RÜSSTÜFELI
06.03.2026 Bremgarten, KolumneDem aufliegenden Baugesuch von Swissgrid für neue Hochspannungsleitungen über dem Freiamt weht Wind von zwei Richtungen entgegen (vgl. Berichterstattung vom Dienstag). Während die Gemeinden gemeinsam Einsprache einlegen und eine Erdverkabelung fordern, tut dies eine ...
Dem aufliegenden Baugesuch von Swissgrid für neue Hochspannungsleitungen über dem Freiamt weht Wind von zwei Richtungen entgegen (vgl. Berichterstattung vom Dienstag). Während die Gemeinden gemeinsam Einsprache einlegen und eine Erdverkabelung fordern, tut dies eine Privatpartei mit Unterstützung des Vereins für verträgliche Starkstromleitungen Reusstal (VSLR) auch auf dem privatrechtlichen Weg. Die Gemeinden und der VSLR wollen sich dabei gemeinsam absprechen und austauschen – schliesslich verfolge man ja das gleiche Ziel, heisst es aus dem Bremgarter Rathaus. Verständlich – aber nicht selbstverständlich, wie ein Blick zurück zeigt. Noch vor knapp zwei Jahren tönte das nämlich ganz anders. Weil man sich den Dialog nicht verbauen wollte, distanzierte sich der damalige Stadtammann mit deutlichen Worten vom forsch auftretenden VSLR. Was diesen wiederum ziemlich verärgerte. Tempi passati – denn die Zeit des diplomatischen Dialogs mit Swissgrid ist nun auch für die Gemeinden vorbei. Ab sofort ist man bei der Gegnerschaft harmonisch geeint in der Unzimperlichkeit der Ablehnung von Freileitungen.
Fasziniert von der spannenden Lebensgeschichte und Persönlichkeit des abtretenden reformierten Pfarrers widmete das Rüsstüfeli Ruedi Bertschi vor Wochenfrist einen gebührenden Abgangsartikel. Einen, der selbstredend auch adäquat bebildert sein wollte. Und wie es der Zufall ergab, lichtete das Tüfeli den Porträtierten just so in der Kirche ab, dass es aussah, als wäre der gute Bertschi ein Heiliger. Ein Umstand, der zur Beinahe-Märtyrer-Episode im Leben des Pfarrers wunderbar gepasst hätte. Man könnte jetzt einwenden, dass es bei den Protestanten bekanntlich keinen Heiligenkult gibt. Wobei auch dieser Umstand die Bildsprache nur verstärkt hätte – trat doch der abtretende Pfarrer zeitlebens für die Ökumene und Überwindung der konfessionellen Gräben ein. Und trotz alledem verzichtete das Tüfeli letztlich schweren Herzens auf den Heiligenschein. Denn irgendwo hat das überschwängliche Lob und die Mehrdeutigkeit einer Bildaussage selbst für Liebhaber von derlei seine Grenzen.
In diesen Tagen kommt gleich zweifach Leben in die Marktgasse. Einerseits durch die bunten Zettelchen mit den Glücksbotschaften (siehe Bericht oben links) – andererseits mit der Saisoneröffnung einer beliebten Sommer-Süssspeise (siehe Artikel gleich darunter). Und wie es der Zufall will, liegen die beiden besagten Läden auch noch unmittelbar nebeneinander.
So wird es ab morgen also möglich sein, Glace schleckend beglückt seine eigenen Hochgefühle zu Papier zu bringen – und dabei in den Gedanken Gleichgesinnter zu schwelgen. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Der Frühling in Bremgarten kann kommen.
Marco Huwyler

