RÜSSTÜFELI
12.06.2026 Bremgarten, KolumneEtwas schmunzeln musste das Rüsstüfeli ja schon, als es erfuhr, dass sich der Bremgarter Lehrer und Grossrat Stefan Dietrich in Aarau gegen die Hitze in Schulzimmern einsetzt (vgl. Berichterstattung vom Dienstag). So war es diesem schliesslich schon im zarten Frühling ...
Etwas schmunzeln musste das Rüsstüfeli ja schon, als es erfuhr, dass sich der Bremgarter Lehrer und Grossrat Stefan Dietrich in Aarau gegen die Hitze in Schulzimmern einsetzt (vgl. Berichterstattung vom Dienstag). So war es diesem schliesslich schon im zarten Frühling anlässlich der 1.-Mai-Veranstaltung seiner Bremgarter Genossinnen und Genossen zu heiss gewesen. Dennoch läge es dem Tüfeli fern, das Ganze als Mimosentum und Scheinproblem abzutun. Schliesslich kann es sich ja selbst kaum konzentrieren, wenn es im Sommer am Schreibtisch klebt und sich alle paar Sekunden den Schweiss aus den Augen reiben muss. Da tun ihm die Sprösslinge schon gehörig leid, die unter solchen Verhältnissen teils entscheidende schulische Prüfungen ablegen müssen. Wobei Dietrich und seine Kinder ja ansonsten der Lage wegen ziemlich privilegiert sind im Vergleich zu anderen. An deren Stelle würde das Tüfeli an Hitzetagen nämlich einfach klammheimlich ein paar Meter weiter flussaufwärts zügeln – in die benachbarte Badi Isenlauf.
Pech hatte Dietrich mit dem Timing seiner Interpellation. So war es doch gefühlt pünktlich seit dem Vorstoss des Bremgarters gar nicht mehr heiss hierzulande. Und um dem Ganzen das i-Tüpfelchen aufzusetzen, erschien der «BBA»-Artikel über Dietrichs Forderung auch noch just an einem garstigen Regentag, an dem man viel eher daran dachte, wieder den Pullover aus dem Schrank zu nehmen, als denn irgendwelche Schüler beim potenziellen Schwitzen zu bemitleiden. Dietrich muss deshalb darauf hoffen, dass Regierungsrat und Wählerschaft ihr Einfühlungsvermögen von aktuellen eigenen Befindlichkeiten abkoppeln können. Eine Selbstverständlichkeit in der Politik ist dies leider mitnichten.
Zuweilen schickt das Rüsstüfeli auch seinen Nachwuchs an Veranstaltungen im Städtli. Schliesslich wollen auch die Schreiberlinge der Zukunft Gelegenheit erhalten, über Geschehnisse der Region zu berichten. So auch geschehen an der kürzlichen Veranstaltung über «Schwalben und Segler» in Bremgarten (wobei sich das Tüfeli im Nachhinein über den Titel wunderte – erfuhr man doch an der Veranstaltung, dass gar keine Schwalben im Städtli nisten). Der Tüfeli-Nachwuchs machte seine Sache ordentlich. Bloss schrieb er in seinem Bericht über die zahlreichen Arten von «Seglern», ohne dabei zu erwähnen, dass es sich bei den einen um Vögel und bei den anderen um Fledermäuse handelt. Weil dies das Tüfeli auch erst im Nachhinein erfuhr, möchte es dieses Wissen an dieser Stelle gerne mit der Leserschaft teilen. Mauersegler sind Vögel. Alpensegler ebenso. Abendsegler dagegen Fledermäuse. Und alle schwirren sie gleichermassen gerne über und unter den Giebeln unserer Altstadt.
Als das Tüfeli erfuhr, dass man ein Betonklotz als Fischtreppe in die Reuss pflanzen möchte, war es bestürzt. Vor allem natürlich wegen der ungeheuerlichen Verschandelung des berühmten Bremgarter Ortsbildes. Aber ein bisschen auch aus egoistischen Gründen. So könnte es doch seine Dutzenden Schnappschüsse dieser Skyline bei allen möglichen Verhältnissen künftig nicht mehr in der Zeitung verwenden. Schliesslich möchte man da nicht veraltete Bilder sehen. Was künftig bei Nicht-Vorhandensein des Betonbrockens offensichtlich wäre. Ein Problem im Übrigen, das es mit Fotografen und Künstlern aller Art teilt. Von Ansichtskarten über Gemälde bis hin zur Bremgarter Schoggi müsste man alles Mögliche überarbeiten.
Marco Huwyler
