RÜSSTÜFELI
24.07.2026 Bremgarten, KolumneIn der Unterstadt wird derzeit ein geschichtsträchtiges Gebäude saniert (vgl. Berichterstattung vom Dienstag). Während im 19. Jahrhundert hier Fäden gesponnen wurden, fasste im 20. Jahrhundert mit Georg Utz ein Industrieller hier Fuss, der Bremgarten nicht nur ...
In der Unterstadt wird derzeit ein geschichtsträchtiges Gebäude saniert (vgl. Berichterstattung vom Dienstag). Während im 19. Jahrhundert hier Fäden gesponnen wurden, fasste im 20. Jahrhundert mit Georg Utz ein Industrieller hier Fuss, der Bremgarten nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich und politisch prägen sollte. Verständlich also, dass die Firma, die noch immer dessen Namen trägt, dem Haus Sorge tragen möchte. Und wie es der Zufall will, fallen mit der Restaurierung auch gleich drei runde Zahlen zusammen. Wenn die ehemalige Spinnerei Ende Jahres in neuem Glanz erstrahlt, wird sie 190 Jahre alt sein – seit 70 Jahren in Besitz der Georg Utz AG – die ihrerseits ihren 80. Geburtstag feiert. Doch trotz dem Dreifachjubiläum will man das Ganze bei Utz nicht über Gebühr feiern. «Allenfalls intern im kleinen Rahmen», wie Geschäftsführer Carsten Diekmann erzählt. Grund dafür: «Wir kämen ja sonst kaum noch aus dem Feiern heraus», wie Diekmann lachend sagt. Schliesslich habe man den 75. Firmen-Geburtstag ein Jahr lang mit allen möglichen internen und externen Anlässen mehr als gebührend begangen. Und irgendwann brauchts auch mal wieder eine Weile Normalbetrieb, wenn man weltweit konkurrenzfähig und branchenführend bleiben will.
Zumal sich das Bremgarter Traditionsunternehmen auch abseits von eigenen Feiergelegenheiten stets gerne am gesellschaftlichen Leben im Städtli und dessen Anlässen beteiligt. Das beweist man in diesen Tagen einmal mehr. So wird das Utz-Firmengelände nämlich Teil des ArtWalks im September sein. Andreas Kees – seines Zeichens Finanzexperte bei der Georg Utz AG – zeigt im Rahmen des Bremgarter Kunstmonats für einmal seine musische Seite – dort, wo er sonst im Rahmen seiner Arbeit mit Zahlen jongliert. Auf der Rasenfläche vor dem Industrieunternehmen werden rund 15 Urban-Sketching-Werke der Bremgarter Altstadt zu bestaunen sein.
In Bremgarten gehe ein Geist um, war diese Woche aufmerksamkeitsheischend auf Social Media zu lesen. Dokumentiert war der betreffende öffentliche Post mit dem Foto eines menschlichen Schattens in den Altstadtgässchen – wobei der vermeintlich schattenspendende Herr auf dem Bild nirgends zu sehen ist. «Da war… nichts! Keine Stimmen, keine Schritte ja, nicht mal der Schatten!», beteuert der Fotograf, der seinen Schnappschuss fleissig selbst kommentierte. Erst nach dem Entwickeln sei der gruslige Umriss sichtbar geworden.
«Der Geist von Bremgarten!», so der untrügliche Schluss. Das tönt schön schauderhaft fürwahr – und wurde entsprechend fleissig diskutiert und geteilt im digitalen Bremgartern. Doch ganz abgesehen davon, dass es rein rational zahlreiche plausiblere Theorien für diesen Schattenwurf gibt, mutet auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung reichlich seltsam an. Nicht genug damit, dass auf der Fotografie die Weihnachtsbeleuchtung ersichtlich ist – ein Anlass, der mal so gar nicht in die schweisstreibenden Sommerferien passen will. Es handelt sich dabei auch noch um die längst abgelöste alte Weihnachtsbeleuchtung. Womit das fragliche Bremgarter Geisterfoto mindestens neun Jahre alt sein muss. Was den Fotografen wohl geritten haben mag, in diesen Tagen solche altbackenen Schauermärchen zu verbreiten? Immerhin dienen sie dem Rüsstüfeli an dieser Stelle zum Füllen eines Sommerlochs. Womit es dem suspekten Spuk-Fotografen gar ein wenig
Dankbarkeit schuldet.
Marco Huwyler
