RÜSSTÜFELI
05.06.2026 Bremgarten, Kolumne«Bevor dann wieder etwas im Rüsstüfeli zu lesen ist, will ich es euch erklären», wandte sich Stephan Troxler an die Ortsbürger. Schliesslich kam der Stadtammann am Dienstagabend daher wie ein schwer gezeichneter Boxer. «Ich hatte einen kleinen ...
«Bevor dann wieder etwas im Rüsstüfeli zu lesen ist, will ich es euch erklären», wandte sich Stephan Troxler an die Ortsbürger. Schliesslich kam der Stadtammann am Dienstagabend daher wie ein schwer gezeichneter Boxer. «Ich hatte einen kleinen Velounfall», führte er aus. Ein Bremsversuch sei schiefgegangen. «Beziehungsweise haben die Bremsen eben funktioniert – etwas zu gut», begründete Troxler sein blaues Auge. Selbstverständlich hätte das Tüfeli ohne diese Ausführungen an dieser Stelle wild zu spekulieren begonnen. Doch auch wenn ihm Mutmassungen über Rathaus-Schlägereien oder dergleichen nun verwehrt bleiben, lässt es sich selbstverständlich nicht nehmen, das Thema hiermit aufzugreifen. Was wäre es denn für ein Tüfeli, wenn nicht. Ein Ammann mit Veilchen ist schliesslich prädestiniert für diese Spalte. Gute Besserung auf diesem Weg!
Da kam es dem Stadtammann gerade recht, dass er an diesem Abend nicht ganz so prominent im Scheinwerferlicht stand wie an Gemeindeversammlungen sonst üblich. Weil das Casino schon für die Bremgarter Kantorei hergerichtet war, verzichtete die Versammlung für einmal auf die Podeste, auf denen die Regierungsvertreter ansonsten ihre Reden schwingen. Und mit etwas gutem Willen durfte man das Ganze gar als symbolisch für eine angenehm geerdet auftretende Regierung werten.
Auch die Technik leistete mit der (Nicht-)Beleuchtung des Casinos ihren Beitrag, das blaue Auge Troxlers, so gut es ging, zu kaschieren. Dabei meinten es die Verantwortlichen etwas zu gut mit dem Dimmen. Zuweilen war es dermassen finster im Saal, dass man die aufgestreckten Hände nicht mehr zählen konnte. Zum Glück waren alle Geschäfte eine eindeutige Sache, sonst hätte man sich danach Fragen zur Legitimität stellen müssen.
Seine erste Versammlung meisterte Troxler grösstenteils mit Bravour. Er führte mit Souveränität und Schalk durch die Geschäfte, sodass diese nie zu trocken wurden. Wobei der Humor zuweilen auch unfreiwillig zustande kam. «… hat 1,74 Millionen Franken betrogen …», führte er beim Holzhandelsbetrieb Wagenrain aus. Wobei das mit dem erschreckend langfingrigen Förster glücklicherweise ein Versprecher war. «Betragen» hätte es heissen sollen – und es ging um den Gesamtaufwand. Der Wagenrain hat im Übrigen gewohnt erfreulich gewirtschaftet.
Der «kleinste Verein Bremgartens» – der Männerclub Hømzgø – feiert heute und morgen seinen 30. Geburtstag mit einer öffentlichen Party beim Schlössligarten. Grund genug für das Rüsstüfeli, dem Jubiläum einen gebührenden Artikel zu widmen (vgl. Ausgabe vom 27. Mai). Dabei erfuhr es auch, dass die skandinavischen «Ø» im Namen bloss ein Jux ohne jegliche Bedeutung sind. Vom Rüsstüfeli aus hätte man dies durchaus lassen können – wurde es doch von den ungewohnten Buchstaben beim Schreiben regelmässig aus dem Rhythmus gebracht und an den Rand der Verzweiflung getrieben. Hømzgø-Präsident Weltsch Stierli hat solche Probleme nach 30 Jahren nicht mehr. «ALT-155 beziehungsweise ALT-0216 für Grossschreibung», kam es ihm auf Nachfrage wie aus der Pistole geschossen. Bleibt der Verein weiterhin so aktiv (und damit berichtenswert), hat solcherlei auch das Tüfeli irgendwann verinnerlicht.
Marco Huwyler
