RÜSSTÜFELI
23.01.2026 Bremgarten, KolumneIm Schweizerdeutsch gibt es bekanntlich keine allgemeingültigen Rechtschreibregeln. Und so darf, wer sich der Mundart schriftlich bedient, ohne jeglichen Zwang darüber verfügen, wie er ein Wort gestaltet resp. so schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. ...
Im Schweizerdeutsch gibt es bekanntlich keine allgemeingültigen Rechtschreibregeln. Und so darf, wer sich der Mundart schriftlich bedient, ohne jeglichen Zwang darüber verfügen, wie er ein Wort gestaltet resp. so schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Das kann durchaus angenehm sein – etwa im ungezwungenen digitalen Schriftverkehr. Doch wenn es dann offiziell bzw. öffentlich wird, ist der vogelfreie Sprachregel-Zustand mehr Fluch als Segen. Das Rüsstüfeli kennt dies bestens aus seinem Beruf. Kommt es doch des Öfteren ins Grübeln, wenn es gesagte Worte Dialekt-authentisch verschriftlichen möchte. Vor einem ähnlichen Dilemma standen die Bremgarter Fasnachtsverantwortlichen, als sie ihren neuen Vereinsnamen in den Statuten verewigten (siehe Berichterstattung beim Umblättern). «Brämgarte» oder «Bremgarte»? «Esch» oder «isch»? Zumindest potenziell berechtigte Fragen. In der Realität aber wars anders: «Wir hatten darüber absolut keine Diskussionen», schmunzelt die neue Fasnachts-Co-Präsidentin Carolina Wipf. Ein Umstand, der auch exemplarisch die lokale Verwurzelung der Verantwortlichen zeigt. Denn ein zugezogener Zürcher dürfte ob der gewählten Schreibweise durchaus seine Nase rümpfen.
In Bremgarten fest verwurzelt sind auch die Mitglieder der örtlichen Feuerwehr. «Für meine Stadt allzeit bereit!» lautet das offizielle Motto. Dass dies mehr als nur ein Spruch ist, bewiesen die Einsatzkräfte kürzlich wieder. Vor ein paar Tagen hatten sie ihre Feuertaufe im neuen Jahr zu bestehen. Es war indes eine, die eher zum Schmunzeln anregt, denn eine Herausforderung darstellte. So rückte die alarmierte Mannschaft nämlich ins Kloster aus, von wo aus ein Feueralarm ausgegangen war. Doch vor Ort stellten die Einsatzkräfte fest, dass nicht etwa ein Gotteshaus in Brand geraten war – nein, die Geistlichen im Kloster hatten es bloss mit dem Weihrauch ein wenig übertrieben. Sie lösten mit ihrem rituellen Treiben eine automatische Brandmeldeanlage aus. Und so brauchten die Löschkräfte lediglich die Räumlichkeiten ein wenig zu lüften, bevor sie wieder in den Feierabend entlassen wurden.
Eine erfreuliche Nachricht aus Bremgarter Sicht erreichte uns diese Woche aus Aarau. So stellt das Städtli nämlich die zweitbeste Primarschul-Tanzgruppe des Kantons (vgl. Berichterstattung auf der «Letzten» vom Dienstag). Eine tolle Leistung fürwahr – einen Pokal gibt es indes nur für die Erstplatzierten. Dennoch recken auch die Bremgarter Schülerinnen auf dem Podest stolz ein Utensil empor. Dabei handelt es sich um den Löwen Leo – das Maskottchen von Bremgarten Tourismus. Nicht genug damit also, dass die Mädchen mit tänzerischen Höchstleistungen glänzen – sie betreiben dabei auch noch Standortförderung für die Heimat. Man darf im Städtli wahrlich stolz sein auf die Kleinen.
Der grosse Fasnachtsumzug steigt heuer nicht in Bremgarten. Es soll aber Familien mit Kleinkindern geben, die darüber gar nicht so unglücklich sind. Ist doch die Narrenrallye aus Elternsicht ungleich stressfreier. Darüber hinaus gibt es weitere Argumente dafür, am Fasnachtssonntag im Städtli zu bleiben. Denn anders als in Wohlen bleibt die Umzugsroute hier die Altbekannte. Die konkurrenzlos schönste Route ist sie ohnehin. Das dürfte zweifelsfrei feststehen, wie das Rüsstüfeli findet.
Marco Huwyler
