Die Post als Theater
04.11.2022 BremgartenDie ehemalige Poststelle Bremgarten1 beim Obertorplatz wird wieder genutzt
Das Kellertheater hat einen mindestens zweijährigen Mietvertrag mit der Post abgeschlossen. Die Räumlichkeiten der alten Post dienen dem Verein künftig als Proberaum. Aber nicht nur. ...
Die ehemalige Poststelle Bremgarten1 beim Obertorplatz wird wieder genutzt
Das Kellertheater hat einen mindestens zweijährigen Mietvertrag mit der Post abgeschlossen. Die Räumlichkeiten der alten Post dienen dem Verein künftig als Proberaum. Aber nicht nur.
Marco Huwyler
Wo vor 2015 über zwei Jahrzehnte lang Briefe und Pakete aufgegeben, abgeholt und Einzahlungen getätigt wurden, erhalten nun die neusten schauspielerischen Darbietungen Bremgartens ihren Feinschliff.
Seit dem 1. September läuft der Mietvertrag, der zwischen dem Kellertheater und der Schweizerischen Post abgeschlossen wurde. Emsig haben die Theaterleute seither die Räumlichkeiten nach ihrem Bedürfnis und Gusto eingerichtet.
An den Fenstern hängen Gastspielplakate für die gerade laufende Saison. Mit Erlaubnis von Stadt und Post wurde in der ehemaligen Schalterhalle eine neue Wand aufgezogen. Sie trennt den Proberaum vom künftigen Materiallager. Pausenecken mit Kaffeemaschinen und Kühlschränken machen den Raum gemütlich. Während im Zentrum derweil die Bühne des Kellertheaters nachgebildet wird, damit unter realistischen Bedingungen geprobt werden kann.
Keine Aufführungen
Mit dem neuen Proberaum in der alten Post haben die Theaterleute eine optimale Lösung für ihr Platzproblem gefunden. Hierher kann nun für fast alles ausgewichen werden, was im Schellenhaus gerade keinen Platz oder keine Zeit findet. Lediglich Aufführungen sind in der ehemaligen Post zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht erlaubt.
Gemäss den Verantwortlichen ist dies derzeit auch nicht angedacht. «Vielleicht werden wir in Zukunft allenfalls einzelne spezielle Projekte hierherverlegen. Aber sicher nicht im grossen Stil», sagt Kellertheaterpräsident Simon Landwehr. Dies sei auch gar nicht nötig. «Denn dank dieser Lösung fallen sämtliche Terminkollisionen zwischen Aufführungen und Proben weg. Nach vielen Jahren haben wir nun keine Probleme mehr mit der Aufführungskapazität.»
«Eine absolute Traumlösung»
Das Kellertheater als neuer Mieter der alten Post
Seit rund zwei Monaten können die Räumlichkeiten der alten Bremgarter Post beim Obertorplatz vom Kellertheater zum Proben genutzt werden. Die Verantwortlichen sind glücklich über die neuen Möglichkeiten.
Marco Huwyler
Wer in den Abendstunden in Bremgarten auf den Bus wartet, der bekommt, wenn er Glück hat, seit Neustem ein exklusives Abendprogramm geboten. Hier, beim Obertorplatz, gut einsehbar für alle Passanten, proben seit einigen Wochen die Leute vom Kellertheater. «Damit haben wir nach Jahren endlich unsere akute Raumnot behoben», sagt Kellertheater-Präsident Simon Landwehr glücklich. «Für uns war der Standort beim Obertorplatz die absolute Wunschlösung. Dass es nun gelungen ist und wir tatsächlich hier die Räumlichkeiten beziehen dürfen, ist ein kleiner Traum, der in Erfüllung geht.»
Eine Erleichterung
Das Kellertheater ist im Laufe der Jahre gewachsen. Immer mehr Veranstaltungen finden im zweiten Stock des Schellenhauses statt. Diese Saison sind es gegen 100. Angesichts dieser Auslastung Zeit und Platz zum Proben der Eigeninszenierungen zu finden, wurde daher zur immer grösseren Herausforderung. «Wir sind in den letzten Jahren aufgrund von Engpässen auf halb Bremgarten ausgewichen», sagt Vorstandsmitglied Pascal Eichenberger lachend. «Teilweise haben wir in Schulzimmern und Privaträumen geprobt. Dass wir nun eine neue permanente Lösung gefunden haben, erleichtert uns ungemein.»
In der ehemaligen Postfiliale werden künftig die Eigeninszenierung, das Figurentheater und die Theaterprojekte der jungen Bühne einstudiert. Auch die Kurse des Jugendspielklubs «infiziert» werden hier stattfinden. Zudem wird die Liegenschaft als Ausweichraum für Sitzungen, das Techniklager und Tonkurse genutzt. «Der neue Proberaum gibt uns Luft in jeder Beziehung und ist daher auch eine grosse Erleichterung», sagt Landwehr. «Und die zentrale, gut zugängliche Lage in unmittelbarer Nähe zum Kellertheater ist für uns natürlich perfekt.»
Langer Leerstand
Die Leute vom Kellertheater hatten schon lange ein Auge auf die Räumlichkeiten der alten Post geworfen. Seit der gelbe Riese den Standort beim Obertorplatz seit nunmehr bald acht Jahren grösstenteils geräumt hatte (die Schliessfächer und der Postomat sind geblieben), war die ehemalige Schalterhalle leer und weiterhin in Besitz der Post.
Die Idee, sich hier zum Proben einzumieten, ist den Verantwortlichen schon vor Jahren gekommen. «Wir haben es immer wieder versucht», sagt Eichenberger. Die Post indes zögerte lange. Man wollte sich offenbar die Option der Eigennutzung weiterhin offenhalten.
Im März 2021 wagte das Kellertheater in der Person von Marco Erni schliesslich einen weiteren Anlauf. Über Monate hinweg stand man nach ersten zögernd positiven Signalen anschliessend mit den Immobilienverantwortlichen der Post in Kontakt, präsentierte ein klares Konzept und versuchte die Verantwortlichen von der Idee zu überzeugen.
Erni und seine Mitstreiter hatten dabei einige Hürden zu überwinden. Beispielsweise liegt die Immobilie des Obertorplatzes 5 in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen. Eine Vermietung an Drittpersonen ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Damit dies geht, muss ein öffentliches Interesse geltend gemacht werden. Zum Glück des Vereins sah die Stadt ein solches mit der Nutzung als Proberaum im Rahmen der Kulturförderung als gegeben an. So wurde schliesslich die Bewilligung erteilt. Und auch bei der Post zeigte man sich schlussendlich konziliant. «Am Anfang war die verlangte Miete für uns noch viel zu hoch», erzählt Erni. «Doch nach einigen Gesprächen sind sie uns ziemlich entgegengekommen. Dafür sind wir dankbar.»
Allenfalls ein Untermieter?
So passte die neue Lokalität am Ende ins Budget des Theatervereins. Finanzieren will man den neuen Proberaum durch Gönnerbeiträge. Zudem steht man der Möglichkeit offen gegenüber, die Räumlichkeiten an bestimmten Tagen an Dritte unterzuvermieten. Mit dem vereinsnahen, aber eigenständigen «Lumentopf», der sich beim Kellertheater, aber auch bei Externen um die Theatertechnik kümmert, besteht ein solcher Untermieter bereits. Dessen Materiallager wird in diesen Tagen vom bisherigen Standort beim Bahnhof an den Obertorplatz gezügelt.
Langfristige Lösung?
Die Leute vom Kellertheater hoffen nun mit dem neuen Probe- und Allzweckraum nicht nur eine optimale, sondern auch eine langfristige Lösung gefunden zu haben. Der Vertrag mit der Post läuft vorerst mit einer Mindestdauer von zwei Jahren. Danach kann unter Einhaltung einer einjährigen Kündigungsfrist beidseitig gekündigt werden. «Unser Wunsch wäre es, dass es noch lange nicht dazu kommt», sagt Landwehr. Man sei aber einigermassen zuversichtlich. «Wir gehen davon aus, dass die Post angesichts der dereinst vorgesehenen Umgestaltung des Obertorplatzes bis dahin nichts anderes mit der Liegenschaft plant.» Wenn die Projektmühlen diesbezüglich weiterhin so langsam mahlen wie bisher, dürfte dies dem Kellertheater durchaus entgegenkommen.
Eine ganz neue Präsenz
Denn neben der Funktionalität bietet der neue Proberaum dem Kellertheater in den nächsten Jahren auch ganz neue Möglichkeiten bezüglich Sichtbarkeit. «Wir können nun noch näher an der Bevölkerung sein und uns noch mehr und noch häufiger den Menschen in Erinnerung rufen», sagt Erni. Hier am Verkehrsknotenpunkt eingangs der Altstadt erreicht man mit Plakaten und Aushängen in den Fenstern und an der Tür viel Laufkundschaft. Mit den Proben in Sichtweite der Passanten strahlt man Präsenz aus und bietet hinein spienzelnden Interessenten ganz nebenbei mehrmals die Woche ein kleines Amuse-Bouche. Und nicht zuletzt bringt man auch hochwillkommenes neues Leben in die lange tot geglaubten Räumlichkeiten der alten Post.





