RÜSSTÜFELI
30.01.2026 Bremgarten, KommentarWen es am Valentinstag nach Geselligkeit dürstet, hat heuer in Bremgarten wahrlich die Qual der Wahl. Beide Kirchen veranstalten einen speziell gestalteten Gottesdienst inklusive Apéro im Anschluss. Die Fasnacht ist in vollem Gange und dessen grosses Highlight ...
Wen es am Valentinstag nach Geselligkeit dürstet, hat heuer in Bremgarten wahrlich die Qual der Wahl. Beide Kirchen veranstalten einen speziell gestalteten Gottesdienst inklusive Apéro im Anschluss. Die Fasnacht ist in vollem Gange und dessen grosses Highlight «Rüssknallerball» lädt vom frühen Abend bis tief in die Morgenstunden zum närrischen Feiern ein. Und wer es etwas tiefgründiger mag, wird im Kellertheater zur grossen Premiere der diesjährigen Eigeninszenierung geladen – selbstverständlich auch dies mit der Möglichkeit zum Barbesuch im Anschluss. Bleibt bloss zu hoffen, dass in all dem feuchtfröhlichen, geselligen Trubel auch die innige Zweisamkeit am Tag der Liebe nicht zu kurz kommt.
In der Eigeninszenierung des Kellertheaters wirken heuer auch so junge Protagonisten wie lange nicht mehr (siehe Berichterstattung beim Umblättern). Das ist einerseits sehr erfrischend – andererseits birgt die Einbindung von schulpflichtigen Teenagern auch so ihre Tücken. Nicht genug damit, dass man Rücksicht zu nehmen hat auf wichtige Prüfungstermine und dergleichen – nein, mitten in der intensivsten Vorbereitung, kurz vor der Premiere, findet auch noch ein Skilager statt. «Damit müssen wir umgehen können», seufzt die Regisseurin schmunzelnd. Schweren Herzens lässt sie ihre Schauspielerin dorthin ziehen. Sofern sie die Flöte auch mit im Gepäck hat.
Dürrenmatts Klassiker «Die Physiker» wird in Bremgarten auf Schweizerdeutsch aufgeführt. In welchem Dialekt dies denn geschehe, wollte ein Beobachter von der Oltener Regisseurin wissen. «Also Vorschriften diesbezüglich mache ich keine», lächelte Käthi Vögeli. Wo käme man da auch hin, wenn die armen Schauspieler neben dem schwierigen Text auch noch die Feinheiten eines allenfalls ungewohnten Dialekts einstudieren müssten. «Obwohl – ich erinnere mich – einmal hatte ich eine Walliserin …» Dort habe sie dann schon ein-, zweimal darum bitten müssen, eine Flachlandverständliche Ausdrucksweise anzunehmen. Probleme, die sie jetzt in Bremgarten zum Glück nicht antraf.
Für das Rüsstüfeli unerwartet keine Probleme gibt es ein paar Hundert Meter südöstlich des Kellertheaters in Zufikon zur etwa gleichen Zeit. Das Tüfeli war zuerst etwas verwirrt, dass die Sädelgeischter am Vorabend des Schmutzigen Donnerstags ein Warm-up in Zufikon organisieren, von dem Fasnachtsverrückte um 2.30 Uhr mit einem Shuttlebus nach Wohlen fahren können, wo sie direkten Bahnanschluss nach Luzern erhalten. Das Tüfeli dachte nämlich, dass in diesem Shuttlebus auch Mitglieder der Sädelgeischter mitfahren. Das würde aber nicht mit deren Plänen aufgehen, am frühen Morgen des Schmutzigen Donnerstags in Zufikon selber um 5.55 Uhr zusammen mit den Schülern die Bevölkerung zu wecken. Das Geheimnis: Die Sädelgeischter bleiben lieber in der Nähe ihres geliebten Sädels – und somit in Zufikon. Wie sehr es sie schmerzt, nicht gleich mit ihren Warm-up-Gästen in die Fasnachtshochburg Luzern zu fahren, weiss das Rüsstüfeli nicht. Die eine oder andere (zu diesem Zeitpunkt wohl müde) Träne fliesst aber sicher. Umso schöner wird es für die Zufiker sein, wenn sie die Umherchauffierten an einem ihrer beiden Bälle am Freitag und Sonntag erneut begrüssen können. Das wäre angesichts der grossen Opfer sicher fair. --huy/rwi
