RÜSSTÜFELI
20.02.2026 Bremgarten, KolumneSeit dem Dienstagabend ist die fünfte Jahreszeit im Städtli wieder Geschichte. Nicht nur Fasnachtsmuffel können aufatmen – auch bei den Fanatikern, die knapp eine Woche kaum ein Auge zugetan haben, dürfte es nun höchste Zeit gewesen sein, Körper und Geist ...
Seit dem Dienstagabend ist die fünfte Jahreszeit im Städtli wieder Geschichte. Nicht nur Fasnachtsmuffel können aufatmen – auch bei den Fanatikern, die knapp eine Woche kaum ein Auge zugetan haben, dürfte es nun höchste Zeit gewesen sein, Körper und Geist mal wieder etwas Ruhe zu gönnen. Zumal gewisse Verschleisserscheinungen bereits am Sonntag zu beobachten gewesen waren. So ist doch etwa die Schpitelturm-Clique an der Narrenrallye ziemlich behäbig aus den Startlöchern gekommen. Als erste Nummer haben die Bremgarter Fasnächtler ihren Gang durchs Städtli mit einigen Minuten Verspätung angetreten. «Sie sind no echli müed vo gester», warb der Speaker denn auch prompt um Verständnis. Welches ihnen selbstverständlich grossmütig entgegengebracht wurde. Zumal die Kleinen fürs Warten in der Folge wie üblich mit allerlei Süssigkeiten aus den Händen der Narren entschädigt wurden.
Für die Grossen dagegen gibts bei derlei Gelegenheiten ja neben Bonbons und Schöggeli auch ganz anderes zu geniessen – flüssiger Natur. Was neben dem Schlafentzug auch der Hauptursache für die vielen kleinen Äuglein gleichkommt. So wurde denn auch bei der Narrenrallye wieder fröhlich eingeschenkt, damit der kollektive Kater rasch wieder der Feierlaune weichen konnte. Auch die Zuschauer am Gässlirand wurden gleich von mehreren Nummern diesbezüglich beglückt. Schenkten die Fasnächtler doch wahlweise gratis Kafi Luz oder Cüpli an die Gekommenen aus. Wer zum Handkuss kam, musste die alkoholische Gabe indes hüten wie seinen Augapfel, um sie auch rechtzeitig ungetrübt geniessen zu können. Das Rüsstüfeli jedenfalls hat mehrere Individuen beobachtet, in deren Gläsern letztlich so viel Konfetti mitschwamm, dass das Trinken wohl zu einem fraglichen Genuss verkommen ist.
Andernorts kann man derweil in diesen Tagen auch alternativen kulturellen Zerstreuungen frönen. Das Kellertheater lockt in seiner Jubiläumsspielzeit mit den dürrenmattschen Physikern. Nach der grossen Premiere findet heute Abend die zweite von 16 Vorführungen statt. Zu beobachten dabei nicht nur vorzügliche Laienschauspieler, sondern einmal mehr auch ein gelungenes Bühnenbild – welches im Übrigen nicht nur für Kulturliebhaber, sondern auch für Mathematiker seinen Reiz haben dürfte. Ist es doch der Illustration wegen bei einigen Szenen mit zahlreichen hingekritzelten Zahlen und Formeln verziert. Sie sollen tatsächlich alle korrekt sein, wie man dem Rüsstüfeli auf Anfrage versicherte. Leider fehlt es diesem an Fachkenntnis, um dies mit eigenem Verstand zu verifizieren. Vielleicht gibt es ja den ein oder anderen entsprechend bewanderten Leser.
Die Verantwortlichen des Rathauses haben das Tüfeli in diesen Tagen mit dem Wortlaut einer staubtrockenen Publikation zum Lachen gebracht. So war da zu lesen, dass die Stadt Bremgarten «unter Bedingungen und Auflagen» eine Baubewilligung erteilt. An: die Stadt Bremgarten. Bleibt aus Sicht der Stadt Bremgarten bloss zu hoffen, dass die Stadt Bremgarten die Stadt Bremgarten mit den Bedingungen und Auflagen nicht allzu sehr drangsalierte. Damit die Stadt Bremgarten als Bauherrin das betreffende neue Schulhaus in Hermetschwil-Staffeln ohne grosses Federlesen alsbald in Angriff nehmen kann.
Marco Huwyler
