RÜSSTÜFELI
10.04.2026 Bremgarten, KolumneFür das Rüsstüfeli war es ja ein richtiger Jammer, dass die letzte Ausgabe dieser Zeitung auf den 2. statt auf den 1. April fiel. Nur allzu gerne hätte es sich naturgemäss an den witzigen Unwahrheiten beteiligt, die vor einer Woche allenthalben verbreitet wurden. Doch ...
Für das Rüsstüfeli war es ja ein richtiger Jammer, dass die letzte Ausgabe dieser Zeitung auf den 2. statt auf den 1. April fiel. Nur allzu gerne hätte es sich naturgemäss an den witzigen Unwahrheiten beteiligt, die vor einer Woche allenthalben verbreitet wurden. Doch verspätete April-Schickereien gehören sich nicht – weshalb das Tüfeli das Scherzen schweren Herzens anderen überlassen musste. Zum Beispiel der Bremgarter Regierung. «Massnahmen zur Verbesserung des Arbeitsklimas im Rathaus», kündigte der Stadtammann am letzten Mittwoch per Mail sämtlichen Mitarbeitern des Rathauses an. Man sei laufend bestrebt, das psychische und seelische Wohlbefindens am Arbeitsplatz zu verbessern. Und im Zuge dessen habe der Stadtrat sich dazu entschlossen die Gemeindeverwaltung mit einer offiziellen Hauskatze zu beglücken. «Die Katze wird künftig regelmässig in den Büros unterwegs sein, kurze Besuchsfenster wahrnehmen», schrieb Stephan Troxler. Sie stehe im Sinne der betrieblichen Gesundheitsförderung «für Streicheleinheiten und kleine mentale Auszeiten zur Verfügung.» Wobei es alsbald einen Namenswettbewerb für das gute Kätzchen geben sollte.
Zu schade fürwahr, dass es sich dabei bloss um einen Aprilscherz handelte – welchen der Stadtammann dem Vernehmen nach im Verbund mit der einzigen Stadträtin ausheckte. Denn tatsächlich wäre es wirklich so, dass bereits wenige Minuten Katzenkontakt Stress reduzieren und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz steigern können. Dies belegen entsprechende Studien. Beim einen oder anderen gehetzten Miesepeter im Rathaus hätten tierische Streicheleinheiten also vielleicht tatsächlich Wunder bewirken können. Zumal die scherzende Regierung auch bereits mögliche Komplikationen in seiner Katzenankündigung miteinkalkuliert hatte. «Allergiker dürfen sich selbstverständlich weiterhin auf katzenfreie Zonen verlassen», hiess es in Troxlers Ankündigung an seine Mitarbeiter. Wer weiss – vielleicht stösst die Idee intern ja auf dermassen viel Anklang, dass sie dereinst doch noch Realität wird. Das Bedauern war jedenfalls beim einen oder anderen bereits gross, als er bzw. sie erfuhr, dass das Rathauskätzchen doch nicht Teil des Arbeitsalltags wird.
Ein paar Tage später war das Rüsstüfeli im Rathaus zu Gast und fühlte dem neuen Ammann ganz ernsthaft auf den Zahn. Dabei erfuhr es auch wieder einiges, das es aus Platzmangel leider nicht bis in die gedruckte Version des Gesprächs geschafft hatte (siehe Bericht beim Umblättern). Bei der Frage, ob er seinen alten Beruf vermisse, tippte der ehemalige Polizist Troxler etwa bloss vielsagend auf seine Kaffeetasse, die sich seit Amtsantritt als Stadtammann in regem Gebrauch befindet. «Kriminalpolizei Zürich» ist darauf zu lesen – neben dem entsprechenden Logo. Ein Mitbringsel von vielen Nachtschichten in der grössten Stadt der Schweiz. «Abgesehen von einer gelegentlichen Erinnerung beim Kaffee-Konsum habe ich aber gar keine Zeit, daran zurückzudenken», schmunzelt der neue Ammann. «Und überhaupt – als Departementsvorsteher der Repol gibt es immer noch eine gebührende Portion meines alten Berufs in meinem neuen Alltag.» Wobei das Rüsstüfeli bei diesen Worten inständig hofft, dass es mit der Notwendigkeit einer professionellen Drogenfahndung im Städtli noch nicht ganz so weit her ist wie in Downtown Switzerland.
Marco Huwyler
