Die Freundinnen jubeln
28.04.2026 Sport, HandballDie Frauen der SG Freiamt steigen nach einem diskussionslosen 29:20-Sieg in die 1. Liga auf
Irgendwie konstant, irgendwie nervös. Die SG Freiamt gewinnt trotzdem souverän gegen RG Vaud aus der Westschweiz. Das Team lässt sich von den 350 Zuschauern feiern ...
Die Frauen der SG Freiamt steigen nach einem diskussionslosen 29:20-Sieg in die 1. Liga auf
Irgendwie konstant, irgendwie nervös. Die SG Freiamt gewinnt trotzdem souverän gegen RG Vaud aus der Westschweiz. Das Team lässt sich von den 350 Zuschauern feiern und zeigt ganz viel Emotionen.
Stefan Sprenger
Es kommt ganz fest von Herzen. Und das spürt man. Francine Biffiger, die frühere NLA-Spielerin, ergreift nach Spielschluss das Mikrofon. Sie spricht zu den 350 Zuschauern. «Unglaublich schön» sei der Sieg, der Aufstieg, der Support von den Rängen. Das Team dankt zudem dem Trainerduo Jochen Külling und Matthias Baumgartner mit schönen Worten und Geschenken. Und es bedankt sich mit einem Plakat auch bei den Fans «für die Unterstützung». Minutenlang wird geklatscht in der Halle. Es sind schöne Szenen voller Emotionen.
Bedeutend für den Frauenhandball im Freiamt
Im Publikum sitzen ganz viele Juniorinnen, die sich riesig freuen. Marilen Küng, 23 Jahre alt, hat im zweiten Aufstiegsspiel sechs Tore erzielt. Die Murianerin ist selbst Trainerin der U14-Juniorinnen und sagt: «Mein ganzes Team ist hier. Es ist auch für sie ein toller Tag, denn wir haben ihnen gezeigt, was auch sie einmal erreichen können», so die angehende Lehrerin. Der Aufstieg sei auch für die Zukunft des Frauenhandballs im Freiamt von grosser Bedeutung. Küng sagt weiter: «Die Stimmung in der Halle war cool und hat uns getragen.» Die SG Freiamt geht mit einem Drei-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel (25:28) in das Rückspiel dieser Aufstiegsrunde. Gegen RG Vaud aus der Westschweiz wirkt das Team phasenweise hoch konzentriert – aber auch teilweise nervös. Doch auch der Gegner ist wacklig. So gibt es ein fehlerhaftes Spiel. Francine Biffiger, die erfahrenste im Team, analysiert: «Manchmal konstant, manchmal nervös. Wir konnten uns lange nicht absetzen. Aber ich hatte auch nie wirklich Angst, dass wir die Partie aus den Händen geben könnten.» Zur Pause steht es 15:13 für die SG Freiamt. In der 40. Minute steht es 20:18. Alles offen für die Schlussphase. In der 49. Minute trifft der Gast zum 23:20. Geht da noch was für die Westschweizerinnen?
Marilen Küng: «Wir sind neugierig»
Die Antwort ist klar: Nein. Die Luft ist draussen. Den Gästen gelingt bis zum Schlusspfiff kein einziges Tor mehr. So surfen die Freiämter Frauen dem Sieg entgegen. 29:20 heisst es am Ende. Nora Hecht ist mit acht Toren die beste Werferin der SG Freiamt. Die 20-jährige Studentin aus Wohlen sagt: «Ich habe diese 60 Minuten sehr genossen. Ich glaube, ich habe noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt. Das hat uns gepuscht. Das alles gemeinsam mit diesem tollen Team zu erleben und nun den Aufstieg zu feiern, das bedeutet mir viel. Wir haben das alle miteinander geschafft.» Ganz viel hat man investiert. Im letzten Jahr scheiterte man wegen drei Toren am Aufstieg. Und jetzt hat man es geschafft. «Ich versuche immer mein Bestes zu geben. Ich glaube, das ganze Team tut das.
Und das werden wir auch nächste Saison in der 1. Liga tun, wenn unser Ziel klar Ligaerhalt heisst», so Hecht. Die SG Freiamt mit dem Trainerduo Jochen Külling und Matthias Baumgartner hat ihr Ziel erreicht und darf stolz sein. «Wir sind alles Freundinnen im Team. Wir sind neugierig und voller Vorfreude, was in der 1. Liga auf uns zukommt. Wir wollen auch nächste Saison so viel Spass haben wie jetzt», sagt Marilen Küng. Die SG Freiamt feierte in der «Zanzibar» gemeinsam mit den Männern den Aufstieg. Auch ein schönes Zeichen.
Das Ding mit den Boxen
Tröten, Trompeten, Megafone: Es war richtig laut in der Hofmattenhalle. Doch nicht nur deswegen hat man den tollen Speaker Christoph Hajagos nicht verstanden. Das Problem ist länger bekannt: Die Lautsprecher-Boxen in der Hofmattenhalle sind mangelhaft. Auf der oberen Tribüne ist kaum etwas zu verstehen. Es ist der einzige Makel eines tollen Aufstiegstages. «Wir sind an Lösungen dran», sagt Andreas Stierli, Präsident von Handball Wohlen.
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Der Aufstiegsschnupf musste sein
Die legendären Aufstiegshelden von 1989 kommen im damaligen Trikot an die Aufstiegsspiele in der Hofmattenhalle
Nach unzähligen Anläufen klappt es 1989 und der TV Wohlen steigt in die 1. Liga auf. Viele Spieler des damaligen Erfolgs sind auch heute noch mit dem Verein verbunden, schauten sich gemeinsam die Aufstiegsspiele an und sorgten für beste Stimmung.
Der Flügelvirtuose Hansi Hoch, der Denker und Lenker Urs Müller oder der Rückraumshooter Peter Ulrich. Sie alle waren in der Saison 1988/1989 dabei, als der TV Wohlen nach unzähligen Versuchen endlich den erstmaligen Aufstieg in die 1. Liga schafft.
«Halle ist beinahe eingestürzt»
In heissen Duellen gegen Brugg erkämpften sich die Wohler am Ende das Aufstiegsglück. «Die Halle war bei jedem Heimspiel proppenvoll. Beim Aufstiegsspiel ist die Junkholzhalle beinahe eingestürzt. Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen», sagt Koch. Zwei Saisons lang spielt Wohlen in der 1. Liga, erreicht mit dem 4. Schlussrang die beste Klassierung der Vereinsgeschichte. Ein Rekord, der 20 Jahre lang halten wird.
«Wenn ich das gewusst hätte ...»
Am Samstag bei den Aufstiegsspielen der SG Freiamt und der SG Wohlen Mutschellen tauchten einige der damaligen Aufstiegshelden auf – und trugen dabei das Trikot von damals. Alex Milosevic, Trainer der SG Wohlen Mutschellen, traf nach Spielschluss auf die Wohler Handball-Ikonen und meinte: «Wenn ich das gewusst hätte, dann hätten wir in diesen stylischen Trikots gespielt.» Die starken Handballer von damals versprühten viel Freude unter den 500 Zuschauern. Und sie nahmen natürlich auch noch einen obligaten Aufstiegsschnupf, nachdem beide Freiämter Teams den Sprung in die 1. Liga packten. Das musste sein.
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