein positiver Mensch.»
Das Schauspiel mit drei Akten spielt gleichzeitig in mehreren Zeiten. Einerseits zeigt es den Alltag einer typisch amerikanischen Familie in den 40er-Jahren, andererseits behandelt es Episoden aus der gesamten Menschheitsgeschichte. Historische und gegenwärtige Zeit greifen ständig ineinander. Die Charaktere von Herr und Frau Antrobus, ihrer Kinder und ihres Hausmädchens sind gleichzeitig Synonyme für Adam, Eva, Kain und Abel. Die Familie steht stellvertretend für die gesamte Menschheit. «Es ist sicherlich anspruchsvoll, auch fürs Publikum, da immer dabei zu bleiben. Aber wir trauen das unseren Gästen zu», zwinkert Deér.
Der Spagat zwischen Kabarettulk und mystischer Tiefgründigkeit, die das Schauspiel verlangt, ist auch für die Darsteller eine Herausforderung – genauso wie das Bühnenbild für alle Beteiligten. «Die Vorstellungen Wilders zu erfüllen, ist eigentlich gar nicht möglich», berichtet der Bühnenverantwortliche Pe Spalinger. «Wir haben uns schliesslich für einen schlichten Raum entschieden, der aufgrund dessen viele Möglichkeiten bietet.» Damit er Tiefgang erhält, wurde der Raum schräg und mit zusammenlaufenden Wänden konzipiert. Um den verschiedenen Szenerien gerecht zu werden, arbeitet man stark mit Licht und Technik. Sieben Beamer sind im Einsatz. Die aufwendigen Hintergrundarbeiten sind auch personalintensiv. Inklusive Technik und Bühnenaufbau sind 40 Personen an der Umsetzung des Stückes beteiligt.
Anders als das Original wird die Bremgarter Inszenierung von «Wir sind noch einmal davongekommen» von einem musikalischen Begleitprogramm umrahmt. Das «Chörchen» des Kellertheaters unter der musikalischen Leitung von Christov Rolla gibt immer wieder amerikanische Songs aus den 20er- bis 40er-Jahren zum Besten. «Wir wollten das einbauen», erzählt Regisseur Deér. «Einerseits weil es eine schöne Ergänzung zum Stück bildet und die richtige Atmosphäre schafft – andererseits aber auch, weil wir einen so hervorragenden Musikverantwortlichen haben.»
Ein schmaler Grat
Gerade das Singen ist jedoch unter den aktuell vorherrschenden Bedingungen mit Maskenpflicht nicht immer einfach. Dennoch halten sich sämtliche Anwesende auch während der Probe strikt daran. Nur wenn ein Schauspieler alleine auf der Bühne ist, darf der Mund- und Nasenschutz abgenommen werden. «Wir sind auch selbst darauf angewiesen, dass sich bis zu den Vorstellungen niemand mehr infiziert», sagt Deér.
Eine Doppelbesetzung der Rollen kann und will man sich beim Kellertheater nicht leisten, sodass ein Coronafall bei den Schauspielern im Prinzip die ganze Inszenierung gefährden kann. Ein schmaler Grat, das weiss auch der Regisseur. «Diesem Risiko waren wir uns die ganze Zeit bewusst. Doch wir Theatermenschen sind unverbesserliche Optimisten. Es wird schon gut kommen», sagt der Regisseur und eifert in seiner Art ganz dem Wesen Wilders nach.



