RÜSSTÜFELI
17.07.2026 Bremgarten, KolumneFür den Biorhythmus von Fussballliebhabern sind es anstrengende Tage. Angesichts einer Weltmeisterschaft, für die man mal in aller Herrgottsfrühe den Wecker stellen muss – und dann ein paar Tage später bis spätnachts kein Auge zutun darf, wenn man historische ...
Für den Biorhythmus von Fussballliebhabern sind es anstrengende Tage. Angesichts einer Weltmeisterschaft, für die man mal in aller Herrgottsfrühe den Wecker stellen muss – und dann ein paar Tage später bis spätnachts kein Auge zutun darf, wenn man historische Schweizer Sportmomente nicht verpassen möchte. Das bringt auch das Rüsstüfeli ganz durcheinander. Anders kann es sich den Fauxpas nicht erklären, den es sich in der letzten Ausgabe leistete. So schrieb es im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten des «Stiefelchnächts» darüber, dass man beim Triumph über Kolumbien in den frühen Morgenstunden Gipfeli bei Juri Tirez geniessen konnte. Tatsächlich handelte es sich dabei aber um das Spiel gegen Algerien. Gegen Kolumbien war dann beim Gros der Fans wieder das gute, alte Malzgetränk angesagt. Wobei es beim einen oder anderen das eine oder andere zu viel geworden sein dürfte – angesichts dessen, dass das Spiel bis weit nach Mitternacht dauerte und mit einem Penaltykrimi-Hochgefühl endete. Dieses wiederum wurde einige Tage später von Argentinien in Verbund mit dem Schiedsrichter und embolischen Schwalben jäh beendet. Ein Drama zur unchristlichen Uhrzeit, bei dem wahlweise zwischen Bier und Gipfeli alterniert wurde. Womit wir die Schweizer Fussball-Gastro-Chronologie dieser Tage hiermit wieder geradegerückt hätten.
Isi, die Schulkatze, wird sich derweil gefragt haben, was denn diese wunderlichen, nächtlichen Public-Viewing-Menschen ständig in die Nähe ihres Schulhauses verschlug. Dem Vernehmen nach freute sie sich aber über das unverhofft rege Treiben und holte sich ihre Streicheleinheiten nun halt von den Fussballfeierlustigen – wenn die Schulkinder schon in die Ferien entschwebt sind. Über fehlende Aufmerksamkeit kann sich die gute Fellnase aber ohnehin nicht beklagen in diesen Tagen. So ist doch seit dem Artikel, den ihr das Rüsstüfeli kürzlich gewidmet hatte, gar Katzen-Fanpost bei den Verantwortlichen der Schule eingegangen.
In Bremgarten hat es sich eingebürgert, dass die Stadtmusik am Nationalfeiertag einen Auftritt hat – und dabei von der Musikgesellschaft Hermetschwil-Staffeln begleitet wird. Das führte in den letzten Jahren zu prächtigen Bildern, wo man die beiden Formationen in ihren jeweiligen Uniformen Seite an Seite auftreten sah – inklusive Fahnenschwingern. Dieses Jahr wird es nicht dazukommen. Aber nicht etwa, weil die einen oder anderen Musiker abkömmlich wären. Die Hermetschwil-Staffler sind bloss anderweitig beschäftigt. So kümmern sie sich nämlich gemeinsam mit weiteren Vereinen ihres Dorfes um die Gastronomie (vgl. Artikel links). Da liegt es nicht drin, sich zwischendurch mal eben in Schale zu werfen, um feierlich zu musizieren. Schliesslich möchte man auch während des Musikhighlights keinen Verpflegungsengpass riskieren. Und so tritt die Stadtmusik heuer schon fast ungewohnt alleine auf am 1. August.
Die Festrede hält dieses Jahr Jonas Meier. Der ist zwar kein Bundesrat – doch das Rüsstüfeli fragte sich, ob es des Understatements nicht etwas gar viel war, ihn auf dem Flyer bloss als «Bremgarter Bürger» anzukündigen. Schliesslich ist der gute Herr unter anderem immerhin Integra-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der SP Bremgarten. Das Rüsstüfeli ist gespannt, in welche Kerbe er schlussendlich selbst schlägt.
Marco Huwyler
