RÜSSTÜFELI
04.07.2025 Bremgarten, KolumneDie Verabschiedung von Bremgartens Gesamtschulleiter Guido Wirth nach 45 Schuljahren war eine grosse und überaus gelungene Sache. Wobei der Verabschiedete beteuert, davon bis im letzten Moment gar nichts mitbekommen zu haben. Dafür gingen die Organisierenden aber auch äusserst ...
Die Verabschiedung von Bremgartens Gesamtschulleiter Guido Wirth nach 45 Schuljahren war eine grosse und überaus gelungene Sache. Wobei der Verabschiedete beteuert, davon bis im letzten Moment gar nichts mitbekommen zu haben. Dafür gingen die Organisierenden aber auch äusserst perfide vor. So wurde Wirth für eine Sitzung ins Rathaus gelockt. «Als diese zu Ende war, merkte ich erstmals, dass etwas im Busch sein muss, weil alle so grinsten», erzählt er. Spätestens draussen dämmerte Wirth dann, dass ihm zu Ehren Spezielles anstand. So wurde er doch mit einem Einsatzfahrzeug der Repol durch die Altstadt über die alte Holzbrücke unter Blaulicht zur Schule gefahren.
Dort erwartete den langjährigen Schulleiter ein Chor aus 1300 Kehlen, der in seiner Vielfalt seinesgleichen sucht. Von Dreikäsehochs, «die mir kaum bis zu den Knien reichen», bis hin zu hochaufgeschossenen Teenagern, «die mich um einen Kopf überragen», war alles auf den Beinen, um Wirth stimmlich gebührend zu verabschieden. Ein einmaliges Erlebnis für alle Anwesenden. Eigentlich ein Jammer, dass der spezielle Bremgarter Chor nicht öfters in dieser Besetzung musiziert, findet das Rüsstüfeli.
Obwohl er ein waschechter Bremgarter ist und viele Jahre hier wirkte, wohnt Guido Wirth nicht mehr im Städtli selbst, sondern in Rottenschwil. «Das war keine bewusste Entscheidung gegen meine Heimatstadt – aber mit den Jahren habe ich gemerkt, dass die Trennung auch seine Vorteile hat.» So war Guido in Bremgarten der Schulleiter, während er in Rottenschwil nur der Wirth sein durfte. «So kann man sich in der Migros ruhig dem Einkauf widmen, statt sich auch dort bekanntheitsbedingt mit Schulreformen und Promotionen herumzuschlagen», erzählt Wirth schmunzelnd.
Auch zwei Dörfer weiter nördlich von Bremgarten (also reussabwärts) geht eine langjährige und verdiente Person in derselben Funktion wie Guido Wirth in Pension. Regula Meier Rösti leitete 20 Jahre lang die Künter Schule. Im Unterschied zu Wirth wohnte Meier-Rösti aber nie in «ihrem Schulleiterdorf». Trotzdem ist der Anglikerin Künten sehr ans Herz gewachsen. Und für sie war es der schönste Job überhaupt, auch wenn damit viel Stress verbunden gewesen ist. Schon sehr bald darf sie es etwas ruhiger nehmen.
Etwas ruhiger nehmen können es auch die zahlreichen Oberstufenschüler der 3. Klasse, welche in dieser Woche aus dem obligatorischen Unterricht entlassen wurden – das zumindest, bis ihre Lehre oder ihr Kantonsschulunterricht beginnt. Mindestens viele Schüler der 3. Bezirksschule Mutschellen scheinen auf den künftigen Ernst des Lebens hervorragend vorbereitet worden zu sein. Auch wenn das nicht freiwillig geschah. Immer wieder wurden an deren Abschlussfeiern die Wechsel der Klassenlehrer angesprochen. Und das Rüsstüfeli spürte, wie wichtig den Schülern diese Lehrpersonen als Konstante gewesen wären. Das Rüsstüfeli fragt sich, ob die schwierige Situation den Schülern nicht doch mehr genutzt als geschadet hat. Denn in einer Welt, die sich aktuell stark wandelt, ist Anpassungsfähigkeit wohl eine Schlüsselkompetenz.
--huy/rwi