Rückkehr der Stars
02.11.2022 RingenRingen, Nationalliga A: RS Freiamt – RC Willisau 15:19 (8:9)
Trotz erneuter Niederlage gegen Willisau ist der RS Freiamt die Halbfinalteilnahme nicht mehr zu nehmen. Der Kampf der Vorjahresfinalisten stand im Zeichen der Rückkehr zweier grosser ...
Ringen, Nationalliga A: RS Freiamt – RC Willisau 15:19 (8:9)
Trotz erneuter Niederlage gegen Willisau ist der RS Freiamt die Halbfinalteilnahme nicht mehr zu nehmen. Der Kampf der Vorjahresfinalisten stand im Zeichen der Rückkehr zweier grosser Namen.
Josip Lasic
Am Ende fängt sich Freiamt-Trainer Marcel Leutert noch eine Gelbe Karte ein. Er protestiert gegen die letzte Wertung im Kampf zwischen der RS Freiamt und Willisau.
Ursache für die Reklamation sind die vier Punkte, die der Kampfrichter dem Willisauer Tobias Portmann gibt. Er hat Randy Vock vermeintlich in die gefährliche Lage gebracht. «Das war nicht so. Randy war nicht in der gefährlichen Lage», sagt Leutert. «Er dreht ihn erst, als er schon am Boden ist.»
Zurfluh chancenlos gegen Reichmuth
Doch die Wertung bleibt, wie sie ist. Portmann bezwingt Vock mit 5:0 nach Einzel- und 3:0 nach Mannschaftspunkten. Das führt zu einem 19:15-Sieg der Willisauer. Bitter, denn Vock hat einen guten Kampf gezeigt und hätte nur einige wenige Sekunden durchhalten müssen, um einen Punkt für Passivität seitens Portmanns zu bekommen. In diesem Fall hätte er mit 2:1 gewonnen. Der Kampf zwischen Willisau und Freiamt wäre unentschieden ausgegangen. «Am Ende hatte ich nicht mehr so viel Energie», sagt der Freiämter. «Ich habe auch deshalb einen Fehler gemacht, der es ihm erlaubt hat, zu punkten. Im Grossen und Ganzen bin ich aber zufrieden mit meinem Auftritt.» Es war Vocks erster Kampf in der Mannschaftsmeisterschaft seit Dezember des Vorjahres. Damals bezwang er im Finalrückkampf gegen Willisau ausgerechnet Tobias Portmann mit 2:1. Die bisherigen Duelle der Freiämter in dieser Saison hat er verletzungsbedingt verpasst. «In den nächsten zwei Kämpfen bis zum Halbfinal will ich wieder auf der Matte stehen, um in den Wettkampfrhythmus zu kommen», erzählt der EM-Bronze-Gewinner von 2019.
Vock ist nicht der einzige grosse Name, der an diesem Abend sein Comeback gefeiert hat. Stefan «Stifi» Reichmuth, Olympiateilnehmer von 2021 in Tokio und ein sehr guter Freund von Vock, stand ebenfalls wieder auf der Matte. Haben sich die Kollegen im Vorfeld abgesprochen, dass sie am gleichen Tag zurückkommen? Vock: «Nein. Dabei haben wir vorher noch telefoniert. Aber keiner hat dem anderen verraten, dass er ringen wird. Irgendwie haben wir es aber beide gespürt. Es war schön, dass ich wieder mit ihm auf der Matte sein konnte. Auch wenn es für ihn deutlich besser lief.»
Reichmuth hat Willisau sogar seit dem Finalhinkampf der letzten Saison in der Mannschaftsmeisterschaft gefehlt. Seine Rückkehr war in der Tat von mehr Erfolg gekrönt als Vocks. Roman Zurfluh wird vom Innerschweizer gnadenlos ausgepunktet. 0:18 nach Einzel- und 0:4 nach Mannschaftspunkten heisst es am Ende. «Ich bin zufrieden mit meiner Rückkehr», sagt Reichmuth lächelnd. Dass er und Vock wieder ringen, ist auch ein Zeichen, dass es langsam in Richtung Halbfinals geht und die beiden Teams ihre Leistungsträger auf Betriebstemperatur bringen wollen. Im Hinblick auf die K.-o.-Phase nimmt Leutert auch viel Positives mit, trotz der Niederlage. «Randy hat gegen den vermutlich besten Freistilringer der Schweiz bis 75 kg eine gute Leistung gezeigt. Und auch sonst war das sehr souverän von uns. Es war ein spannender Kampf bis zum Schluss und mit etwas Glück hätten wir auch als Sieger von der Matte gehen können.» Flurin Meier, der den Abend mit einem Schultersieg eröffnet, Kimi Käppeli, der seinen Kontrahenten auspunktet, und Leuterts Söhne Nils und Nino, die ebenfalls souveräne Siege einfahren, tragen zur guten Laune des Trainers bei.
Big Point für Christian Zemp
Den vielleicht beeindruckendsten Erfolg des Abends fährt aber Christian Zemp ein. Er trifft auf Willisaus zweites Aushängeschild, Samuel Scherrer. In der Vergangenheit gab es bereits enge Kämpfe zwischen den beiden, aber auch deutliche Niederlagen für Zemp. Denn der Greco-Spezialist der Freiämter ist um einiges leichter als sein Innerschweizer Gegner. Diesmal spielt das keine Rolle. Taktisch clever und sehr souverän geht Zemp mit 3:0 in Führung. Und als Scherrer zwischenzeitlich ausgleicht, bleibt Zemp cool, holt sich die Führung wieder und siegt gegen den EM-Silber- und WM-Bronze-Gewinner. Leutert: «Das war ein sehr guter Kampf von Christian. Absolut souverän, wie er da aufgetreten ist.» Vock: «Gegen Sämi kann man im Normalfall keinen Sieg budgetieren. Das war wirklich stark von Christian.»
Am Ende könnte die Niederlage der RS Freiamt sogar entgegenkommen. Sollte Willisau am kommenden Wochenende gegen Kriessern gewinnen, würden die Freiämter im Halbfinal voraussichtlich auf die Ostschweizer treffen. Leutert: «Da hätten wir nichts dagegen. Unser Ziel ist die Finalteilnahme. Und ich rechne uns mehr Chancen gegen Kriessern aus als gegen Willisau.» Die spannende Phase der Meisterschaft beginnt langsam. Die RS Freiamt hat noch zwei Kämpfe, bevor es in die Halbfinals geht. Am Samstag, 5.November, 20 Uhr, in Schattdorf und am Samstag, 12. November, 20 Uhr, zu Hause in Merenschwand gegen Einsiedeln. Die Halbfinals finden am 19. und 26.November statt.


