Der Wandel der Zeit
20.09.2022 Region BremgartenWanda Dufner erinnert in ihrer Graphic Novel «Heimreisen» an ihre Kindheit in Bremgarten
Sie illustriert für nationale und internationale Bücher und Magazine: Illustratorin Wanda Dufner ist auf Erfolgskurs.
Celeste ...
Wanda Dufner erinnert in ihrer Graphic Novel «Heimreisen» an ihre Kindheit in Bremgarten
Sie illustriert für nationale und internationale Bücher und Magazine: Illustratorin Wanda Dufner ist auf Erfolgskurs.
Celeste Blanc
Es sind nicht die typischen Comics, wie man sie kennt, die Wanda Dufner zeichnet. Ihr eigener Stil fällt beim Betrachten ihrer Bilder sofort auf. Ihre «Wimmelbilder», wie sie die Künstlerin bezeichnet, sind bunt und knallig. Oftmals sind mehrere Inszenierungen in einem Bild verflochten.
Dufner scheint mit ihrem Stil einen Nerv getroffen zu haben, denn ihre Werke finden schweizweit und international Anklang. So illustrierte sie bereits für verschiedene nationale und internationale Magazine und Bücher und präsentierte ihre Werke zudem an zahlreichen Ausstellungen, ausser in Bremgarten, Wohlen und Muri auch in Luzern, Winterthur, Lausanne und Genf.
Blick in die Vergangenheit
Mit der Neuauflage ihrer Graphic Novel «Heimreisen» richtet Dufner ihren Blick auf die eigene Vergangenheit. Darin fokussiert sie den Wandel, den die Zeit mit sich bringt, auf vielfältige Art und Weise von ihrer Kindheit bis heute. Ihr Werk präsentiert die Künstlerin aus Fischbach-Göslikon nebst weiteren Arbeiten in ihrer ersten Solo-Ausstellung aktuell in der Zürcher «Grey Gallery», die am Sonntag erfolgreich eröffnet wurde.
Raus vor die Tür
Illustratorin Wanda Dufner findet Inspiration in ihrem Alltag
Es war die Berufsberatung, die Wanda Dufner den Anstoss gab, ihrem Kunsttalent in beruflicher Hinsicht zu folgen. Heute illustriert die 29-Jährige schweizweit und international für Magazine und Bücher und präsentiert ihre Werke in einer eigenen Ausstellung in der Stadt Zürich.
Celeste Blanc
Knallbunt präsentieren sich die zahlreichen Bilder entlang der Wände der «Grey Gallery» in Zürich. Sie zeigen hauptsächlich ein blondes Mädchen, das sich in Alltagssituationen befindet. Hält man beim Betrachten einen Moment inne, realisiert man, dass einem der eine oder andere Ort bekannt vorkommt: Zu erkennen geben sich etwa die Bremgarter Holzbrücke, der Schulhofplatz beim Obertor oder die «Schokoladenseite» von Bremgarten, die sich einem vom Casino aus eröffnet. «Es handelt sich um Darstellungen aus meiner Kindheit, die ich in Bremgarten verbracht habe», erklärt Wanda Dufner, die an ihrer aktuellen Ausstellung Ausschnitte aus ihrem Buch «Heimreisen» präsentiert.
Die 29-Jährige hat 2017 ihr Studium in Illustration an der Hochschule Luzern absolviert. Seither ist sie eine gefragte Illustratorin. Nebst ihrem eigenen Buch hat sie zahlreiche Aufträge für Magazine sowie für Kinderbücher realisiert. Ausserdem gestaltet sie Skulpturen, malt Gemälde und Postkarten und designed selber Aufdrucke für Bekleidungen und Rücksäcke.
Hommage an die Heimat
Mit ihrem Werk «Heimreisen» widmet sich Dufner ihrer Herkunft. Aufgewachsen ist sie in Vogelsang in Bremgarten, bevor sie nach Fischbach-Göslikon zog, wo sie seither wohnt.
Die erste Fassung ihrer Graphic Novel präsentierte die junge Frau im Rahmen des Art Walk 2018, als sie in der alten Post ausstellte. Eine Auswahl ihrer Werke wurde im Bioladen gezeigt. «Der Fokus bei ‹Heimreisen› liegt auf den Veränderungen, die von der Kindheit bis heute passiert sind», erklärt sie. Es sind die Veränderungen, die in vielfältiger Art und Weise passieren. Denn nicht nur die Orte und die Landschaft verändern sich im Laufe der Jahre. «Es sind auch die Beziehungen wie beispielsweise Freundschaften oder die eigene Persönlichkeit, die sich wandeln.» In den letzten anderthalb Jahren hat Dufner ihr Werk überarbeitet. Zusätzliche Bilder sind dazugekommen. Die Neuauflage umfasst insgesamt 296 Seiten. «Bei diesem Projekt habe ich einfach darauf losgezeichnet. Danach habe ich die Bilder so arrangiert, dass sie eine Geschichte erzählen.» Angelehnt an den Comic-Stil haben einige Personen Sprech- oder Gedankenblasen, die erzählen, wie es ihnen geht. Andere wiederum weisen keine Dialoge auf. «Mir ist der Inhalt des Gemalten wichtig. Es muss nicht immer alles ‹gesagt› werden, sondern es soll dem Betrachter die Möglichkeit gegeben werden, darin zu versinken.» Das Werk «Heimreise» ist eine Hommage an ihre Heimat. «Bremgarten ist ein wichtiger Teil meines Lebens, der mich immer begleiten wird.»
Eigeninitiative zahlt sich aus
Dufner malt seit ihrer Kindheit. Schon früh wurde ihr Talent durch einen Kurs für Begabte gefördert. «Es war schon immer das Malen für mich», erzählt sie. In der Malerei verarbeitet sie ihr Erlebtes und Sachen, die sie beschäftigen. «Je mehr ein Projekt meine Erfahrungen widerspiegelt, desto herausfordernder ist die Auseinandersetzung damit.»
Mit ihrem eigenen Stil, einer Mischung aus Graphic Novel, Comic und klassischer Malerei, findet Dufner seit Beginn ihrer Ausbildung Anklang. Mittlerweile ist ihr Kunststil in verschiedenen Bereichen gefragt. Ihre Aufträge, an denen sie mit ihren Bildern mitwirkt, sind so vielfältig wie Dufners Kunst selber: Unter anderem hat sie Illustrationen für das ehemalige Mode- und Lifestylemagazin «friday», das Magazin «Kaleio» und sogar für das Londoner Filmmagazin «Little White Lies» gestaltet. Zusätzlich hat sie Bebilderungen für das Pathos Theater in München erstellt, eine grosse Wandmalerei in der Altstadt von Luzern realisiert und in verschiedenen Büchern, darunter einem Kinderbuch, als Illustratorin mitgewirkt. Dass sie in dieser «Berufsnische» so grossen Erfolg hat, verortet die sympathische Fischbach-Göslikerin aber nicht nur in ihrem Talent. «Vieles war harte Arbeit und hat sich nur aus Eigeninitiative ergeben», erzählt sie. «Es bedingt, dass man auch vor die Tür gehen muss, um auf sich aufmerksam zu machen. Das zahlt sich immer aus.» So reiste Dufner bereits zweimal an die grosse Kinderbuch-Messe in Bologna, um sich und ihre Arbeit bei den Buchverlägen vorzustellen. 2019 kam sie dadurch mit einer mexikanischen Autorin in Kontakt, deren Geschichte sie bildnerisch darstellen durfte. Eine Arbeit, die sie herausforderte. «Ich kenne die mexikanische Kultur nicht und wie das Alltagsleben funktioniert. Da waren viel Recherche und Austausch mit dem Verlag nötig.»
Schönheit im Unangenehmen
Inspiration findet Dufner in ihrem Alltag. Vor allem versuche sie, die «unangenehmen Situationen» im Leben einzufangen, bei denen sie die «Schönheit und das Lustige im Leben» entdecke. Als junge Mutter kennt Wanda Dufner diese nur zu gut. Mit 17 Jahren wurde Dufner schwanger, hat neben ihrer neuen Rolle als Mutter die Schule beendet und weiterführende Schulen besucht. Ihre Erfahrungen brachte sie unter anderem in ihrem Comic-Strip «Herr Lehrer, ich bin schwanger», das sie im Rahmen eines Förderstipendiums ausarbeiten konnte, sowie ihrer Bachelorarbeit «Wieso gehst du immer noch zur Schule, Mama? Ich kann dir doch alles beibringen.» auf Papier. Dabei hat sie Situationen festgehalten, die sie mit ihrem Sohn erlebte. Beispielsweise, wenn er sie schminken wollte, damit sie schön aussieht für andere Männer. «Es sind im Ersten vielleicht Momente, die peinlich berühren und gleichzeitig so viel Leichtigkeit haben.» Das Spannende an Dufners Arbeit sei, dass sie auch immer wieder versuche, die Perspektiven der anderen Personen in ihren Bildern einzunehmen und einzufangen. «Das ist die grosse Herausforderung, die meine Arbeit gleichzeitig so spannend macht.»
Erfolgreiche Vernissage
An diesem Sonntag eröffnete Dufner ihre erste eigene Ausstellung in der «Grey Gallery» in Zürich. «Die Ausstellung war ein voller Erfolg», freut sich die Künstlerin. Dank der guten Lage seien immer wieder Passanten in ihre Ausstellung gelaufen. Vor allem sei es die Farbenvielfalt gewesen, die begeisterte, erzählt Dufner. Nebst den eigenen designten Kleidern verkaufte Dufner diverse Exemplare ihrer Bücher, darunter das Werk «Heimreisen». «Eine Person, die ich persönlich nicht kannte, reiste extra von Biel an meine Ausstellung», freut sich die Illustratorin.



