RÜSSTÜFELI
27.02.2026 Bremgarten, KolumneAls pensionierter Geistlicher mit dem Velo von Bremgarten nach Berlin und wieder zurück zu radeln, tönt auf den ersten Blick ambitioniert. Doch beim abtretenden Bremgarter Pfarrer Ruedi Bertschi kommt sowas dem Seelebaumelnlassen gleich. Zumal dem guten Herrn als ehemaliger ...
Als pensionierter Geistlicher mit dem Velo von Bremgarten nach Berlin und wieder zurück zu radeln, tönt auf den ersten Blick ambitioniert. Doch beim abtretenden Bremgarter Pfarrer Ruedi Bertschi kommt sowas dem Seelebaumelnlassen gleich. Zumal dem guten Herrn als ehemaliger Militärradfahrer-Unteroffizier das Fortbewegen per Zweirad im Blut liegt wie dem Fisch das Schwimmen. Auch im Städtli pflegte er die Distanzen im Alltag stets per Drahtesel zu meistern. Und auch seinen Kindern hat er das Velo-Gen schon früh eingeimpft. «Ich bin mit allen dreien mindestens einmal über den Gotthard geradelt», berichtete der 65-Jährige dem Rüsstüfeli lächelnd vom Bertschi-Drill. Da brauchen sich die Städtli-Protestanten um ihren Ex-Pfarrer angesichts der 2 x 1000 Kilometer bis zur deutschen Hauptstadt wahrhaft keine Sorgen zu machen.
Vor ein paar Wochen hat das Rüsstüfeli in seiner Zeitung über das Wirken der Bremgarter Künstlerin Susanne Brem berichtet. Und offenbar wird der «BBA» auch im Tessin gelesen. Anders kann es sich das Tüfeli jedenfalls nicht erklären, weshalb sich schon wenige Tage danach das RSI bei der Bremgarterin meldete, um mit der Künstlerin ausführlich über ihr spannendes «Urban Sketching»- Wirken im Städtli zu sprechen. Brem schlug sich auch auf Italienisch wacker – und bescherte damit nicht nur sich selbst, sondern ganz Bremgarten prominente Fernsehpräsenz in unserem südländischen Landesteil. Wer demnächst also vermehrt italienischsprechende Touristen in unserer Altstadt antrifft, braucht sich nicht zu wundern.
Berlin? Tessin? Seelenbaumelnlassen? Dass es dafür weite Reisen bräuchte, darüber können Ortskundige nur lachen. Sie wissen, dass man Inspiration und Ruhe nicht nur in weiter Ferne, sondern auch direkt vor der Haustüre findet. Am offensichtlichsten geschieht dies wohl am Flachsee. Aber auch andere Gebiete der Reuss entlang sind prädestiniert dazu. Man denke dabei nur an die Alte Reuss in Künten-Sulz. Die Fischereikommission der Ortsbürgergemeinde Bremgarten möchte diese in den nächsten Jahren aufwerten, damit sie noch viel schöner wird, als sie es ohnehin heute schon ist. Der Laie sieht an der Alten Reuss wildromantische kleinere Wasserflächen, die in schier undurchdringbare und gefährlich sumpfige Schilfbestände übergehen. Nur gut, führt hier ein Weg entlang. So gelangt man gemütlich durch das Gebiet, ohne die Orientierung zu verlieren. Dabei bietet sich alle paar Meter ein neues fantastisches Bild. Umso schöner, dass die Fischereikommission diese Alte Reuss nicht nur erhalten, sondern auch aufwerten möchte. Sie fügt sich in ein Mosaik von Naturgebieten ein, welches noch dieses Jahr einen weiteren Zuwachs erhält.
Wenige hundert Meter flussabwärts des ehemaligen Einflusses der Alten Reuss in die Reuss wird in Fischbach-Göslikon noch dieses Jahr ein zugeschütteter Reussarm reaktiviert. Auch dieses Gebiet direkt nördlich der Sandbank wird künftig zum Seelenbaumeln einladen. Ab dem Spatenstich kommen aber zuerst Freunde von handfesten Baggerarbeiten auf ihre Kosten. Pro Natura verspricht, dass die Bevölkerung die Arbeiten gut beobachten und mitverfolgen kann. So findet jeder die Erholung, die ihm am besten tut. Und das oft direkt vor der Haustüre im geliebten Freiamt. --huy/rwi
