Fort mit dem Kaiser!
08.12.2023 BremgartenUmesinge mit Mysterienspiel
An den Weihnachtstagen kehrt dieses Jahr ein ganz besonderes Highlight nach Bremgarten zurück. Das Mysterienspiel von Schriftstellerin und Klosterfrau Silja Walter wird vom 20. bis 24. Dezember dreimal im Städtli aufgeführt. Das ...
Umesinge mit Mysterienspiel
An den Weihnachtstagen kehrt dieses Jahr ein ganz besonderes Highlight nach Bremgarten zurück. Das Mysterienspiel von Schriftstellerin und Klosterfrau Silja Walter wird vom 20. bis 24. Dezember dreimal im Städtli aufgeführt. Das dynamische Schauspiel mit mehreren Schauplätzen in der Altstadt ist Teil der Bremgarter Umesinger-Tradition. --red
Das Bremgarter Umesinger-Weihnachtsspiel feiert nach neun Jahren Auferstehung
Im Dezember 2014 erlebte die Bremgarter Altstadt letztmals die Aufführung des weihnachtlichen Mysterienspiels, das Schriftstellerin und Klosterfrau Silja Walter im Jahr 1990 geschrieben hat. Dieses Jahr kehrt es mit drei Aufführungen zwischen dem 20. und 24. Dezember ins Städtli zurück.
Walter Minder
Bei ihrem Weihnachtsspiel liess sich Schwester Maria Hedwig, so ihr Ordensname im Benediktinerinnenkloster Fahr, von der Altstadt und ihrer Geschichte sowie von der Bremgarter Umesinger-Tradition inspirieren, die ihre Wurzeln im 16./17. Jahrhundert hat. Gegründet wurde sie von der damaligen Knaben-Lateinschule. Vor der Heimfahrt über Weihnachten und Neujahr durften die von Klerikern in Latein und vor allem im Kirchengesang unterrichteten Schüler jeweils ein paar Batzen verdienen, indem sie im Städtchen Lieder vortrugen. Auch heute noch ziehen an den Weihnachtstagen Kinder mit roten Mützen und blauen «Gwändli» singend von Haus zu Haus. Der Erlös kommt jeweils einem wohltätigen Zweck zu.
Eine hochaktuelle Geschichte
Silja Walter, die 2011 im Kloster Fahr verstorben ist, hat zu den Liedern der Lateinschule ein Stück geschrieben, das absolut in die heutige Zeit passt. Es wird in diesem Jahr von der Ad-hoc-Theatergruppe unter der Regie von Helen Stierli zusammen mit den «Umesingern» vom Chor der Bremgarter Kantorei unter der Leitung von Heinrika Rimann Beltrán nach neun Jahren erfreulicherweise wieder einmal aufgeführt. Die Uraufführung fand übrigens im Dezember 1991 in der Altstadt statt mit Wiederholungen in den Jahren 1992, 1994 und 2014 in einer von Sonja Killias überarbeiteten Version, die 2014 zudem Regie führte.
Der Herold des Kaisers von Rom kommt ins Reussstädtchen mit der Mitteilung, dass sich alle im Kaiserreich im hiesigen Kornhaus eintragen und zählen lassen müssen, was auf der Strasse lautstark mit dem Ruf «Fort mit dem Kaiser!» quittiert wird. Ein Einheimischer meint sarkastisch: «Was, ein Kaiser befiehlt, die Schweizer zu zählen …» Und tatsächlich kommen viele Fremde nach Bremgarten, um sich zählen zu lassen, wie es der Kaiser befohlen hat. Bald macht sich in den Gassen die Befürchtung breit, dass die Fremden nach der Meldung im Kornhaus für immer im Städtchen bleiben und vom hiesigen Wohlstand profitieren. Nicht fehlen dürfen bei einer Weihnachtsgeschichte die hochschwangere Maria mit ihrem Josef, die vergebens für eine Nacht ein Dach über dem Kopf suchen, auch wenn die Kunde die Runde macht, die junge Frau werde einen Gott gebären. Davon zeugen auch ein Stern am Himmel sowie die Ankündigung, drei Könige seien nach Bremgarten unterwegs. Immerhin: Ende gut, alles gut…
Eine Co-Organisation
Die diesjährige Aufführung in der Unterstadt wird organisiert von Helen Stierli und Heinrika Rimann Beltrán. Neben der Ad-hoc-Theatergruppe und dem Umesinger-Chor der Kantorei wird der Anlass mitgetragen von der Blockflötengruppe der Musikschule Bremgarten unter Leitung von Kathrin Peterhans, einem Ad-hoc-Bläserquartett unter Leitung von Martin Schertenleib sowie durch die Stadtorganistin Susanna Soffiantini. Stierli: «Die Theatergruppe investiert viele Stunden in die wöchentlichen Proben, die nach den Herbstferien begonnen haben und leider Ende November, Anfang Dezember beeinträchtigt waren durch Regen und Schnee.»
Die Theatererfahrung im 17-köpfigen Ensemble ist sehr unterschiedlich. Zwei stehen zum ersten Mal «auf der Bühne», acht haben schon 2014 mitgewirkt, von den restlichen sieben ist ein Mitspieler seit Jahren bei den Produktionen des Kellertheaters dabei, drei sind Mitglieder der Reussbühne Bremgarten und drei haben bei verschiedenen anderen Theatervereinen Erfahrungen gesammelt. Als «Umesinger» sind 35 Kinder im Einsatz, davon singen 25 im Chor der Kantorei mit. Zum ersten Mal sind auch einige Sängerinnen und Sänger des Projektchors der Kantorei dabei. Die Sängerinnen und Sänger kümmern sich jeweils nach der Schlussszene in der Stadtkirche um die Kollekte zugunsten der Stiftung Theodora Schweiz sowie für das Friedensdorf Neve Shalom / Wahat al-Salam – Oase des Friedens in Israel.
Sechs Schauplätze
Der weihnachtliche Anlass beginnt auf dem Stutzplatz/Kreuzplatz mit dem Auftritt des kaiserlichen Herolds. Dann wechselt man zum Kornhausplatz, wo sich Einheimische und Fremde einschreiben müssen. Im Hermannsturm ist der Prophet eingesperrt, der auf Verlangen der in Bremgarten residierenden und einen zwielichtigen Lebenswandel führenden Gräfin von Habsburg hingerichtet werden soll. Bei der Marienkapelle freut sich Josef, hier endlich ein Dach über dem Kopf gefunden zu haben, aber der Vorsteher schmettert das Anliegen mit der Bemerkung ab: «Schluss mit der Narretei, sonst hol ich die Polizei.» Beim Hauptportal der Stadtkirche kommt Maria und Josef der hl. Bischof Nikolaus von Myra entgegen und führt die beiden ins Innere der Kirche, dem letzten Schauplatz des Bremgarter Umesinger-Weihnachtsspiels.
So ist man mit dabei
Das Bremgarter Umesinger-Weihnachtsspiel findet an den folgenden Tagen statt: Mittwoch, 20. Dezember, Beginn 19 Uhr. Samstag, 23. Dezember, Beginn 17 Uhr. Sonntag, 24. Dezember, Beginn 16 Uhr.
Die Vorführungen beginnen immer auf den Stutzplatz/Kreuzplatz in der Unterstadt und enden in der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus. Helen Stierli: «Für Zuschauerinnen und Zuschauer ist es empfehlenswert, etwa 15 bis 20 Minuten vor Beginn der Aufführungen vor Ort zu sein». Das Weihnachtsspiel dauert zwischen 60 und 90 Minuten und findet bei jedem Wetter statt. Das Publikum wandert von Schauplatz zu Schauplatz mit, dem Wetter entsprechende Bekleidung ist daher wichtig. Die Teilnahme ist kostenlos, Kollekte in der Stadtkirche. --wam



